Interview
Aktuelle Drogensituation in Villach

Kattnig von Roots gibt Auskunft
  • Kattnig von Roots gibt Auskunft
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  • hochgeladen von Birgit Prasser

Vergangene Woche fand man in Villach den zwölften Drogentoten Kärntens in diesem Jahr. Der Trend geht hin zu jüngeren Konsumenten. Zusammensetzung der Drogen birgt Gefahr. Raucherschutz wichtig auch im Kampf gegen Drogen.

VILLACH. Einige  Razzien im Villacher Raum mit großen Drogen- und Waffenfunden, aber auch  neue, schwer einschätzbare Substanzen, welche einfach übers Internet zu bestellen sind, machen vielen Eltern Angst. Die Mehrzahl der Konsumenten ist zwischen 18 und 25 Jahre alt. Das Einstiegsalter geht nach unten. Die WOCHE spricht mit Gerald Kattnig, ärztlicher Leiter der Drogenambulanz Roots in Villach.

WOCHE: Wie stellt sich die Situation aktuell in Villach dar? Welche Drogen sind lokal am verbreitetsten?
GERALD KATTNIG: Derzeit scheint es viele leicht erreichbare Drogen zu geben. Wenn es der Polizei immer wieder gelingt, große Mengen sicherzustellen, bedeutet dies, dass viel vorhanden sein muss. Kokain scheint es immer mehr zu geben, auch LSD konnten wir öfters bemerken. Ein großes Problem sind weiterhin Beruhigungsmittel und Heroin sowie opiathältige Schmerzmittel.

Welche Gefahr bergen diese  Substanzen? 
Es gibt hunderte verschiedene Mischungen. Illegale Suchtmittel sind in der Zusammensetzung immer offen, sie sind nie irgendwo registriert oder kontrolliert produziert worden. Substanzanalysen von z.B. „Check it“ zeigen, dass oft nicht das, was draufsteht oder gekauft wurde, wirklich drin ist. Es gibt oft Mischungen von mehreren Substanzen – oft in lebensbedrohlichen Kombinationen oder auch von hoher Reinheit. Es ein Spiel mit vielen unbekannten Faktoren. Leider geht der Trend vor allem bei Jüngeren in Richtung Mischkonsum. Manche probieren vieles/alles aus, das von Freunden oder über das Internet angeboten wird. Sie bleiben dann bei jenen Substanzen, die besondere Wirkungen für sie haben, hängen – insbesondere dann, wenn sie damit auch eine psychische Störung beeinflussen können.

Kommen Jugendliche heute früher in Berührung mit Drogen?
Ja, der „Trend“ geht zum frühen Einstieg – 14 Jahre und manchmal jünger. Je früher, desto schlechter für die intellektuelle und soziale Entwicklung.

Welches gilt als typisches Einstiegsalter?
Meist in der Zeit der späteren Pflichtschuljahre, am Übergang zur Lehre oder weiterführenden Schule. Probierkonsum an sich ist nichts Ungewöhnliches und passt zu den Veränderungen in der Hirnstruktur in diesem Alter: Es besteht hohe Neugierde, Protestverhalten, Risikofreudigkeit, Reiz des Verbotenen, Ablösung vom Elternhaus und Wichtigerwerden von Peergroups. Selbstfindung und Freundschaften stehen ganz im Vordergrund. Risikobewusstsein ist im Gegensatz zu reifen intellektuellen Handlungen wenig ausgeprägt. Meist bleibt es bei den Jugendlichen beim kurzfristigen Probierkonsum, bei anderen führt es aber leider zu einer (lebens)langen Beeinträchtigung.

Ist Cannabis weiterhin Einstiegsdroge oder geht der „Trend“ hin zu synthetischen Drogen?
Wenn Substanzkonsum schon in der Schwangerschaft bestanden hat, ist die Wahrscheinlichkeit dafür generell höher. In der Pubertät beginnt es meist mit Alkohol und Nikotin, gefolgt von Cannabis. Sehr selten konsumieren Jugendliche Cannabis ohne Nikotin zuvor. In diesem Zusammenhang ist Nichtraucherschutz ganz wichtig.

 Was sind die ersten Warnsignale, die man als Elternteil ernst nehmen sollte?
1.) Wenn sich Veränderungen zeigen, wie Stimmungsveränderungen, Leistungsabfall, morgendliche Müdigkeit und Tag-/Nachtumkehr, Wegbleiben von der Schule, Veränderung des Freundeskreises, Gewichtsänderungen, Nikotinkonsum, Alkoholisierungen usw. Veränderungen, die ja auch zur Pubertät passen. Es ist ganz wichtig, mit den Kindern/Jugendlichen im Gespräch zu bleiben, neugierig zu sein, aber auch kritische Fragen zu stellen. Das Wichtigste ist ein gutes positives Vorbild zu sein.
2.) Wenn sich Beziehungsänderungen bei den Eltern ereignen… Aus den Biographien der Jugendlichen wird deutlich, dass die Mehrheit aus zerbrochenen Elternhäusern kommt und viele Beziehungsabbrüche erlebt haben. Eine gute, stabile Elternschaft mit gemeinsamen Werten und Familienritualen sowie ausreichend Zeit für einander von Beginn an, ist ein wichtiger Schutzfaktor.
3.) Ein wesentlicher Risikofaktor sind zusätzliche psychische Auffälligkeiten/Krankheiten wie Ängste, Aggressionen, Rückzug, Depressionen. Bei entsprechendem Verdacht wäre somit eine psychiatrische Abklärung sehr ratsam.

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Information:
Die AVS  Drogenambulanzen bieten  ein breites Angebot für alle, die kommen (ob freiwillig oder nicht) an, um positiv auf ihren Gesundheitszustand einzuwirken. Sie  haben den Vorteil multiprofessioneller Teams – können also neben Abklärung, Therapie und medizinischer Behandlung (inklusive Substitutionsbehandlung) auch Sozialarbeit anbieten, um eine Verbesserung der Gesamtsituation zu erreichen.
Ebenfalls gibt es gute  Verbindungen mit  vielen Hausärzten – die ja oft die ersten Ansprechpartner sind.

AVS Drogenambulanz und Drogenberatung Roots Villach, Jakob-Ghon-Allee 4, Tel: 04242/27830

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