Sabine Herlitschka im Interview
"Es liegt an uns, Zukunft zu gestalten"

Bildung, eines der zentralen Themen für Herlitschka
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Die WOCHE im Interview mit Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria. 

VILLACH. Es gibt viele Themen, die die Infineon Austria Vorstandsvorsitzende Sabine Herlitschka bewegen. Ein ganz zentrales ist die Bildung. "Kärnten als Bildungsland – warum nicht?", fragt sie. Sie sei eine, die es nicht gerne nur beim Bereden lässt, "ich setze gerne konkret um".

WOCHE: Die Standorterweiterung ist voll im Gang. Wie ist der Stand der Dinge? 
SABINE HERLITSCHKA: Es passiert derzeit viel, am prominentesten ist derzeit das Parkhaus, da es bereits im Juni fertiggestellt wird. Es steht für die Infrastruktur, die wir benötigen.

WOCHE: Das Forschungsgebäude soll im nächsten Jahr folgen.
Genau. Wir haben schon mit dem Hochbau begonnen. Der dritte große Teil ist die hochautomatisierte Chip-Fabrik. Wir schaffen dort 400 neue Arbeitsplätze.
Es gibt ja viele Studien, die sich damit befassen, ob Arbeitsplätze durch Digitalisierung wegfallen. Wichtig ist zu zeigen, dass wir damit auch Arbeitsplätze schaffen. Wie Robotertrainer oder Data Scientists, das sind Beispiele für Job-Profile der Zukunft.

WOCHE: Hat man mit der Mitarbeitersuche bereits angefangen?
Ja natürlich.

WOCHE: Stichwort Fachkräfte-Mangel. Wie sieht es denn am regionalen Arbeitsmarkt aus?

Wir bekommen im Moment zwar die Leute, aber wir tun auch wirklich viel dafür. Der Fachkräftemangel in Österreich ist mittlerweile tatsächlich wachstumslimitierend geworden. 

WOCHE: Was entgegnen sie Unternehmern, die meinen, die Infineon zieht Fachkräfte ab?
Die gibt es. Aber ich verwende da gerne das Bild einer Decke. Die Frage ist nicht, wer zieht stärker an welcher Ecke. Das Ziel muss sein, die Decke zu vergrößern – das Grundpotenzial zu erhöhen.
Die Investition bei uns ist eine riesige Chance für die ganze Region. Wir arbeiten gemeinsam an konkreten Aus- und Weiterbildungschancen. Wir haben derzeit einen Anteil von einem Viertel der Belegschaft, die nicht aus Österreich sind, sondern aus 60 verschiedenen Nationen.

Die Chancen für Frauen attraktive Karriereverläufe in der Technik zu haben, waren noch nie so gut wie jetzt.

WOCHE: Quer durch alle Bereiche?
Typischerweise betrifft das stärker den höher qualifizierten Bereich. Ich halte Diversität für einen Wettbewerbsvorteil. Daher suchen wir regional, national und darüber hinaus.

WOCHE: Mehr junge Menschen in die Technik. Aber gibt es denn genügend Ausbildungsmöglichkeiten?
Ja, und das umfasst HTLs, Fachhochschulen, Universitäten. Derzeit arbeiten wir an einem Pilotprojekt mit HTLs in Kärnten, bei dem es darum geht, Naturwissenschaften und Technik mit einer neuen Didaktik zu vermitteln. Das läuft unter Smart Learning. Wir wollen sehr ambitioniert im Herbst beginnen, ich hoffe, es klappt.

WOCHE: Und bewerben sich dafür denn auch Frauen? Wie sieht es aus mit dem Frauenanteil bei Infineon Austria – bei Ihnen in Villach – aus?
Wir stellen im Moment in Relation zu dem, was am Bildungsmarkt verfügbar ist, mehr Frauen ein. Unser Frauenanteil in Österreich liegt bei rund 17 Prozent.

Der Fachkräftemangel ist mittlerweile in Österreich tatsächlich wachstumslimitierend geworden.

WOCHE: Sie haben sich ja Ziele gesetzt.
Unser Ziel im Konzern gesamt lautet bis zum Jahr 2025 20 Prozent Frauen in Führungspositionen zu haben. Derzeit stehen wir bei knapp 15 Prozent.

WOCHE: Woran liegt diese, nenne wir es, "Zurückhaltung"?
Wir haben einerseits nach wie vor ein traditionelles Rollenmodell. Auf der anderen Seite, waren die Chancen für Frauen attraktive Karriereverläufe zu haben gerade in der Technik noch nie so gut wie jetzt. Kaum mehr eine Organisation kommt an der Frage vorbei: wo sind im Führungsgremium die Frauen? 

WOCHE: Beim Konjunkturforum präsentierten Sie Zukunftsbilder für Kärnten. "Kärnten groß gedacht". Könnten Sie das erläutern?
Zukunft passiert nicht einfach so. Auch der Standort hier passierte nicht einfach so. Es liegt an uns, die Zukunft zu gestalten. Darum habe ich vier Szenarien gezeichnet.
Nummer Eins, Kärnten als Bildungsland. Warum zum Beispiel nicht ein gemeinsamer Campus für Universität, Fachhochschule, für 30.000 Studenten?

WOCHE: Und das zweite Szenario?
Kärnten als Innovationsland. Silicon Alps Cluster, mit derzeit
130 Mitgliedsunternehmen. 
Schauen wir, dass wir auf tausend kommen, die 100.000 Mitarbeiter repräsentieren.
Drittens Mobilität, das bedeutet intelligente Mobilität für kürzere Fahrzeiten, geringeren CO₂-Ausstoß etc. Warum nicht?

WOCHE: Und das vierte Szenario?
Kärnten als bestes Land für Unternehmensgründungen. Unternehmensgründungen und Betriebsansiedlungen innerhalb von zehn Tagen. Warum denn nicht? Das könnten Zukunftsbilder sein. Und es gibt viele mehr. Aber klar ist auch, von alleine passiert nichts. Wir müssen das tun.

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Zur Sache 

Vollautomatisierte 300-Millimeter-Chipfabrik:
Baubeginn: Erste Hälfte 2019
Geplanter Produktionsstart: Erste Hälfte 2021
Gebäudefläche gesamt: ~60.000 m2
Investitionsvolumen (Gebäude, Reinraumtechnik, Produktionsanlagen): ~1,6 Milliarden Euro
Investitionszeitraum: 6 Jahre
Beschäftigte: ~400 hochqualifizierte Arbeitsplätze

Gebäudekomplex für Forschung & Entwicklung:
Baubeginn: Dezember 2018
Fertigstellung: Frühsommer 2020
Gebäudefläche gesamt: ~20.000 m2
Investitionsvolumen: 50 Millionen Euro
Beschäftigte: 600 F&E-Arbeitsplätze, davon 350 zusätzliche F&E-Arbeitsplätze

Parkhaus
Baubeginn: September 2018
Fertigstellung: Juni 2019
Kapazität: ~900 Abstellplätze

Zur Person
Sabine Herlitschkas berufliche Stationen umfassen industrielle Biotech-Forschung, internationale Forschungs- und Technologiekooperation und –finanzierung, Internships bei U.S. Wissenschafts-Institutionen, Fulbright Wissenschafterin an der George Washington University und der Johns Hopkins University in Washington DC, und Gründungs-Vizerektorin an der Medizinischen Universität Graz.
2011 wurde Herlitschka in den Vorstand von Infineon Technologies Austria berufen, wurde 2012 Vorstand für Technik und Innovation und im April 2014 zur Vorstandsvorsitzenden ernannt.
Herlitschka hält ein Doktorat in Lebensmittel- & Biotechnologie, Postdoc in der industriellen Forschung und einen Master of Business Administration.

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