Keine Kassenfachärzte auf dem Land
"Kassenstellen auch im Bezirk Villach zu unattraktiv"
- Kassenfachärzte sind auf dem Land Mangelware beziehungsweise gar nicht vorhanden.
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Aus folgenden Gründen sind Termine bei Kassenärzten oft rar, Wahlärzte auf der Überholspur und zu den Kassenfachärzten muss man oft weit pendeln.
VILLACH, KÄRNTEN. Immer wieder kommt die Diskussion auf, dass es in unseren Tälern zu wenig Kassenmediziner gibt, Patienten oft weit zum Arztbesuch pendeln und lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Im Gespräch mit MeinBezirk Villach nimmt Klaus Mitterdorfer, Direktor der Ärztekammer für Kärnten, die Situation im Bezirk Villach genau unter die Lupe. "In Kärnten haben wir generell das Glück, dass der überwiegende Bereich der Kassenstellen besetzt ist. Wir haben 263 Kassenstellen für Allgemeinmedizin, die im Wesentlichen in den einzelnen Gemeinden zu finden sind. Engpässe gibt es da eher in Unterkärnten als in Villach", verrät Mitterdorfer: "Parallel dazu sind unsere 217 Facharztstellen so gut wie ausschließlich in den Bezirkshauptstädten angesiedelt. 22 der 263 Kassenstellen für Allgemeinmedizin sind in Villach Stadt, 33 praktische Ärzte in Villach Land zu finden. Zusätzlich haben in Villach Stadt 47 Fachärzte einen Kassenvertrag. Weil es in Villach Land keine Kassenfachärzte gibt, müssen Patienten hier nach Villach, Spittal, Hermagor oder Feldkirchen pendeln."
Fachärztlicher Überblick
Im Bereich der Gynäkologie gibt es in Villach fünf Einzelpraxen und eine Teilgruppenpraxis. Im Bereich Augenheilkunde haben wir ab dieser Woche sechs Einzelordinationen. Wer dermatologische Untersuchungen benötigt, der findet aktuell zwei Kassenärzte in Villach – die dritte Ordination eröffnet Anfang Oktober. Daneben gibt es eine Vielzahl von Wahlärzten im Bezirk.
- "Man müsste Wahlärzten das Leben einfacher und Kassenverträge attraktiver machen" – Klaus Mitterdorfer, Direktor der Ärztekammer für Kärnten
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Deutlich mehr Wahlärzte
"In Kärnten haben wir 498 Wahlärzte – also deutlich mehr als Kassenärzte. Das ist aber in allen Bundesländern so, weil sich der Kassenvertrag seit vielen Jahrzehnten kaum weiterentwickelt hat. Was Anfang der Neunziger attraktiv war, ist es heute nicht mehr in dieser Form", betont Mitterdorfer: "Die Leute werden Gott sei Dank älter. Das führt aber dazu, dass immer mehr Patienten die Arztpraxen stürmen – und das auch häufiger. Die Inanspruchnahme der Ärzte steigt also deutlich, wobei es trotzdem nicht mehr Kassenstellen gibt. Zusätzlich ist der Kassenvertrag auch aufgrund von diversen Limitierungen nicht mehr wirklich modern. Man bekommt bei weitem nicht mehr alles abgegolten, was man leistet. Das Hauptproblem: Je mehr Patienten öfter kommen, umso weniger schaut für die Ärzte dabei heraus. Es ist also kein Wunder, dass ältere Kassenärzte früher aufhören als sie müssten und jüngere sehr zaghaft nachrücken. Auch nicht, dass der Beruf des Wahlarztes immer attraktiver wird."
"Politik müsste gegensteuern"
In Zeiten wie diesen teilen sich auch oft zwei Mediziner einen Kassenvertrag. Mitterdorfer: "Sie machen dann zwar mehr Patienten, bekommen aber aufgrund besagter Limitierungen eben viele Leistungen nicht abgegolten. Die Politik müsste den Wahlärzten das Leben leichter und parallel dazu das Kassensystem attraktiver machen. Das ist das Grundsatzthema, das uns seit geraumer Zeit beschäftigt."
Wartezeiten und Bürokratie
Weil die Arztpraxen auf dem Land und in der Stadt regelrecht gestürmt werden, kommt es immer wieder zu Wartezeiten beziehungsweise zu Aufnahmestopps. "Oft können de facto keine neuen Patienten aufgenommen werden, weil die Kapazität nicht mehr gegeben ist. Hinzukommt ein immer größer werdender administrativer Aufwand in Bezug auf Bürokratie", kritisiert Mitterdorfer: "Als die ÖGK noch nicht zusammengelegt war, konnte man als Arzt noch viel selbst mit dem Land regeln. Der Zentralismus, den es seit 2020 gibt, hat nicht ausschließlich Vorteile. Da spielen viele kleine Puzzleteile zusammen." Auf unsere Anfangsthematik – eine nicht ausreichende ärztliche Versorgung in den einzelnen Villacher Tälern – hat Mitterdorfer trotz allem eine klare Antwort: "Ob Gailtal, Drautal, Gegendtal oder Rosental – man kann nicht sagen, dass irgendein Abschnitt vom Bezirk Villach schlecht versorgt wäre. Allerdings müssen die Patienten für fachärztliche Untersuchungen in die Ballungsräume pendeln. Das ist aber nicht nur hierzulande so."
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