Vom Gummistiefel zum Autoreifen
Der seltene Lehrberuf des Vulkaniseurs

Michael Lamprecht (re.) mit seinem Neffen Marco Lamprecht
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Der Lehrberuf des Vulkaniseurs – oder Vulkanisationstechnikers – ist ein spezieller. Und auch selten gewählter Beruf. Einer der wenigen Lehrausbildner ist Michael Lamprecht von Reifen Lamprecht. Zurzeit würde er gerne, kann jedoch keine Lehrlinge ausbilden, da er einer der drei einzigen Prüfer in Kärnten ist.

VILLACH. Noch ist das Lager nach dem Brand des Vorjahres nicht ganz fertiggestellt. Viel fehlt aber nicht mehr, "die Hauptsaison steht unmittelbar bevor", sagt Michael Lamprecht, Inhaber und Geschäftsführer von Reifen Lamprecht. Mit November gilt Winterreifenpflicht, spätestens dann geht es beim Reifenhändler turbulent zu.

Ein Interessenskonflikt

Zehn Mitarbeiter hat Lamprecht am Standort Villach angestellt. Ein Lehrling befindet sich aktuell nicht darunter, was aber weniger mit dem Willen des Unternehmers zusammenhängt. "Ich würde sofort jemanden nehmen", sagt er. Viel mehr ist der Grund in einem Interessenskonflikt zu finden. Die Berufsschule Villach ist die einzige für Vulkaniseure in Österreich, Lamprecht einer von drei Prüfern. "Gleichzeitig Ausbildner und Prüfer sein, das geht nicht", erläutert er. ´

Seit drei Jahren kein Lehrling

Seit drei Jahren besteht das Dilemma nun, damals gingen zwei der Prüfer in Pension, einer wohnhaft in Innsbruck, der zweite in Vorarlberg, erläutert Lamprecht die Problematik. "Die Anreise nur wegen einer Prüfung ist dann schon viel verlangt", weiß er.

Vom Lehrling zum Chef

Lamprecht selbst habe seinerzeit gelernt, im familieneigenen Betrieb, ebenso wie sein Bruder, der heute an der Berufsschule in Villach unterrichtet. Auch dessen Sohn, also Lamprechts Neffe Marco, arbeitet im Reifenhandel. "Die Lehre hat er nicht gemacht, weil es ja derzeit nicht geht. Aber er weiß alles darüber, vielleicht macht er den Lehrabschluss dann noch", sagt Lamprecht.

Ein seltenes Berufsbild

Der Beruf des Vulkaniseurs – oder Vulkanisationstechnikers – ist ein rarer geworden. Die Lehrlingszahl ist überschaubar. "In Österreich werden im Jahr vielleicht 20 Lehrlinge an", erläutert Lamprecht. Darunter gebe es inzwischen auch immer wieder weibliche Lehrlinge. Er selbst hat in seiner langen Karriere als Ausbildner eine Handvoll junge Frauen ausgebildet, "zumeist gibt es da einen familiären Background, einen Betrieb", so Lamprecht.

Vom Gummistiefel zum Reifen

Warum der Beruf des Vulkaniseurs ein seltener ist, Lamprecht schmunzelt, "interessiert sich jemand für Fahrzeuge und Technik zieht es sie meist in die KFZ-Mechanik". Dabei sei das Berufsfeld, so der Villacher, vielfältig und auch zukunftsweisend. "Da geht es nicht nur um Reifen. Überall wo mit Gummi gearbeitet wird, greift die Ausbildung. Gummimatten, Förderbänder Landschaftsgeräte, Kesselauskleidungen , ... es ist unendlich", weiß Lamprecht. 
Anno dazumahl hätte ein Vulkaniseur Gummistiefel repariert, oder Gummiboote, erzählt der Unternehmer.

Gummi ist nicht gleich Gummi

Die Bezeichnung Vulkanisation rührt überdies von der Produktion des Gummis her, erläutert Lamprecht (zur Sache). Wo Gummi zum Einsatz komme, kenne sich ein Vulkaniseur aus.
Eben ganz besonders auch bei Reifen. Wobei Reifen und Reifen nicht einerlei sei. "Da gibt es die ganz großen Geheimnisse, man denke nur an die Formel 1", schweift Lamprecht aus. ´"Es ist ein Beruf, der viel Spannendes bietet und auch sicher nicht alltäglich ist. Man muss es aber, wie eben alles im Leben, auch gerne und mit Leidenschaft machen", weiß er. 

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FAKTEN

Die Schule: Wer in Österreich den Lehrberuf des Vulkanisationstechnikers ergreift, muss die Schulbank in Villach drücken. Hier besteht die einzige Ausbildungsstätte bundesweit. 
Vulkaniseure: reparierten früher einmal auch Gummistiefel (können tun sie das heute noch)
Vulkanisieren bedeutet: "Rohkautschuk mithilfe bestimmter Chemikalien zu Gummi verarbeiten"

Brand im Jahr 2019

Am 10. Oktober 2019 brannte das Lager bei Reifen Lamprecht fast völlig ab. Zerstört wurden auch sämtliche Lagerbestände. Der Schaden belief sich auf mehr als drei Millionen Euro. Reifen für 1.700 Kunden musste der Reifenhandel nach bestücken. Das Lager musste völlig neu gebaut werden, in etwa vier Wochen soll es fertiggestellt worden sein. Als Brandursache wurde Brandstiftung festgestellt. Der Täter wurde ermittelt.

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