09.11.2016, 13:44 Uhr

Gericht stoppt umkämpftes Bauprojekt in der Villacher Innenstadt

Um dieses Grundstück beim Burgplatz geht es: Am Areal der einstigen Firma Nais soll ein Hochhaus entstehen.

Neubau hätte 18-Meter-Wand an Grundstücksgrenze zur Folge. Anrainer bekämpft diesen Plan seit vier Jahren. Jetzt gibt ihm eine Richterin Recht.

VILLACH (kofi). Es ist ein klassischer Kampf David gegen Goliath. Die Rolle des Kleinen, des David, erfüllt der Villacher Alois Aichholzer, als Goliath treten ein Bauwerber und die Stadt Villach auf. Nun hat das Landesverwaltungsgericht David zu einem bemerkenswerten Erfolg verholfen.


Umkämpfter Neubau

Worum geht es? Seit mehr als vier Jahren streiten Alois Aichholzer und ein Bauwerber darum, ob auf Aichholzers Nachbargrundstück ein Neubau errichtet werden darf, der zur Folge hätte, dass direkt an der Grundgrenze eine 17,9 Meter hohe Wand entstünde. Diese Wand wäre nur wenige Meter von Aichholzers Haus entfernt und würde die Lebensqualität massiv verändern. Derzeit genießt man vom Haus – es befindet sich in der Widmanngasse in Villach (bei der Musikschule) – eine tadellose Aussicht Richtung Burgplatz und Dobratsch. Durch den Neubau bliebe davon wohl nur viel Schatten. Von der Stadt Villach hatte das Projekt dennoch eine Baubewilligung erhalten. Es passe zur grundsätzlichen Absicht, die Innenstadt-Bauflächen zu verdichten.


Kampf gegen das Projekt

Von Anfang an hatte Aichholzer das Projekt massiv bekämpft. Er argumentierte in mehrere Richtungen, etwa mit der Kärntner Bauordnung, wonach Abstände zu Nachbarn eingehalten werden müssten. Er legte auch Gesundheitsgutachten vor, wonach zu viel Schatten ungesund sei. Und: Er bewies letztlich sogar, dass der Neubau zum Teil auf seinem Besitz geplant worden sei, da die Grundstücksgrenze anders verläuft, als die Bauwerber gedacht hatten. Nun bekam Aichholzer spektakulär recht: Das Kärntner Landesverwaltungsgericht hat mit 20. Oktober seiner Beschwerde Folge gegeben und die Baubewilligung versagt. Das Projekt sei in dieser Größe und nach geltendem Recht nicht durchführbar.

Drei Optionen für die Stadt Villach

Was nun? Magistrat-Jurist Alfred Winkler nennt gegenüber der WOCHE drei mögliche Szenarien: "Erstens: Die Stadt macht nichts mehr, dann ist das Projekt gestorben. Zweitens: Die Stadt ändert jene Aspekte im Bebauungsplan, der derzeit dem Projekt im Wege steht. Das wäre machbar." Dann ginge der Rechtsstreit weiter, Aichholzer könnte diese "Anlassgesetzgebung" bekämpfen. Oder drittens – und das werde Winkler der Stadtpolitik empfehlen: "Man setzt sich mit Aichholzer zusammen und versucht, eine für alle vertretbare Einigung zu erzielen."


Albel will an Projekt festhalten

Villachs Bürgermeister Günther Albel sagt in einer ersten Reaktion, dass er an dem Projekt festhalten werde, Aichholzer wiederum stellt klar, dass er jedes Rechtsmittel zur Durchsetzung seines Rechts ausnützen werde. David gegen Goliath – vieles deutet auf eine Fortsetzung der Villacher Version dieses in der Bibel zitierten Kampfes hin. Damals gewann übrigens der Kleine.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.