05.07.2017, 08:00 Uhr

Infineon befürchtet Millionen-Schäden

Thomas Reisinger, Infineon Vorstandsmitglied, weiß um die Probleme (Foto: KK/Infineon)

Fehlende Stromleitung als Problem für Infineon. Nun werden Schutzmaßnahmen durchgerechnet.

VILLACH (aju). Seit 2015 steht das Projekt der 110kV-Stromleitung von Fürnitz nach Landskron. Einsprüche gegen die bereits gebaute Trasse sind der Grund. Besonders für einen der größten Arbeitgeber in Kärnten, die Infineon, bedeutet das einen Schaden von rund 1,5 Millionen Euro jährlich. Um das künftig zu verhindern, werden nun Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe diskutiert.

Blitze als Problem

Zu Problemen führt der jetzige Stand der Stromversorgung vor allem im Sommer. "Wir sprechen hier von Ausfällen durch Blitzschläge im Zehntel und Hundertstel- Sekundenbereich. Bei der Produktion von sensiblen Produkten wie bei Infineon kann das ausschlaggebend sein", sagt Kelag-Geschäftsführer Reinhard Draxler. Unterscheiden müsse man hier zwischen längeren Stromausfällen und kurzen Spannungsschwankungen. "Derzeit können wir bei längeren Ausfällen ein Drittel unseres Strombedarfs für 20 Minuten selbst abdecken. Darüber hinaus haben wir Dieselgeneratoren, die zumindest einen Teil der wichtigsten Systeme auch länger versorgen können", sagt Thomas Reisinger, Vorstand für Operations bei Infineon. Darüber hinausgehende Sicherungskonzepte werde deshalb aktuell in einer Expertengruppe diskutiert, erfordern aber Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe.

Nicht vor 2020

Vonseiten der Kelag wird eine Entscheidung vom Verwaltungsgericht über die 110kV-Leitung diesen Sommer erwartet. Damit ist das Problem aber noch nicht gelöst.
Zusätzlich würden dann noch weitere rechtliche Verfahren, Genehmigungen und eine Bauphase von circa zwei Jahren anstehen. "Realistisch betrachtet dauert der Bau noch bis 2020, aber wir leben in einem Rechtsstaat und da gibt es eben Verfahren und Einsprüche", sagt Draxler. Nachdem die Trasse für die Freileitung gebaut wurde, kam ein Einspruch. "Wir hatten schon rechtskräftige Bescheide und starteten das Projekt. Durch eine Entscheidung des Gerichts aber wurden einige Bescheide aufgehoben und die Möglichkeit der Einsprüche gegeben", sagt Draxler. Seither würden alle Rechtsmittel ausgeschöpft.

Gefahr im Sommer besonders hoch

Bei längeren Ausfällen der Stromversorgung wäre die Weiterführung der Produktion aber auch aller anderen Aktivitäten wie der Arbeit im Labor unmöglich für Infineon. "Bei den Spannungsschwankungen sind einerseits unser Halbleiterfertigungsanlagen direkt betroffen, also die Elektronik oder die Steuerung der Anlage werden defekt. Zum anderen kommt es zu Schäden in unserem Infrastruktur- und Versorgungsbereich, wie beispielsweise den Ausfall von Pumpen oder des Kühlwassersystems", erklärt Reisinger. Gerade im Sommer wäre hier die Gefahr besonders groß, weil eben häufiger Gewitter auftreten. Doch damit nicht genug, dadurch kommt es weiterführend zu Produktionsausfällen und halbfertigem Material, das nicht mehr weiterverwendet werden könne. Das führe zu einem Gesamtverlust von 1,5 Millionen Euro pro Jahr.
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