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Fall Kellermayr: Landespolizeidirektion OÖ angezeigt
- Vor der Praxis in Seewalchen wurden Blumen abgelegt und Kerzen angezündet.
- Foto: BRS
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Tiefe Betroffenheit und Trauer in Seewalchen. Anzeigen gegen Beamte der Landespolizeidirektion OÖ.
SEEWALCHEN. "Wir sind geschockt, wie weit Hass im Netz führen kann", sagt Gerald Egger, Bürgermeister von Seewalchen. "Wir verlieren ein wichtiges Mitglied unserer Gemeinde, eine Ärztin, der viele ihre Gesundheit anvertraut haben."
Lisa-Maria Kellermayr nahm sich vergangenen Freitag in ihrer Ordination das Leben (Bericht hier). Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Suizid. Kellermayr hinterließ drei Abschiedsbriefe - einer davon ging an die Ärztekammer, einer an die Landespolizeidirektion OÖ.
Viele fragen sich nun, ob und wie man der 36-Jährigen noch hätte helfen können – insbesonders, da sie bereits zwei Wochen vorher versucht haben soll, sich das Leben zu nehmen.
Monatelang Morddrohungen
Kellermayr war seit November des Vorjahres immer wieder Morddrohungen aus der Impfgegnerszene ausgesetzt – mit Betreffs wie "Ich werde dich hinrichten". Kellermayr investierte daraufhin rund 100.000 Euro in Sicherheitsvorkehrungen. Ende Juni schloss sie ihre Ordination, in der Hoffnung, sie wieder aufsperren zu können. Im September hätte sie in Konkurs gehen müssen. Die BezirksRundSchau berichtete.
Am Tag vor ihrem Tod, am 28. Juli, gab Kellermayr auf ihrer Homepage bekannt, dass sie nicht wisse, ob, wann oder wie ein normaler Betrieb wieder aufgenommen werden könne. Patienten könnten ab 16. August ihre Befunde anfordern.
Angst vor mehreren Tätern
Sorgen machte Kellermayr, dass die Morddrohungen von mehreren Absendern kamen. "Es ist nicht einer, vor dem ich mich fürchten muss", sagte Kellermayr im Gespräch mit der BezirksRundSchau.
Die Ärztin hatte nach den Morddrohungen ihr Leben drastisch geändert: Sie schlief in der Praxis, weil sie sich nur dort sicher fühlte und ging zu verschiedenen Zeiten einkaufen, damit kein Muster erkennbar war. "Hätte ich Polizeischutz bekommen, hätte ich nie ein Problem gehabt", war sie überzeugt. Die Ordination wurde verstärkt bestreift - für die Ärztin war das zu wenig, und sie sagte das immer wieder in der Öffentlichkeit.
"Ich habe umsichtig agiert. Wir haben alles unternommen, was die Polizei leisten kann", sagt Hermann Krenn, stellvertretender Bezirkspolizeikommandant von Vöcklabruck. Dies betont auch die Landespolizeidirektion OÖ: "Die polizeilichen Schutzmaßnahmen rund um die Ordination wurden drastisch erhöht. Dabei wurden alle gesetzlich möglichen Maßnahmen ausgeschöpft." Die traurige Erkenntnis sei, dass in den letzten Jahren zu wenig gegen Hass im Netz getan wurde, so Krenn.
Stelle wird neu ausgeschrieben
"Wir sind sehr bestürzt über die Nachricht des Todes von Frau Dr. Kellermayr und möchten Ihrer Familie unser herzliches Beileid bekunden. Es ist schwer in so einer Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen", sagt Viktoria Frieser, Stv. Pressesprecherin der Österreichischen Gesundheitskasse. Da aber der Bedarf gegeben sei, werde die Stelle jedenfalls nachbesetzt. "Der Zeitpunkt der Ausschreibung ist noch Gegenstand der Abstimmung zwischen Kammer und Kasse."
Hilfsplan für Ärzte
Präsident Peter Niedermoser und die gesamte Ärztekammer für OÖ sind tief erschüttert über das Ableben von Kellermayr. "Wir wünschen den Angehörigen von Frau Dr. Kellermayr alle Kraft und sichern den Hinterbliebenen Unterstützung bei der Bewältigung dieses Schicksalsschlages zu", ist in einer Aussendung zu lesen.
Für Niedermoser ist diese menschliche Tragödie auch ein unglaubliches Beispiel, wie weit unkontrollierter Hass im Netz gehen kann. Für alle Betroffenen von Hass im Netz hat die Ärztekammer für OÖ ein spezielles Hilfspaket geschnürt, das jederzeit von den Ärztinnen und Ärzten in Anspruch genommen werden kann.
Letzte Woche noch sei mit Kellermayr ein Hilfsplan persönlich besprochen worden, wie das Fortbestehen der Ordination, insbesondere auch mit Hilfe eines Rechtsanwaltes, der von der Ärztekammer für OÖ beauftragt wurde, gesichert werden kann.
Tausende bei Mahnwachen
Bundespräsident Alexander Van der Bellen legte am vergangenen Montag Rosen vor der Ordination Kellermayrs in Seewalchen ab. Am Abend nahmen tausende Menschen an Mahnwachen teil. unter anderem in Wien, Linz und Wels.
Anzeige gegen Polizeibeamte
Thomas Walach, ehemaliger Chefredakteur und Geschäftsführer der Onlinezeitung ZackZack, reichte nun im Fall Kellermayr eine Anzeige gegen die Beamten der LPD OÖ und der Staatsanwaltschaft Wels wegen Missbrauch der Amtsgewalt ein. Walach begründet dies damit, dass nicht ermittelt wurde, weil die Mails "aus dem Darknet" kommen. Einer Hackerin sei es aber sehr wohl gelungen, den mutmaßlichen Täter auszuforschen. "Dass die oberösterreichischen Strafverfolgungsbehörden über weniger Mittel zur Bekämpfung von Cyberkriminalität verfügen als Privatpersonen, scheint nicht lebensnah", so Walach. Er schließ daraus, dass Beamte eigenmächtig und unter Umgehung rechtlicher Normen auf die Verfolgung des mutmaßlichen Täters verzichtet hätten.
Die Anzeige erfolgte bei der zentralen Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftssachen und Korruption in Wien. Die Landespolizeidirektion OÖ wollte keine Stellungnahme zum Ermittlungsverfahren abgeben und verwies auf die Staatsanwaltschaft Wels. Deren Leiter, Christian Hubmer, betonte im Gespräch mit der BezirksRundSchau, er kenne die Anzeige nur aus den Medien.
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