Schwerer Start für das "Hoamatland"

Gräfin Theodora Kottulinsky (sitzend, 4.v.l.) ließ im Krieg im Schloss Kogl ein Lazarett einrichten. | Foto: atterwiki.at/Alfred Doloscheski
  • Gräfin Theodora Kottulinsky (sitzend, 4.v.l.) ließ im Krieg im Schloss Kogl ein Lazarett einrichten.
  • Foto: atterwiki.at/Alfred Doloscheski
  • hochgeladen von Alfred Jungwirth

BEZIRK (ju). Der Zerfall der Jahrhunderte währenden Monarchie im Jahr 1918 war auch die Geburtsstunde des Landes Oberösterreich. Zum Feiern war den Menschen damals jedoch nicht zumute: Viele Familien hatte im Ersten Weltkrieg Angehörige verloren. Lebensmittelknappheit und Arbeitslosigkeit wurden zu einem immer größeren Problem. "Gegen Ende des Krieges und zu Beginn der Ersten Republik spitzte sich die Situation massiv zu", berichtet die Vöcklabruckerin Gudrun Steiner in ihrem Buch "Vöcklabruck im Ersten Weltkrieg". "Die Lebensmittelknappheit wurde immer schlimmer, der Schleichhandel blühte. Die Gendarmeriechronik des Postens Vöcklabruck berichtet von Kälber- und Schweinediebstählen und davon, dass die Beamten einen erbitterten Kampf gegen die Schleichhändler führten."

Soldatenrat und Bürgerwehr

Ein am 1. November 1918 gegründeter Soldatenrat sollte in der Stadt Vöcklabruck für Ruhe und Ordnung sorgen. "Als Gegenmaßnahme beschloss die Gemeindevertretung am 2. November 1918 die Errichtung einer Bürgerwehr. Sie sollte die Kooperation mit dem Soldatenrat suchen, um Übergriffe zu vermeiden", erzählt Franz Satzinger, ehemaliger Vöcklabrucker Stadtamtsdirektor und promovierter Historiker. Durch das Zurückströmen der Truppen von der italienischen Front seien laufend mit Soldaten vollgestopfte Züge am Bahnhof eingetroffen. "Es kam zu Plünderungen und Raufereien, die unter Kontrolle gebracht werden mussten", so Satzinger.

Papierarbeiter streikten

In vielen Orten kam es wegen der schlechten Versorgungslage zu Demonstrationen gegen die Rationierungen. "Am 17. September 1918 traten 350 Arbeiter der Papierfabriken Lenzing und Pettighofen in den Ausstand. Zuvor hatte die Betriebsleitung abgelehnt, den Grundlohn um 30 Prozent und die bisherige monatliche Teuerungszulage von 15 Kronen sowie die Kinderzulage um 90 Prozent zu erhöhen. Der Streik verlief friedlich", heißt es in Steiners Buch.
Im Zentralraum Linz war auch Brennholz Mangelware. Die Eisenbahnabteilung Oberösterreich führte im Auftrag der Landesregierung die Holzbringung aus dem Salzkammergut für die Stadt Linz durch. "So beabsichtigte die Eisenbahnabteilung Wels im Jahr 1920 eine zehn Kilometer lange Waldbahn vom Saurüssel in der damaligen Gemeinde Pabing – heute Gemeinde Straß im Attergau – bis zum Lokalbahnhof St. Georgen im Attergau der Lokalbahn Vöcklamarkt-Attersee zu errichten", so Franz Hauser, Obmann des Vereines "AtterWiki" (atterwiki.at). Die Waldbahn wurde schließlich 1920 vom Abhang des Saurüssels bis zur Gruber-Mühle in Thalham errichtet. Auf den letzten zwei Kilometern bis zum Lokalbahnhof in St. Georgen erfolgte der Holztransport mit Pferdefuhrwerken.

Lazarett in Schloss Kogl

Um zahlreiche Kriegsversehrte kümmerte sich im Attergau Gräfin Theodora Kottulinsky, die während des Ersten Weltkrieges im St. Georgener Schloss Kogl ein eigenes Lazarett einrichtete.

Zur Sache

Am 11. November 1918 legte Kaiser Karl die Regierungsgeschäfte zurück, am nächsten Tag rief die Nationalversammlung in Wien die Republik Deutschösterreich aus. Im Februar 1919 fanden die ersten Wahlen der jungen Republik statt. Am 15. März 1919 bildete sich eine sozialdemokratisch-christlichsoziale Regierung unter Staatskanzler Karl Renner (Sozialdemokrat).
Der provisorischen Landesversammlung vom 18. November 1918 gehörten insgesamt 101 Mitglieder an. Landeshauptmann war Johann Nepomuk Hauser von der Christlichsozialen Partei.
In Vöcklabruck stand Bürgermeister Josef Zauner (Christlichsoziale Partei) der Gemeindevertreung von 1919 bis 1924 vor. Bis 1930 war er auch Mitglied des Nationalrates.
(Quelle: Gudrun Steiner – "Vöcklabruck im Ersten Weltkrieg", Kilian Verlag)

Anzeige

OÖ. Rotes Kreuz
Wir sind da! Freiwillige sichern Hilfe

Mehr als 25.000 überwiegend freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des OÖ. Roten Kreuzes gewährleisten täglich, dass Menschen in Oberösterreich rasch und verlässlich Hilfe erhalten. Durch jährlich 3,1 Millionen geleistete Stunden wird die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt – im Rettungsdienst ebenso wie in Pflege, Betreuung und sozialen Diensten. Ein Beispiel ist Lukas Hofmarcher aus Gaflenz (Bezirk Steyr-Land). Der 21-Jährige absolvierte beim OÖ. Roten Kreuz seinen Zivildienst und...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

UP TO DATE BLEIBEN

Aktuelle Nachrichten aus Vöcklabruck auf MeinBezirk.at/Vöcklabruck

Neuigkeiten aus Vöcklabruck als Push-Nachricht direkt aufs Handy

MeinBezirk Vöcklabruck auf Facebook: MeinBezirk Vöcklabruck

ePaper jetzt gleich digital durchblättern

Veranstaltungs-Tipps, Partyfotos und coole Gewinnspiele im wöchentlichen MeinBezirk.at-Newsletter


Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?

Werde Regionaut!

Jetzt registrieren

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.