Ohne ihn geht nix
Ausprobiert: Ein Tag mit dem Winterdienst

Herbert Strohmayer ist seit 37 Jahren im Winterdienst.
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  • hochgeladen von Peter Zellinger

Wie sieht ein Tag im Leben eines Schneepflugfahrers aus, wenn der härteste Winter seit Jahren über das Land zieht? Wir sind mitgefahren.

BEZIRK WAIDHOFEN. Es ist 2.30 Uhr als Herbert Strohmayer in seinen Lkw steigt. Der Streckendienst hat ihn angerufen, starker Schneefall hat eingesetzt und die Straßen müssen dringend geräumt werden. Auf seinem Fahrzeug mit dem breiten Schneepflug hat Strohmayer noch rund fünf Tonnen Salz geladen. Ins Rayon des Altwaidhofners fällt dazu noch ein besonderes Schmankerl: der Bründlberg, wahrscheinlich die berüchtigste Stelle - zumindest kennt jeder die Bilder von hängengebliebenen Lastwagen. Aber das bringt Strohmayer nicht aus der Ruhe: da bräuchte es mehr als ein paar Flankerl Schnee. "So lange wir nicht mit der Schneefräse ausrücken müssen, ist alles nicht so schlimm", lacht der Herr über den Schneepflug.

Dabei sind manche Autofahrer schon mit ein paar Zentimetern Neuschnee überfordert, wie sich schon bei der Anfahrt zum Schneepflug herausstellt. In Hollenbach steht ein Lkw quer - Schneeketten hat der Fahrer zwar mit, aber in der falschen Größe. Alltag bei der Straßenmeisterei, Strohmayers Kollegen werden sich gleich darum kümmern.

"Leute sind an eine schwarze Straße gewöhnt"

Wir haben einen anderen Auftrag: der Bründlberg wartet schon. "Am besten räumt man dort gleich drei Mal", berichtet Strohmayer, während wir uns mit etwa 40 bis 45 km/h Spitzengeschwindigkeit dem Berg nähern. Zwei Mal war Strohmayer hier heute schon unterwegs, bis 17 Uhr abends wird er mit seinem Schneepflug noch öfter vorbeischauen. Seit 37 Jahren ist der Altwaidhofner im Winterdienst. Seit damals hat sich nicht nur die Technik verändert. "Die Leute sind es mittlerweile gewöhnt, dass sie eine schwarze Straße sehen. Das war früher nicht so. In manchen Gebieten Österreichs sind auch heute noch Schneefahrbahnen Standard".

Plötzlich tiefster Winter

In Dietmanns herrscht schon wieder ein anderes Mikroklima: 100 Höhenmeter Unterschied machen aus leichtem Schneefall tiefsten Winter. "Wettermäßig ist das oft wie eine andere Welt". Strohmayer fährt im dicht verbauten Gebiet nur noch im Schrittempo, es soll so wenig Schnee wie möglich auf den Gehsteigen landen - und den gibt es hier reichlich. Ganz vermeiden lässt es sich nicht, dass der Schnee wieder auf den Gehwegen und in den Hauseinfahrten landet - es geht aber auch nicht anders. "Die meisten schauen, als ob wir den Schnee gebracht hätten", so Strohmayer. Dafür freut er sich umso mehr, wenn er einmal freundlich gegrüßt wird.



"Heute ist die Hektik viel größer"

Am Hauptplatz in Groß Siegharts gibt es eine kleine Pause, denn nur hier kann der Fahrer mit seinem Lkw stehen bleiben und sich eine Jause holen. Es ist 8.30 Uhr, in sechs Stunden gab es für Strohmayer nur einen schnellen Kaffee zwischendurch. Aber das ist für den Altwaidhofner wie das frühe Aufstehen: "Da gewöhnt man sich dran". Der heurige Winter schreckt den Landesbediensteten übrigens nicht besonders. "Es ist schon mehr Schnee, aber wir hatten auch Zeiten, in denen wir minus 30 Grad hatten". Strohmayer verweist auf einen Wintertag, als die Straße in Richtung Scheideldorf unpassierbar war und die Winterdienstler mit der großen Schneefräse ausrücken mussten - dies kam schon lange nicht mehr vor.

Zurück geht es Richtung Waidhofen und weiter zum Allwangspitz. Unterwegs hält Strohmayer kurz an und lässt die Autokolonne passieren. "Die Leute waren früher geduldiger, heute ist die Hektik viel größer", berichtet der Altwaidhofner. Und das ist es auch, was er sich von den anderen Verkehrsteilnehmern wünscht: "Ein bisschen mehr Geduld und im Winter einmal ein bisschen früher wegfahren". 

Bis zu 30 Tonnen Salz

An einem harten Wintertag werden allein im Gebiet der Straßenmeisterei Waidhofen rund 30 Tonnen Salz auf der B2, der B5, der B36 und der L60 ausgebracht. Ein Durchlauf auf der Salzstrecke dauert zwei bis zweieinhalb Stunden, auf Splitt-Strecken viereinhalb bis fünf Stunden, berichtet Straßenmeister Martin Hiemetzberger. Neun Fahrzeuge sind von 2 bis 22 Uhr im Einsatz - im Extremfall auch 24 Stunden am Tag. Besonders der bereits erwähnte Bründlberg, aber auch der Schinterberg in Richtung Vitis und die Fahrbahn bei Steinbruckhäuser nach Pfaffenschlag sind im Winter eine besondere Herausforderung. "Wir sind rund um die Uhr im Einsatz, aber wir bitten dennoch um Verständnis, dass wir nicht überall gleichzeitig sein können", so der Straßenmeister.

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