08.11.2017, 13:05 Uhr

Fünf verrückte Fakten über Groß Siegharts

Grasl (Mitte) verübte in Groß Siegharts seinen größten Raubzug.

Piraten, italienische Maler und des Räuberhauptmanns größter Coup: Fünf Anektdoten aus Groß Siegharts.

GROSS SIEGHARTS. Eine Stadt zum Anbandeln, Zentrum des Bandlkramerlandls: diese Bezeichnungen für Groß Siegharts kennt jeder. Doch es gibt einige Fakten zur Stadtgemeinde, die nicht allen bekannt sein dürften.

Siegharts und die Piraten

Die erste "Textilfaktorei" in Groß Siegharts wurde von Graf Mallenthein 1725 gemeinsam mit der Ostindischen Handelskompanie in Ostende errichtet. Nun wurde dieser Handelskompanie von ihren Gegnern (hauptsächlich England) vorgeworfen nicht ganz sauber zu arbeiten - um es vorsichtig auszudrücken. Denn die Handelskompanie schreckte zur Not auch nicht davor zurück andere Schiffe zu kapern - Freibeuter ahoi!

Der gefragte Maler

Carlo Carlone war zu seiner Zeit im deutschen Raum der Rockstar unter den Malern. Seine Gemälde erzielen heute Preise von mehreren zehntausend Euro. Doch wirklich gefragt waren seine Fresken. Er verschönerte das Belvedere in Wien, Paläste und Schlösser in Deutschland und die halbe Innenstadt von Linz. In Groß Siegharts wurde er für die Fresken in der Kirche engagiert - sie wurden kürzlich restauriert und sind wohl die aufwändigsten im ganzen Waldviertel.

Ironie der Geschichte

Fuhrwerker Franz Bauer hatte im 19. Jahrhundert Glück: Einmal in der Woche fuhr er mit wertvollen Textilwaren von Groß Siegharts nach Wien. Zurück kam er mit den teils beträchtlichen Erlösen. Zeit seiner Karriere brachte er das Geld immer nach Hause - er wurde nie überfallen, was zu dieser Zeit durchaus nicht unwahrscheinlich war. Deshalb stiftete er vor 170 Jahren einen Bildstock zwischen Ellends und Groß Siegharts. Bauer fiel nie einem Verbrechen zum Opfer, aber die Ironie der Geschichte schlug trotzdem zu: 2004 wurde die Skulptur an der Spitze gestohlen! Kürzlich gelang es dank privater Spenden den Bildstock zu rekonstruieren.

Bandlkramer und Mexiko

Zugegeben, es ist weit hergeholt, aber was haben Groß Siegharts und Mexiko gemeinsam? Sie teilen sich die gleiche Einwohnerdichte. In der Bandlkramerstadt und im mittelamerikanischen Staat leben pro Quadratkilometer 63 Einwohner.

Der Räuber und das Wirtshaus

Seinen größten und auch ergiebigsten Einbruch verübte Johann Georg Grasl, der berühmte Räuberhauptmann in Groß Siegharts. In der Nacht des 21. August 1814 stieg er beim Kaufmann Mathias Loydold und dessen Gattin Barbara ein. Die Beute hatte einen Warenwert von 5.343 Gulden - ein kleines Vermögen. Der "Fall Grasl" zog weite Kreise und ängstigte sogar die Wiener Bevölkerung, was in Wien wegen des damals stattfindenden Wiener Kongresses (1814/15) als peinlich empfunden wurde.
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