31.08.2014, 00:00 Uhr

Plage Nachzipf

(Foto: privat)
BEZIRK (pez/bet). Zu Beginn dieser Woche entschied sich das Schicksal von 6.500 jungen Niederösterreichern, die sich in den Ferien Ferien auf einen Nachzipf vorbereiten mussten. Dabei haben sich die Betroffenen nicht nur die Ferien verhaut, sondern auch die Finanzen der Eltern ordentlich belastet. laut einer AK-Studie geben diese im Schnitt 670 Euro für Nachhilfe aus, pro Stunde fallen zwischen 15 und 37 Euro Kosten an (Siehe "Zur Sache"). Die Bezirksblätter haben sich im Bezirk Waidhofen umgehört, sprachen mit Schülern, Lehrern, Eltern und Experten über die Plage Nachzipf und die Strategien, wie man damit umgeht.

Einen guten Überblick über das Geschehen haben natürlich die Direktoren der Schulen im Bezirk. An der HAK/HAS Waidhofen hatten 21 Schüler mit einer Nachprüfung zu kämpfen, erzählt Direktor Johann Lehr. Die Ursachen liegen für ihn auf der Hand: "Sicher gibt es Schüler die sich einfach zu wenig bemühen, aber manche haben auch nur in einem bestimmten Fach Schwierigkeiten, oder Probleme in der Familie wirken sich schlecht aus."

Auch Wolfgang Hörmann, Direktor der HTL Karlstein muss sich jährlich mit den mangelnden Leistungen einiger Schüler auseinandersetzen. Gerne würde er verhindern, dass es bis zur Prüfung kommt, aber seiner Meinung nach gibt es nur eine Lösung: "Die Schüler müssen während des gesamten Schuljahres permanent mitlernen, wenn sie ihre Sommerferien genießen wollen". Bald wird das System aber sowieso anders aussehen als gewohnt, denn die sogenannte "Modulare Oberstufe" soll in einigen Jahren eingeführt werden. Ob gut oder schlecht lässt sich nicht klar beurteilen, denn das System wird den Schülern mehr Selbstverantwortung und ein strenges Terminmanagement abverlangen.

Harald Hubatschke, scheidender Direktor des Waidhofner Gymnasiums zeigt sich skeptisch: "Meiner Meinung nach besteht kein Änderungsbedarf, denn wir verzeichnen jährlich gute Erfolge und die Möglichkeit des Scheiterns gehört nunmal zum Leben dazu". In seiner Schule müssen 14 Jugendliche eine Nachprüfung absolvieren. Im Vergleich ist das eine sehr niedrige Zahl, denn 180 Schüler können sich über einen ausgezeichneten und 90 über einen guten Erfolg freuen.

Christoph Jungbauer wenig, Leiter der Schülerhilfe in Waidhofen, antwortet auf die Frage ob er Nachprüfungen abschaffen würde: "In der Kurzfassung: Nein!" Der Chef des Nachhilfeinstituts kritisiert vor allem das Notensystem in der Neuen Mittelschule als für Schüler, Eltern und auch potentielle Arbeitgeber als sehr verwirrend. "Ein Befriedigend klingt ja grundsätzlich ok, würde aber einem „Nicht Genügend“ der vertieften Bildung entsprechen. Viele Schüler kommen so in die Versuchung weniger zu tun und haben optisch trotzdem noch gute Noten. Was meist aber weder Eltern noch Schüler wissen ist, dass für die Aufnahme in eine höhere Schule meist eine gute Note in der vertieften Bildung nötig ist. Das Abschaffen der Nachprüfungen würde also zumindest einen „bequemen“ Weg vorgeben", so Jungbauer. Zum Umgang mit dem Nachzipfs rät der Leiter des privaten Nachhilfeinstituts: "Einfach drauflos lernen: Das bringt wenig. Sinnvoll ist, zuerst eine Übersicht zu erstellen, was gelernt werden muss. Der Stoff wird dann in kleine Portionen unterteilt und wirkt auf diese Weise gleich viel weniger."
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