Doppelinterview
Suitner/Mair: "Eine neue Chance für unsere Region"

Der geplante Hotelneubau und damit die Belebung der Axamer Lizum sorgt für einige Diskussionen. | Foto: Hassl
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Im Doppelinterview bekräftigen Bgm. Thomas Suitner und Vizebgm. Wirtschaftsbundobmann Walter Mair ihr klares „Ja“ zu einer Hotelansiedlung in der Axamer Lizum.

Bezirksblätter: Axams ist Fieberbrunn, Axams ist St. Anton – es gibt zu viel Axams. So stand es in der Vorwoche in den Medien. Gibt es zu viel Axams?
Thomas Suitner: „Wer Axams mit St. Anton vergleicht, hat keine Ahnung von unserer Region. Wer behauptet, es wird in der Lizum ein Hotel auf die grüne Wiese gebaut, soll mir die grüne Wiese in der Lizum zeigen, wo ein Hotel errichtet wird. Wer so wie die NEOS behauptet, dass in Axams mehrere Hotels zum Verkauf stehen, sollte mir auch diese Hotels zeigen. Fakt ist, dass in Axams die noch bestehenden Hotels in Betrieb sind, dass wir im Gegensatz zu den Tourismushochburgen nicht zu viele Betten errichtet haben, sondern über 500 Betten und 85.000 Nächtigungen über die Jahre verloren haben. Fakt ist auch, dass es besser ist, den Standort Lizum weiterzuentwickeln, als am Talboden die schönsten landwirtschaftlichen Ertragsflächen zu verbauen. Von „Overtourism“ kann bei uns wirklich keine Rede sein.

Bgm. Thomas Suitner: "Es entstehen in der Lizum weder ein Chaletdorf noch Freizeitwohnsitze." | Foto: Hassl
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Bezirksblätter: Es ist aber unbestritten, dass die Tourismusgesinnung in ganz Tirol abnimmt – wie sehen Sie das?

Walter Mair: Unsere Gesellschaft hat vergessen, dass jenes Geld, das auf einer Seite ausgegeben wird, woanders verdient werden muss. Jeder will einen Kinderbetreuungsplatz, jeder will einen Altersheimplatz, jeder will ein Skigebiet, jeder will ein Schwimmbad, jeder will eine neue Straße, aber keiner will Verkehr, keiner will Tourismus, keiner will Gewerbe und Industrie, keiner will eine wirtschaftliche Weiterentwicklung. Die Gemeinden stehen zunehmend unter Druck. Uns geht das Geld aus. Wir haben praktisch keine Gastbetriebe und Lokalitäten mehr und entwickeln uns im Speckgürtel von Innsbruck immer mehr zu Schlafgemeinden.

Bezirksblätter: Aufschwung durch touristische Entwicklung - können Sie die Einwände hierzu nachvollziehen?
Thomas Suitner: Eine touristische Entwicklung ist die Chance, der Abwärtsspirale in unserer Region entgegenzuwirken und Einnahmen zu lukrieren.

Bezirksblätter: Um jeden Preis?

Thomas Suitner: Nein. Wir brauchen kein zweites Ischgl werden, aber ein gesundes Maß an touristischer Weiterentwicklung tut unserer Region gut. Der Tourismus erhält schließlich auch Infrastruktur, die die Einheimischen nutzen können. Ansonsten gibt es diese früher oder später nicht mehr. Das Skigebiet in der Lizum schreibt rote Zahlen. Der Betreiber ist weiterhin bereit, zu investieren. Die schon lange gewünschte Skigebietsverbindung mit Mutters ist ein klares Signal (Anmerkung: den Bericht dazu finden Sie HIER). Da müssen wir mitziehen. Wenn es uns nicht gelingt, den Betrieb wirtschaftlich zu unterstützen, ist er gefährdet. Die Gemeinde wird ihn jedenfalls nicht übernehmen. Es profitiert von diesem Projekt nicht eine kleine Gruppe. Durch den Tourismus wird Infrastruktur abgesichert, von der alle profitieren.

Bezirksblätter: Bei allem Respekt. Kann man eine Olympiaregion, die zur Schlafregion wurde, solcherart aufwecken?
Thomas Suitner: Wir müssen endlich aufhören, der Vergangenheit nachzuweinen, in der zweifellos einiges schiefgelaufen ist. Der Blick muss in die Zukunft gehen, und da sehe ich schon auch, dass man sich am Abend in unseren Dörfern wie in Geisterstädten fühlt. Darum ist es ja so wichtig, diese Chance zu forcieren. Das Mittelgebirge braucht dringend eine Wiederbelebung – gerade für unsere Jugend. In der Lizum beginnen wir damit.

Bezirksblätter: Wie soll es dann weitergehen?
Thomas Suitner: Jetzt gilt es, dieses Projekt zu erledigen, dann werden wir uns die weiteren Schritte überlegen. Die große Mehrheit im Gemeinderat sieht das genauso.

Bezirksblätter: Eine Belebung bedeutet aber wohl auch mehr Verkehr?Wie argumentieren Sie bei diesem heiklen Thema?
Walter Mair: Rund 2.000 Fahrzeuge verkehren täglich jeweils in der Olympia- und Kögelestraße. Da lasse ich das Argument nicht gelten, dass bei 300 Betten ein Verkehrschaos entsteht. Bei Vollbelegung sprechen wir von 100 bis 150 Fahrzeugen, die gleichzeitig vor Ort sind und nicht einmal täglich verkehren. Mit der Verbindung nach Mutters und Götzens würden wir sogar eine wesentliche Entlastung durch drei Einstiegspunkte in das Gebiet zusammenbringen.

Bezirksblätter: Sprechen wir von einer Verkehrsverlagerung in Richtung Osten der Region?
Walter Mair: Nein, keineswegs. Wir sprechen über den vermehrten und effizienten Einsatz von öffentlichen Verkehrsmitteln. Derzeit braucht der Skibus 51 Minuten in die Lizum. Durch die Verbindung mit Mutters und Götzens ist man in 17 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Skigebiet. Es verkehren dadurch im gesamten Mittelgebirge sogar weniger Pkw. Das wurde auch von Verkehrsgutachtern bestätigt.

Vizebgm. Walter Mair: In muss kein zusätzliches Strategiepapier haben, um zu sehen, dass es in der Lizum einen Qualitätsschub im Tourismus braucht. | Foto: Hassl
  • Vizebgm. Walter Mair: In muss kein zusätzliches Strategiepapier haben, um zu sehen, dass es in der Lizum einen Qualitätsschub im Tourismus braucht.
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Bezirksblätter: Die Grünen kritisieren den Flächenverbrauch, die Boderversiegelung und die Tatsache, dass kein Gesamtkonzept für die Lizum vorliegt?
Bgm. Suitner: Vor zwölf Jahren sind die Grünen mit dem Wahlspruch ‚Axams wach auf‘ angetreten. Was ist seither passiert? Die Grünen hätten ausreichend Zeit gehabt, Konzepte für die Region zu liefern. Haben sie aber nicht. Nur dagegen sein und zu sagen, Tirol hat einen Bettenüberschuss, ist zu wenig. Sollen wir vielleicht Gäste aus unserer Region woanders hinschicken, nur weil es tirolweit einen Bettenüberschuss gibt?

Bezirksblätter: Stichwort Chaletdorf? Stichwort Freizeitwohnsitze?
Thomas Suitner: Es entstehen in der Lizum weder ein Chaletdorf noch Freizeitwohnsitze. Unsere Verträge sind strenger als das Tiroler Freizeitwohnsitzgesetz.

Bezirksblätter: Es gibt aber doch einige negative Beispiele. Das Thema scheint also keineswegs unberechtigt?
Thomas Suitner: Das wird ja nicht bestritten und man darf uns glauben, dass wir ganz genau darauf achten werden, die Fehler, die anderswo begangen wurden, nicht zu machen. Wir beschäftigen uns in Axams aber weniger ‚mit den anderen', sondern mit dem Wohl unserer Gemeinde und unserer Region. Hier wird auf einer kleinen Grundstücksfläche ein Hotel mit öffentlich zugänglichen Restaurant gebaut, das von einem einheimischen Betreiber, der mehrere erfolgreiche Qualitätsbetriebe in Österreich hat, ganzjährig geführt wird. Auf rund 8.000 m² muss man erst 300 Betten unterbringen. In Axams Dorf haben wir in allein in dieser Periode rund 7.000 m² Bauland zurückgewidmet. Von zubetonieren kann hier keine Rede sein.

Bezirksblätter: Gibt es eine langfristige Wirtschafts-Strategie, die der negativen Entwicklung entgegenwirken kann?
Walter Mair: Ja! Der ganze Planungsverband ist dieses Jahr Schwerpunktregion der Wirtschaftskammer, wo wir uns auch diesen Fragen stellen. Ebenso läuft zeitgleich im Tourismusverband ein Strategieprozess, in dem diese Fragen beantwortet werden sollten. Das vorliegende Projekt ist bereits der erste Schritt, auch wenn einige das nicht sehen wollen. Ich brauche allerdings kein zusätzliches Strategiepapier, um zu sehen, dass es in der Lizum einen Qualitätsschub im Tourismus benötigt. Ich brauche mir nur die nackten Zahlen anzuschauen, dann kann ich ablesen, dass es bei über 500 verlorenen Betten in den vergangenen Jahren 300 qualitativ hochwertige Ganzjahresbetten leicht verträgt.

Lesen Sie dazu auch diesen Bericht:

Klares Votum für den Hotelneubau in der Axamer Lizum

Den Standpunkt der Grünen finden Sie hier:

"Axamer Hotelprojekt ist keineswegs zukunftsweisend"

Weitere Berichte: www.meinbezirk.at/westliches-mittelgebirge

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