16.10.2017, 17:56 Uhr

Kein „Schützenfeuer“ auf der Wiener Wiesn

Schneidiger Auftritt ohne Ehrensalve der Völser Schützen auf der Wiener Wiesn! (Foto: Hannes Winkler)

Ehrensalve wurde untersagt – ergo gab es einen „unüblichen Empfang“ für die Ehrengäste!

Die Musikkapelle und die Schützenkompanie Völs sowie die Goaslschnöller der Völser Fasnachtler umrahmten vor kurzem beim Volksfest „Wiener Wiesn“ den Tiroler Tag und begeisterten das Publikum (einen Bericht darüber finden Sie HIER).
Faktum: Beim Empfang der Ehrengäste gab es keine Ehrensalve der Schützenkompanie. Die Richtlinien wurden gegenüber den Vorjahren verschärft. Ein Umstand, den auch Major Anton Pertl, Kommandant des Schützenbataillons Sonnenburg, zur Kenntnis nehmen musste – sein Einsatz rund um die Ehrensalve blieb unbelohnt.

Dezibelmessung

„Bereits vor geraumer Zeit wurden wir informiert, dass hinsichtlich der Salve eine Dezibelmessung sowie ein Beschussprotokoll vorgenommen werden müssten“, so Anton Pertl. „Selbstverständlich haben wir das ernst genommen – ein Beschussprotokoll schien uns aber doch zu aufwändig.“ Um dieses Gutachten anzufertigen, hätten alle Gewehre der Völser Schützen, die in Wien „zum Einsatz“ gekommen wären, vor Ort begutachtet werden müssen. Mithilfe von Nationalrat a.D. DDr. Erwin Niederwieser aus Völs, der nach wie vor über gute Kontakte verfügt, wurde diese Auflage schließlich gestrichen. Die Dezibelmessung der Salve blieb über Amtsärztliche bzw. Tieramtsärztliche Anordnung jedoch aufrecht.

Major mit Gewehr

Anton Pertl schritt zur Tat: Der Major tauschte seinen Säbel mit einem Völser Schützengewehr und reiste per Zug mit dem Objekt der Lärmmessung nach Wien. „In Salzburg gab es einen kurzen Zwischenstopp, um ein Gewehr einer Salzburger Schützenkompanie zu übernehmen, die mit dem selben Problem konfrontiert waren. Bei der Verhandlung vor Ort im Wiener Prater wurde im in Frage kommenden Bereich unter strenger Absperrung und Polizeibegleitung der Lokalaugenschein durchgeführt. „Ich habe mit beiden Gewehren je einen Schuss abgefeuert – die Lautstärke wurde von Spezialisten gemessen und mit der Anzahl der im Einsatz befindlichen Gewehre hochgerechnet.“

Schussverbot

Das Ergebnis war niederschmetternd: Die zulässige Dezibelgrenze wurde überschritten – ein von der Magistratsabteilung 36 verhängtes Schussverbot für die Völser Schützen war die Folge. Im Gegensatz zum „Salzburger Gewehr“, dessen Lautstärke innerhalb des Rahmens blieb. „Kampflos“ wollte der Tiroler Schützenmajor nicht aufgeben: „Ich habe in Wien drei Waffenhändler angerufen und mich erkundigt, ob es nicht Platzpatronen geben würde, die im Gegensatz zu unseren selbst gestopften Patronen leiser wären – leider war nichts erhältlich!“

Unüblicher Empfang

Bei Tiroler Tag wurde der bewährte Exerzierverlauf tadellos durchgeführt, die Ehrensalve blieb den Ehrengästen aber verwehrt. Schützenhauptmann Thomas Wirth trug diesem Umstand bei seiner Meldung auf besondere Art Rechnung: „Schützenkompanie Völs zum unüblichen Empfang angetreten!“ Der Applaus des Publikums entschädigte die Schützen für das allerorts – außerhalb von Wien – übliche Prozedere. Anton Pertl: „Es gibt keinen Vorwurf an den Veranstalter – er muss sich an die geltende Gesetzeslage halten! Vielleicht sollte man sich an höherer Stelle aber doch mal darüber unterhalten!“
Dass der Bataillonskommandant der Causa dennoch einen humorvollen Aspekt abgewinnen konnte, war klar: „Ich habe seit 38 Jahren nicht mehr mit einem Gewehr geschossen. Jetzt durfte ich eine Solovorstellung mit einem Tiroler und einem Salzburger Gewehr mitten im Wien und gut bewacht von der Polizei geben – ein absoluter Höhepunkt in meiner Schützenlaufbahn!“
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