Wiener Herzen
Durchs Reden kommen d'Leut zam

Für Ayat Molhi, Enila Ataie und Sabine Pfeifer (v.r.) ist die Teilnahme an der Dialoggruppe ein fixer Bestandteil ihrer Freizeit.
  • Für Ayat Molhi, Enila Ataie und Sabine Pfeifer (v.r.) ist die Teilnahme an der Dialoggruppe ein fixer Bestandteil ihrer Freizeit.
  • hochgeladen von Mathias Kautzky

Bei den Dialoggruppen der Caritas kommen Frauen aus unterschiedlichen Kulturen schnell miteinander ins Gespräch.

WIEDEN. "In unseren interkulturellen Frauen-Dialoggruppen sitzen Menschen mit Fluchthintergrund gemeinsam mit Österreicherinnen am Tisch", erklärt Margerita Piatti von der Caritas. "Das Ziel ist, durch gemeinsame, moderierte Gespräche in gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen mehr Vertrauen zueinander, ein größeres Verständnis füreinander und schließlich ein besseres Zusammenleben zu entwickeln."

Die Dialoggruppen gibt es seit Anfang 2019. "Weil nur Frauen am Tisch sitzen, entsteht schnell ein intimer Vertrauensrahmen, in dem auch heikle Themen miteinander besprochen werden", so Piatti. "Wir bieten auch immer eine Kinderbetreuung an.“

Von kulturellen Unterschieden und Tabuthemen

Die Gesprächsthemen werden von den Teilnehmenden ausgesucht, dabei geht es oft um kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Tabuthemen oder Diskriminierung. "Ich bin einige Male wegen meines Kopftuchs auf der Straße beschimpft worden", erzählt Ayat Molhi, die vor fünf Jahren aus dem Jemen nach Österreich gekommen ist. "In der Dialoggruppe habe ich mit Frauen gesprochen, denen Ähnliches passiert ist. Aber auch mit Österreicherinnen, die mir Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht und mir erklärt haben, dass viele Menschen Angst vor fremden Kulturen haben." Die Dialoggruppen bieten den Rahmen für Fragen, zu denen man sonst schwer die Möglichkeit hat: "Was ist höflich und was nicht? Worüber kann man sprechen, was sind in Österreich Tabuthemen? Solche Sachen kann man am einfachsten im persönlichen Kontakt klären", sagt die 24-jährige Wirtschaftsstudentin.

Missverständnisse klären

Enila Ataie kommt aus dem Iran und schreibt gerade ihre Doktorarbeit im Fach Psychotherapie. "Seit drei Jahren bin ich jetzt hier und wollte unbedingt bei den Dialoggruppen mitmachen. Dabei habe ich in kurzer Zeit viele Erfahrungen gesammelt", erinnert sie sich. "Lange habe ich etwa geglaubt, dass ‚peinlich‘ dieselbe Bedeutung wie das englische ‚painful‘ hat, also ‚schmerzhaft‘ heißt. Als mir jemand etwas für ihn Unangenehmes erzählt hat, habe ich mit ‚Wie peinlich!‘ geantwortet – dabei hätte ich sagen müssen: ‚Wie schade!‘ Solche Missverständnisse werden in der Dialoggruppe schnell aufgelöst.“

Die Dialoggruppen gibt es bisher nur im 4. Bezirk. "Wir wollen sie auf ganz Wien ausweiten", sagt Piatti. "Dafür brauchen wir aber viele Freiwillige, die an den Dialoggruppen teilnehmen." Gesucht werden Österreicherinnen und Frauen mit Flucht- oder Migrationshintergrund. "Alter und Ausbildung sind egal. Wichtig ist nur, dass sie kommunikativ und offen für andere Kulturen und Meinungen sind – und dass sie ein ganzes Semester dabeibleiben." Nach einem Schnuppergespräch steigen die Freiwilligen direkt in eine der Gruppen ein, die sich alle 14 Tage vormittags treffen. "Im Februar 2020 geht es mit neuen Dialoggruppen los. Interessierte sollen sich aber jetzt schon bei uns unter kompa@caritas-wien.at oder 0676/631 576 03 melden", so Piatti.

bz-Initiative Wiener Herzen

"Jeder Mensch, der sich für etwas engagiert, hat eine bessere Lebensqualität als andere, die nur so dahinvegetieren." Bruno Kreiskys Zitat ist direkt, ein bisschen gemein – und wahr. Denn beinahe jeder dritte Wiener leistet in seiner Freizeit unbezahlte freiwillige Arbeit. Diese "Wiener Herzen" stellt die Wiener Bezirkszeitung nun ins Rampenlicht. Warum? Weil es tolle Geschichten sind über Menschen, deren Herzen unendlich groß scheinen. Und weil wir Institutionen vorstellen möchten, denen es oft schwerfällt, gehört zu werden. Kennen Sie ein "Wiener Herz", dann schreiben Sie uns an wienerherzen@bezirkszeitung.at

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