20 Jahre Leerstand
Was der neue Eigentümer mit dem Wiener Ferdinand-Saal plant
- Am Mittersteig 15 wird gearbeitet – dem lange leer stehenden "Ferdinand-Saal" wird wieder Leben eingehaucht. In Insiderkreisen wird bereits über das Vorhaben gemunkelt.
- Foto: Barbara Schuster/MeinBezirk
- hochgeladen von Nathanael Peterlini
Nach 20 Jahren des Leerstands kommt Bewegung in den Keller des Mittersteig 15. Der "Ferdinand-Saal" wurde seit 1910 als Theater, Kino oder Bordell genutzt. Was plant der neue Eigentümer? Wie verfährt er mit dem Denkmalschutz? MeinBezirk hat nachrecherchiert.
WIEN/WIEDEN. Die Fassadenfenster im Erdgeschoss am Mittersteig 15 sind mit Holz verbarrikadiert. Die Muster auf der Fassadenwand sind größtenteils abgeblättert, die Haustür des in den Jahren 1910 bis 1911 errichteten Ferdinandhofs steht offen.
Während viele Vorbeispazierende das Gebäude schnell als x-beliebige Baustelle abstempeln, schlagen die Herzen einiger Menschen im Bezirk schneller: Das Theater am Mittersteig wird nach Jahren des Leerstands wieder belebt.
Eisenbeton und Galerien
Einst strömten die Räumlichkeiten im Keller – der "Ferdinand-Saal" – Prunk aus. Das Theater im schicken Jugendstil, das heute unter Denkmalschutz steht, lockte Menschen aus ganz Wien auf die Wieden. Der aus Eisenbeton gebaute Saal zeichnet sich durch ein schlichtes Dekor aus. An drei Seiten wird der Raum von Galerien umlaufen, "ergänzt wird die Anlage durch ein seitlich angeordnetes Vestibül", informiert das Bundesdenkmalamt.
Doch sei der "Ferdinand-Saal" noch so toll: Lange hielt sich kein Betreiber an der Stelle. Ein Erfolgsrezept für den Standort fand sich nicht. Zahlreiche Unternehmen schlugen fehl, seit mehr als 20 Jahren steht der "Ferdinand-Saal" leer – und rottet verlassen dahin.
- Innenansicht des Prachtbaus "Mala Strana". Die schönen Räume sind inzwischen verwahrlost.
- Foto: APA-Images / viennaslide
- hochgeladen von Petra Bukowsky
Das soll sich jetzt ändern: Wie der "Kurier" zuerst berichtete, gibt es Neuigkeiten im Theater, dass bis dato der Buwog gehörte. MeinBezirk wurde selbst von mehreren Anrainerinnen und Anrainern kontaktiert, welche die Bauarbeiten bemerkt haben. Die "ZKS RABELLI GmbH" hat das Theater mittlerweile von der Buwog erworben. Geschäftsführer der ZKS Rabelli GmbH ist Akhavan Aghdam Reza – Mitgründer des millionenschweren Immobilienunternehmen-Komplexes JPI.
Galerie laut Insidern
Die Buwog bestätigt gegenüber MeinBezirk, dass der Kauf bereits vor zwei Jahren vonstatten ging. Laut dem Grundbuchauszug des Gebäudes wurde der Kaufvertrag im März 2025 öffentlich gemacht. Die Frage nach der erhaltenen Summe für die Immobilie lässt die Buwog unbeantwortet
Was ist geplant? Aus Insider-Kreisen hat MeinBezirk erfahren, dass im Ferdinand-Saal eine Galerie entstehen soll. Ob diese öffentlich oder privat wird, weiß man bisher nicht. Die neuen Eigentümer haben auf eine Anfrage von MeinBezirk nicht geantwortet.
- Das Gebäude am Mittersteig 15 wurde eine Zeit lang als Lagerhaus genutzt.
- Foto: Petra Bukowsky
- hochgeladen von Petra Bukowsky
Jedenfalls hat man sich hier eine Adresse mit großem Potenzial gekauft – aber auch eine mit vielen Problemen. Bei einer Neugestaltung muss die ZKS Rabelli GmbH auf die denkmalgeschützten Aspekte des Gebäudes achten. Wie das Bundesdenkmalamt MeinBezirk erklärt, besteht der Denkmalschutz seit dem Jahr 2012.
Neue Nutzung wäre wesentlich
Unter Schutz stehen der Saal, die Zugangswege zum Gebäude, das Parterre und das Erdgeschoss. "Als einziger erhaltener Mehrzwecksaal seiner Epoche auf der Wieden stellt er ein bedeutendes Zeugnis der einstigen Theater- und Vergnügungskultur des Bezirks dar und ist zugleich ein Stück Wiener Kinogeschichte", heißt es aus dem Bundesdenkmalamt.
Würde man sich erwarten, die Behörde achtet mit Argusaugen auf das Projekt, irrt man sich. Dort freut man sich eher, dass endlich wieder etwas geschieht: "Der lange Leerstand und massive Feuchtigkeitsschäden haben dem Objekt schwer zugesetzt. Eine neue Nutzung und Instandsetzung wären für den Erhalt des bemerkenswerten ehemaligen vorstädtischen Vergnügungszentrums wesentlich."
Das Denkmalamt wurde vom Eigentümer über das Vorhaben informiert. Maßnahmen, die einer expliziten Genehmigung bedürfen, seien bislang nicht eingereicht worden. MeinBezirk hält dich auf dem Laufenden.
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