"Jüdischer Fasching"
So bunt wurde Purim im Wiener Stadttempel gefeiert
Am Abend des 6. März haben die Feierlichkeiten zu Purim begonnen. Bei dem Fest gedenken Juden und Jüdinnen der Befreiung ihres Volkes durch Königin Ester. Neben dem Brauch sich zu verkleiden, steht vor allem das gegenseitige Freude schenken im Fokus.
WIEN. Purim gilt als das fröhlichste und bunteste Fest im Judentum. Gefeiert wird der Festtag am 14. und 15. Tag des Monats Adar des jüdischen Kalenders, der an den Mondphasen ausgerichtet ist. Wie bei jüdischen Festtagen üblich, beginnen die Feierlichkeiten bereits am Vorabend. Heuer fällt Purim auf den 7. März, zelebriert wird das Fest auch hier schon am Abend zuvor.
Anderen Freude schenken
Purim ist ein Freudenfest und wird manchmal aus als "jüdischer Fasching" bezeichnet, denn es ist Brauch, sich zu verkleiden. Zudem ist vorgesehen, seinen Mitmenschen essbare Geschenke, genannt Mischloach Manot, zu überreichen. Wie es die Tradition vorsieht, werden an diesem Tag Hamantaschen gebacken und verschenkt. Dabei handelt es sich um ein Gebäck mit Nuss- oder Mohnfüllung.
Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG Wien) hat auch in diesem Jahr wieder Spenden gesammelt, um älteren und hilfsbedürftigen Gemeindemitgliedern mit Mischloach Manot ein fröhliches Purim zu bescheren. Mit den finanziellen Spenden wurden Lebensmittel wie Nüsse, Chips und Orangen gekauft und natürlich auch Hamantaschen gebacken. In der Zwi-Perez-Chajes-Schule in der Leopoldstadt haben die Kinder und Jugendlichen rund 700 Taschen mit allerlei Naschereien zusammengepackt. Die BezirksZeitung durfte dabei sein und sprach mit Naomi und Adele über den Hintergrund der Aktion.
Feier im Stadttempel
Am Montag, dem Vorabend von Purim, lud die IKG zum großen gemeinsamen Fest in den Wiener Stadttempel. Statt fertig gedruckten Plakaten gab es als Ankündigung der Feierlichkeiten Malvorlagen für die Kinder. Herausgekommen sind eine Vielzahl an völlig unterschiedlichen Zeichnungen, die im Stadttempel auch gleich bestaunt werden konnten.
- hochgeladen von Alexander Mach
Die Bezeichnung "jüdischer Fasching" trägt Purim zurecht. Ob noch ganz klein, schon in der Schule oder doch erwachsen: alle kamen Montagabend in Kostüm. Da tummelte sich eine Meerjungfrau neben einer Ketchupflasche, ein kleines als Biene verkleidetes Mädchen hüpfte fröhlich durch die Gegend und ein Pirat mit Papagei auf der Schulter und Hakenhand suchte im Getümmel nach seinem Sohn.
Beim Gebet wurde es dann erst so richtig laut. Denn wer denkt, dass die Mitglieder dabei in aller Stille Oberrabbiner Jaron Engelmayer und Oberkantor Shmuel Barzilai lauschen, der irrt. Bei Purim gehört es dazu, dass bei den Freudenrufen laut die Ratschen ertönen.
Befreiung des jüdischen Volkes
Die Glaubensgemeinschaft feiert zu Purim die Rettung des jüdischen Volkes in der persischen Diaspora. Das Fest hat an seinen Ursprung im 5. Jahrhundert vor Christus. Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, hatte veranlasst, dass sich alle Menschen vor ihm verneigen sollten. Doch einer, der Onkel der Königin, weigerte sich. So soll er gesagt haben, dass er sich als Jude nur vor einem verbeuge, und das sei Gott selbst.
Daraufhin wollte Haman das gesamte jüdische Volk in Persien töten lassen. Königin Ester, selbst Jüdin, begab sich in höchste Gefahr, konnte ihren Ehemann und König aber schließlich überzeugen, ihr Volk zu retten. Um Königin Ester zu gedenken, wurde ihr Purim, das Freudenfest, gewidmet.
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