Schulpolitik Niederösterreich
ÖVP kämpft für Sonderschulen, NEOS fordern Inklusion pur

ÖVP fordert Erhalt der Sonderschulen; Christoph Rosenkranz (NÖMS Krumbach), Thomas Heissenberger (NÖAAB), Anita Reiner, Eva Kneissl, Konstanze Linsberger, Franz Dinhobl und Gernot Mayerhofer. | Foto: Schauer
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  • ÖVP fordert Erhalt der Sonderschulen; Christoph Rosenkranz (NÖMS Krumbach), Thomas Heissenberger (NÖAAB), Anita Reiner, Eva Kneissl, Konstanze Linsberger, Franz Dinhobl und Gernot Mayerhofer.
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Das Thema Sonderschule liegt vor allem der ÖVP besonders am Herzen. Während die NEOS das Konzept als nicht mehr zeitgemäß abschaffen wollen, kämpft die ÖVP für ihren Erhalt - "zum Wohle und der Förderung der Kinder".

WIENER NEUSTADT/BEZIRK/NÖ. Seit geraumer Zeit wird eine Forderung lauter: Sonderschulen müssten abgeschafft, Kinder mit Behinderung in Inklusionsklassen bis zur AHS-Matura im Regelschulbetrieb unterrichtet werden - losgetreten u.a. von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS). Dem stellt sich die ÖVP entgegen. Stadtrat Franz Dinhobl, NÖAAB-Bezirkshauptmann Thomas Heissenberger, die Personalvertreter im Bezirk Anita Reiner, Gernot Mayerhofer, die Schulleiter Eva Kneissl (Mittelschule Pernitz), Christoph Rosenkranz (Mittelschule Krumbach) und Mutter Konstanze Linsberger kämpfen für die Wiedereinführung des Studiums Sonderpädagogik.

Gezielte Förderung

"Ja, es braucht Inklusion, parallel braucht es aber auch die Sonderschulen", so Thomas Heissenberger, Bezirkshauptmann des NÖAAB. Der Förderbedarf von Kindern müsse im Vordergrund stehen. Kinder müssen ihre Anforderungen ausdrücken können und müssten gezielt gefördert und gefordert werden–und dafür brauche es auch gezielt geschultes Personal.

Stadtrat Franz Dinhobl zieht dazu ein Beispiel aus seinem Bekanntenkreis heran: "Das Kind eines Freundes war in einer regulären Volksschule. Und hatte dort wirklich Probleme: mental, Mobbing, Ausgrenzung. Dann ist das Kind in die Sonderschule gegangen." Dort sei es regelrecht aufgeblüht. "Das Kind war plötzlich Teil der Klasse, konnte Erfolge erleben und hat jetzt mit 25 eine abgeschlossene Lehre, einen Job und eine eigene Familie." Wäre das Kind im Regulärbetrieb geblieben, hätte es das nicht geschafft, ist sich Dinhobl sicher.

Gemeinsame Lösung

Es gehe nicht darum, die Kinder zu trennen, sondern eine Lösung zu finden, die individuellen Bedürfnisse abzudecken. Eine Lösung zeige das Beispiel in Krumbach. Christoph Rosenkranz, Direktor der Mittelschule Krumbach mit angeschlossener Sonderschule und Polytechnikum: "Die Kinder unternehmen Ausflüge gemeinsam, treffen sich auf dem Schulhof und gehen dann in ihre Klassen." Auch in Integrationsklassen würden die Kinder noch nach eigenen Lehrplänen unterrichtet. Da bleibe notgedrungen jemand auf der Strecke.

Einigkeit herrscht bei allen: Das Wichtigste sei, dass, die Sonderschule als "Stigma" oder "Chancenkiller" zu betrachten, aus den Köpfen der Menschen verschwinde und man sich einzig auf die beste individuelle Förderung des Kindes konzentriere. Und das sei eben nicht immer der Regelunterricht.

Kind perfekt gefördert

"Ich kenne beide Seiten der Medaillie. Einerseits bin ich Volksschullehrerin an einer Regularschule. Andererseits bin ich Mama eines Kindes mit Beeinträchtigung. Wir sind extra in den Bezirk gezogen, damit mein Kind in die Waldschule gehen kann. Dort hat es alle Möglichkeiten. Mit acht ist es gerade auf dem Entwicklungsstand eines Vierjährigen, lernt gerade gehen. Wir gehen einmal die Woche in Physiotherapie, in der Schule integrieren die Betreuerinnen seine Bewegung in den Alltag. Das kann ich zu Hause gar nicht leisten, weil ich dann meinen Beruf aufgeben müsste. In Einrichtungen wie der Sonderschule und der Waldschule gibt es speziell ausgebildetes Personal und Therapeuten. Mein Kind wird hier gefördert, nicht ausgegrenzt."

NEOS kontern

„Sonderschulen bedeuten für viele Kinder nicht Förderung, sondern Ausgrenzung. Sie werden häufig als leistungsschwach abgestempelt, ihnen wird weniger zugetraut und ihre Chancen am Arbeitsmarkt sinken. Die ÖVP will dieses System erhalten. Das ist weder zeitgemäß noch sinnvoll. Wir NEOS setzen hingegen auf eine moderne, inklusive Bildung, in der alle Kinder gemeinsam lernen und individuell gefördert werden. Gemeinsames Lernen stärkt soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Respekt und Empathie – Fähigkeiten, die für ein selbstbestimmtes Leben und eine funktionierende Gesellschaft entscheidend sind.
Das größte Problem ist, dass das Land Ressourcen in Sonderschulen konzentriert, statt ein flächendeckend inklusives Angebot zu finanzieren. Eltern bleibt somit oft nur die Sonderschule als Notlösung. Das ist kein freies Wahlrecht, sondern Zwang in einem teuren Parallelsystem. Wir NEOS wollen diese Ressourcen stattdessen direkt in die Regelklassen investieren – u.a. in mehr Unterstützungspersonal und Barrierefreiheit. So erhalten Kinder mit Behinderung die Chance, gemeinsam mit ihren Mitschüler:innen ihre Stärken zu entfalten und ihr volles Potenzial zu entwickeln", so NR.-Abg. Fiona Fiedler, NEOS-Sprecherin für Pflege und Menschen mit Behinderungen.

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