01.07.2016, 14:56 Uhr

Ein unerhörtes Gespür für Hochkultur

Gunda Fahrnberger: die gebürtige Neubergerin organisiert die Neuberger Kulturtage. (Foto: Karl Ernst Ambrosch)

40 Jahre Neuberger Kulturtage: Die WOCHE im Gespräch mit Gunda Fahrnberger, Geschäftsführerin der Kulturtage.

Was dürfen sich die Besucher von den 40. Neuberger Kulturtagen erwarten?
GUNDA FAHRNBERGER: Das diesjährige Programm steht ganz im Zeichen unseres Vierzigjahrjubiläums. Der künstlerische Leiter Stefan Vladar hat sich sozusagen zum „Geburtstag“ Freunde und langjährige Wegbegleiter nach Neuberg eingeladen. Die Gästeliste liest sich wie das „who is who“ der heimischen und internationalen Musik- und Kulturszene: "Artis Quartett, Wien", Bo Skovhus, Ernst Kovacic, Roland Neuwirth. Gerald Preinfalk, Julian Rachlin, Martin Schwab und Familie Ottensamer, besser bekannt als „The Clarinotts“. Auch die Damen kommen nicht zu kurz: Wir erwarten heuer Magda Amara, die Ehefrau von Stefan Vladar, Maria Bill, die Grand Dame des Chansons – und den "rising star" am Cello Harriet Krijgh.

Wie sehr haben sich die Neuberger Kulturtage in 40 Jahren verändert?
Die Neuberger Kulturtage wurden im Jahr 1977 vom heutigen Professor für Orgel am Mozarteum Salzburg Gottfried Holzer Graf und seiner Mutter, der Neuberger Hauptschullehrerin Gisela Holzer-Graf, gegründet. Die beiden legten somit dem Festival mit den Meisterkursen für Orgel und kleinen Konzerten den Grundstein. Seit 1988 Stefan Vladar diese kleinen, aber feinen Musiktage übernommen hat, ist sehr viel passiert. Große Werke wie das Verdi Requiem, Beethovens 9. Sinfonie oder seine "Missa Solemnis" sowie Haydns "Schöpfung" und Dvoraks Requiem wurden im wunderbaren Münster zum Klingen gebracht. Auch nicht ganz so spektakuläre Konzerte wie beispielsweise ein Hindemith Klavierabend von Stefan Vladars Lehrer Hans Petermandl haben sich - zumindest für mich - als Meilenstein in die Geschichte unseres Fetivals eingetragen. Also: aus einem kleinen Geheimtipp für Orgelliebhaber wurde ein hochkarätiges Festival, das aus der Kulturszene nicht mehr wegzudenken ist, würde ich sagen.

Wie sehr prägt Stefan Vladar als künstlerischer Leiter die Kulturtage?
Es war im Jahr 1988, als die damalige Geschäftsfüherein Marlies Deskovic den blutjungen Pianisten Stefan Vladar als künstlerischer Leiter nach Neuberg holte. Eine äußerst mutige Entscheidung, die sich für Neuberg und das damals sehr kleine Festival als echter Glücksfall erwiesen hat! Aus dem Pianisten wurde dann im Laufe der Zeit auch noch ein anerkannter Dirigent und Professor für das Konzertfach Klavier an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien. Stefan Vladar und mich verbindet nun eine jahrzehntelange Freundschaft. Die Arbeit mit ihm macht mir große Freude und wir haben viel Spaß zusammen. Ich denke, ihm ist das kleine Dorf im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen, und er liebt den "Dom im Dorf" von allerersten Moment an wie er immer wieder versichert. Stefan hat viele Kontakte zu international annerkannten Künstlern, mit sehr vielen von ihnen ist er richtggehend befreundet und die lädt er zu uns nach Neuberg ein. Man kann also sagen, dass viele von denen zu uns kommen, um Stefan einen "Freundschaftsdienst" zu erweisen, denn sonst könnten wir uns diese "großen Nummern" überhaupt nicht leisten. Also, um Ihre Frage zu bantworten: eigentlich gibt es Stefan-Vladar-Tage in Neuberg!

Wie schwer ist es heutzutage, ein so anspruchsvolles Kulturprogramm in der „tiefsten Provinz“ Jahr für Jahr zu organisieren?
Das Programm gestaltet Stefan Vladar. Obwohl er nächstes Jahr das 30jährige Jubiläum als künstlerischer Leiter in Neuberg hat, gehen im die Ideen scheinbar nie aus. Er hält an seinem Konzept, Freunde nach Neuberg zum Konzert zu bitten, fest. Einzig bekommt er langsam Terminprobleme, die Freundschaftsdienste der Musikerkollegen dann später auch einmal sozusagen "zurückzugeben". Viele von den Kollegen haben auch ihre Festivals, wo Stefan dann ebenfalls einmal spielen soll.
Was die Lage oder wie sie es nennen, "tiefste Provinz" betrifft, so ist das für uns eigentlich ein Riesenvorteil. Es gibt mittlerweile an jeder Ecke ein Festival und alle müssen sich das vorhandene Publikum "teilen", also muss man schon etwas besonderes bieten um am Ball zu bleiben. Wir haben das große Glück, dass wir unsere Konzerte für klassische Musik, Chansons, Jazz usw. in faszinierendem Ambiente wie zum Beispiel im Neuberger Münster, im Dormitorium - unserem "Konzertsaal" - oder auch in der Grünangerkirche - eine zweite gotische Kirche in Neuberg - sowie gelegentlich auch am aufgelassenen Bahnhof Neuberg anbieten können.

Haben die Kulturtage (kulturpolitisch) ein Ablaufdatum oder genügt das Publikumsinteresse zum Überleben?
Was soll ich dazu sagen - natürlich sag ich NEIN! Warum sollte ein Sommerfestival, welches sich heuer zum 40. Mal jährt, nun plötzlich ein Ablaufdatum haben - also was das Publikumsinteresse betrifft gottseidank nicht.
Was die Politik betrifft, so kann ich das leider nicht so kategorisch verneinen. Meine Hauptaufgabe ist es, mich um die Finanzierung der Neuberger Kulturtage zu kümmern. Dies wird leider in Zeiten wie diesen zusehends schwieriger. Die öffentliche Hand kürzt die Subventionen am laufenden Band und so bangen und zittern wir von Jahr zu Jahr aufs Neue, ob es sich nochmal irgendwie ausgeht. Ich habe ja auch ein gewisses Verständnis dafür, dass die öffentliche Hand immer weniger Mittel zur Verfügung hat aber ich kann leider gar kein Verständnis dafür aufbringen, dass man von Kürzungen erst sehr spät, eigentlich viel zu spät erfährt. Beispielsweise haben wir vom Land Steiermark am 3. Juni den Bescheid erhalten, dass es für die Kulturtage dieses Jahr um 10.000 Euro weniger geben wird. Da können Stefan Vladar und ich dann auch gar nichts mehr tun - wir haben mit allen Künstlern Verträge, die wir unter allen Umständen einhalten müssen!

Gottseidank haben wir seit vielen Jahren unseren Hauptsponsor die „Energie Steiermark“ ohne deren Hilfe und große Unterstützung es wohl kaum noch möglich wäre, ein Festival mit derart hohem Niveau auf die Beine zu stellen!
Auch die Marktgemeinde Neuberg unterstützt uns nach Kräften. Neben einer Subvention gibt es auch sehr viel Unterstützung in Sach- bzw. Arbeitsleistungen, zum Beispiel beim Aufbau der Bühne im Münster für das Eröffnungskonzert sowie beim Transport der tausenden von Sesseln in die Kirche und zurück ins Dormitorium und dann wieder zum aufgelassenen Bahnhof ect. Ich denke, Bürgermeister Tautscher ist stolz auf "seine Kulturtage" und der Amtsleiter Siegfried Darnhofer - er hatte viele Jahre lang die Organisation der Meisterkurse über - hilft uns mit den erwähnten unterstützenden Helfern wirklich wo er nur kann.

Ihr ganz persönlicher Zugang zu Neuberg und zur Kultur im Neuberger Tal?
Ich bin Steirerin und von ganzem Herzen Neubergerin, habe meine Kindheit in Neuberg verbracht, meine Eltern leben nach wie vor dort und mein Mann und ich haben uns vor vielen Jahren ein kleines Häuschen in Neuberg gekauft. Das alles hat mich geprägt und wird mich ewig mit dem kleinen Dorf verbinden. Ich habe mehr als die Hälfte meines Lebens in Wien verbracht - eine unglaublich tolle Stadt - und nun lebe ich schon seit acht Jahren im Fürstentum Liechtenstein, aber wenn Sie mich fragen, bin und bleibe ich Neubergerin. Zu Neuberg fällt mir vor allem das wundervolle Neuberger Münster ein! Neuberg, diese einzigartige Marktgemeinde im Naturpark „Mürzer Oberland" ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken und immer wieder werde ich sowohl von Musikern und Künstlern sowie auch vom Publikum angesprochen, welch ein besonderer Platz dieses Neuberg ist und mit welch großer Freude sie alle immer gerne wiederkommen.

Das gesamte Programm der Neuberger Kulturtage ist unter
www.neuberger-kulturtage.org abrufbar.
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