10.03.2016, 14:31 Uhr

Damit der Haussegen nicht schief hängt

Franz Burgstaller an seiner Hoanzlbank in der Werkstatt in Bärnbach.

Franz Burgstaller aus Bärnbach ist einer der letzten Haussegenschnitzer, eine Feinarbeit, die mit dem Holz der Zitterpappel am besten gelingt, manchmal sogar aus dem Eisfach.

BÄRNBACH. Scharf sind nicht nur seine Messer sondern scharf ist auch sein Mundwerk: Die Rede ist von Franz Burgstaller, der in der Hochtregisterstraße über Bärnbach als einer der letzten Haussegenschnitzer des Landes seine Werkstatt eingerichtet hat, um hier filigrane Meisterwerke aus dem Holz der Zitterpappel zu kreieren - und das seit 40 Jahren.

Scharfe Messer, scharfe Augen, scharfes Mundwerk
"Ich habe das Handwerk bei meinem Schwiegervater gesehen. Erlernt hab ich es mir allerdings nach seinem baldigen Tod selbst, mit Tipps der Schwiegermutter", erzählt Burgstaller.

Was ist überhaupt ein Haussegen?

Man hatte früher in der Rauchstube kein Kruzifix, sondern ein Tischkreuz, aus dem sich der Haussegen ableitet. Das war vor allem im Raum um Hirschegg so üblich. Dieses Tischkreuz ist jedes Jahr zu Weihnachten oder zu Ostern verheizt worden, dann hat der Vorknecht wieder ein neues geschnitzt", weiß Burgstaller um dieses alte Handwerk bäuerlicher Volkskultur und hält eines seiner Werke vor Augen: Das Grundgerüst ist ein doppeltes Kreuz. Rundherum sind Bögen aus Haselnuss, die von hauchdünnen Flinnerln oder Lebensbäumchen gesäumt sind. Im Innenbereich können weitere Formen eingearbeitet sein. "Für meine Haussegen ist das Herz typisch", so Bursgstaller. Als Abschluss nach unten hin schwebt eine Heiligengeist-Taube. "Dafür brauchst ruhige Händ' und scharfe Augen", schmunzelt der Handwerker, der demnächst wieder einen Kurs im Österreichischen Freilichtmuseum Stübing gibt.

Gefordert: Eine ruhige Hand

"Man kann zwar auch Weidenholz nehmen, aber optimal ist das Holz der Zitterpappel", so Burgstaller und zeigt so ein Holzstück her, das er auf seiner alten Hoanzlbank in eine bestimmte Form schnitzt, diese x-fach einschneidet und schließlich zu einem Flinnerl auffächert. Da man dies Holz nur ganz frisch, also grün, verarbeiten kann, musste sich Burgstaller dem Problem der Frischehaltung stellen: DieEistruhe ist Lösung, sodass im Hause Burgstaller auch immer ein paar Blöcke Zitterpappel eingefroren sind, Burgstaller: "So habe ich immer frisches Holz und kann das ganze Jahr über schnitzen."
Fast eine Woche arbeitet der Bärnbacher, der einst in der Glasmanufaktur als Glasbläser angestellt war, an einem der größeren Haussegen. "Leider habe ich keinen Nachfolger, und es hat auch kaum jemand die Geduld für diese enorme Feinarbeit", so Burgstaller, der es sehr bedauert, dass dieses Handwerk wohl im Aussterben begriffen ist.
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 10.03.2016 | 18:15   Melden
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