14.04.2016, 04:00 Uhr

Einfacher wär´s auch OK gewesen

Peter Kogler ist zufrieden mit seinem Arbeitsleben: „Hätte ich es leichter gehabt, wäre es mir aber auch nicht peinlich!“

Früher, als es noch reichlich zu tun gab für ein Sägewerk, da hatte Peter Kogler noch so richtig Freude an seiner Arbeit. Zusperren ist aber auch keine Lösung.

Die makaberen Witze über Arbeiter aus dem Sägewerk kennt er alle. Stolz zeigt Peter Kogler aus St. Bartholomä, dass seine kräftigen Hände noch über alle zehn Finger verfügen. Späne hat er sich unzählige eingezogen, seit er 1972 sein Gewerbe angemeldet hat. Ernsthaft verletzt war er nie. Dreißig Jahre lang war er nicht einen einzigen Tag im Krankenstand. An die Zugluft in der großen Halle war er von Jugend an gewöhnt. Erst als die Ärzte eine Borreliose nicht erkannten, fiel die Arbeit immer schwerer. Einerseits wegen der daraus resultierenden Folgeerkrankungen, andererseits weil sich die Zeiten mittlerweile stark gewandelt hatten.

Tanzen

Als Peter Kogler das 1900 gegründete Sägewerk von seinem Vater übernahm, war seine Welt in Ordnung. Wer die Arbeit nicht scheute, konnte mit seiner Hände Werk gutes Geld verdienen. Auch für ein paar Mitarbeiter gab es genug zu tun. Nach bestem Wissen und Gewissen wurde in den Umbau des Sägewerks investiert, das Wohnhaus neu gebaut und für schlechtere Zeiten vorgebeugt. Siehe da, diese Zeiten kamen. In den 90er Jahren wurde das Gewerbe freigegeben. Seitdem darf sägen, wer will. Außerdem gibt es immer weniger Tischlereien. Zum Glück greift doch immer wieder jemand gern auf Bewährtes zurück. Wenn ein junger Mann voller Freude zu ihm kommt und sagt „Ich bin so froh, dass du mein Holz für den Dachstuhl gemacht hast“, dann bestärkt Kogler das in seiner Überzeugung: „Gelernt ist gelernt!“
Ein Motto, das auch für die zweite große Leidenschaft des 65-Jährigen gilt, das Volkstanzen. 23 Jahre lang frönte er diesem Vergnügen, das ihn quer über den Erdball brachte. Vom Nordkap bis Australien, von Frankreich bis nach Sizilien habe es ihn gebracht, schwärmt er heute noch.

„Sageln“

Dass sein einziger Sohn lieber studiert, als das Sägewerk des Vaters zu übernehmen, kann der Herr Papa verstehen: „Ich will mich nicht auch 40 Jahre lang so schinden, hat er gesagt und aus jetziger Sicht kann ich nur sagen: Recht hat er!“ Schinden will sich der Pensionist heute ebenfalls nicht mehr. „Die Entsorgung der betongefüllten Mauern und vom Eisen kann ich mir nicht leisten, also bleibt die Säge stehen. Noch macht mir die Arbeit ja Spaß“, schmunzelt Kogler und spannt schon mal den nächsten Stamm ein. Jeder Handgriff sitzt. Und die Finca im sonnigen Süden kann sich der „Sagler“ ohnehin nicht leisten.
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