23.06.2016, 08:00 Uhr

Mama, schau doch mal! – Graz persönlich mit Berni Wagner

Enthusiastisch und energiegeladen zeigt sich Berni Wagner auf der Bühne. (Foto: Gerhard Wagner)

Der Jungkabarretist Berni Wagner über das Künstlerland Steiermark und rinnende Nasen.

„Unpünktlich“ – das fällt Berni Wagner nach langem Zögern auf die Frage ein, wie er sich selbst beschreiben würde. Dabei stand der aufstrebende Jungkabarettist bei seinen Vorstellungen bis jetzt stets zeitgerecht auf der Bühne, und spielt locker drei Stunden durch. So auch immer wieder als Ensemblemitglied bei der „Langen Nacht des Kabaretts“ im Grazer Theatercafé. Ein Ort, der für ihn genauso wie für viele seiner Kollegen ein Karriere-Sprungbrett war.

Ein Vogel für den Erfolg

„2013 habe ich den Kleinkunstvogel hier gewonnen. Der Preis ist sehr hilfreich, weil er bis nach Wien bekannt ist und die Leute auf dich aufmerksam werden“, meint der gebürtige Oberösterreicher, den es oft und gerne nach Graz zieht. „Hier hat mein Kabarettistendasein begonnen. Die Steiermark ist schon für seine gute Kabarettszene bekannt.“ Dass der quirrlige Biologiestudent seine Gedanken über das Leben und die Welt einmal humoristisch verpackt auf Theaterbühnen bringen wird, war für ihn nie eine Frage des Zufalls. „Ich habe schon zu meiner Jugendzeit gerne andere unterhalten. Dann war ich eine Zeit lang als Poetry-Slamer aktiv, habe aber immer gewusst, dass ich eigentlich zum Kabarett will.“

Applaus, Applaus für deine Worte

Und dass er genau dorthin ins Scheinwerferlicht gehört, wird klar, wenn Berni Wagner die Bühne betritt. Die Arme baumeln schlaksig zur Seite und seine Gestik wirkt entspannt, bevor er zu sprechen beginnt, die Mimik in seinem Gesicht spielen lässt und die Lachmuskeln der Zuseher beansprucht werden. Und auch dem Künstler selbst ist die Freude an seinem Job anzusehen. „Ich versuche, den Spaß an der Sache nie zu verlieren.“ So kann Wagner selbst noch über sich lachen, wenn er – wie kürzlich – verkühlt auftritt und ihm der Rotz aus der Nase rinnt. „Das war mir dann zwar schon etwas peinlich, aber da muss man drüberstehen, einmal wegwischen und weiter geht‘s.“ Und der Applaus, der am Ende wartet, ist es ihm allemal wert. „Die Frage, warum man diesen so braucht, stellen sich wahrscheinlich viele Kabarretisten. Man fühlt sich wie ein kleines Kind, das laut ruft: „Mama, Mama, schau her, was ich Tolles kann!‘. Wir haben schon alle ein bisschen ein Aufmerksamkeitsdefizit“, scherzt der 24-Jährige, der sich grundsätzlich kein Blatt vor den Mund nimmt.

Improvisieren und Adrenalin

Eine Eigenschaft, die ihm bei seinen Auftritten entgegenkommt. „Es ist Teil des Berufsrisikos, dass das Publikum nicht über deine Scherze lacht, aber das ist mir bisher zum Glück noch nicht passiert. Und wenn, dann muss man es eben ins Stück einbauen.“ Ob also mit laufender Nase oder aus dem Stegreif improvisierend, Wagner will dem Showgeschäft jedenfalls treu bleiben. „Dieses Gefühl auf der Bühne ist einfach ein totaler Adrenalinschub!“

WOCHE-Wordrap

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... der Liebe meiner Freundin.
Würde ich den Papst treffen ...
... würde ich vermutlich nicht das sagen, was ich mir denke.

Steckbrief

Name: Bernie Wagner
Geboren am 24. 7. 1991 in Linz.
Lebt derzeit in Wien.
Ist Kabarretist.
Hat in Graz 2013 den „Kleinkunstvogel“ im Theatercafé gewonnen mit seinem ersten Soloprogramm „Schwammerl“.
Studiert Paleo-Biologie.
Seine ersten Auftritte hatte der Oberösterreicher auf kleinen Kellerbühnen in Wien.
Wagners Vorbild ist Josef Hader.
Zu seinen Einflüssen zählt er vor allem englische und amerikanische Stand-Up-Comedy.
Ist 2015/16 Mitglied der „Langen Nacht des Kabaretts“.
Für Radio FM4 und Ö1 Campus schreibt er Comedy-Formate.
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