25.06.2016, 11:37 Uhr

Der "Brexit" und die Folgen für die Region

Die Briten sagen tschüss zum vereinigten Europa und vollziehen den "BREXIT". (Foto: masterinvestor.co.uk)

Was folgt auf den Austritt der Briten aus der EU und was bedeutet das für Wirtschaft und Tourismus in der Region Kitzbühel?

BEZIRK KITZBÜHEL (elis/niko). Die Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, hat auch in Österreich für zahlreiche Reaktionen gesorgt. Vor allem Betroffenheit und Bestürzung, aber auch Forderungen nach energischem Einschreiten der Wirtschaft sowie Reformen in der EU wurden laut.

Auch Beifall kam von einigen Seiten. Wenn eines der größten EU-Mitgliedsländer aus der EU austrete, könne "kein Stein auf dem anderen bleiben", sagt etwa Außenminister Sebastian Kurz. Die Abstimmung der Briten sei "definitiv ein Erdbeben, aber die EU wird überleben".

Export, Tourismus

Was aber bedeutet der Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union für die (exportierende) Wirtschaft, den Tourismus und heimische Wirtschaftstreibende, auch und besonders im Bezirk Kitzbühel? Welche Auswirkungen sind auf den heimischen Tourismus zu erwarten? Wir haben uns umgehört und einige Stimmen zusammengetragen.

"Ich habe mich schon länger mit dem Szenario beschäftigt, da wir selber viele Briten als Gäste haben; kurzfristig ist das eine Katastrophe, vor allem wegen des abgesackten Wechselkurses des Pfund", so der St. Johanner TVB-Obmann und Hotelier Josef Grander. "Aktuell ist das ein großer Schock; wir müssen nun warten, wie die Austrittsbedingungen aussehen und sich die Situation entwickelt. Am wichtigsten für uns wäre, wenn sich der Wechselkurs rasch erholt – denn reiselustig sind die Briten."

Überrascht vom Brexit

"Ich war sehr überrascht über dieses Ergebnis in Großbritannien. Momentan ist noch nicht absehbar, was dieser Austritt mit sich bringt. Aus wirtschaftlicher Sicht muss man aber mit negativen Folgen z. B. im Export, aber eventuell auch im heimischen Tourismus rechnen, da zu erwarten ist, dass das Britische Pfund deutlich abgewertet und deshalb eine wesentliche Verteuerung mit sich bringt", so WK-Bezirksobmann Klaus Lackner in einer ersten Stellungnahme.

"Ich bin für ein starkes, vereintes Europa, aber es ist dringend notwendig, dass sich die EU schnellstens neu reformiert. Diese Entscheidung der Briten hat die Schwächen der EU aufgezeigt. Ich hoffe, dass die EU-Verantwortlichen diesen Weckruf erkennen und dementsprechend reagieren. Sonst könnte passieren, dass auch in anderen EU-Ländern diese 'Exit'-Diskussion entfacht wird", so Lackner.

"Aktuell möchte ich dazu noch nichts sagen, weil zum heutigen Tag ja völlig unklar ist, wie und wann der Austritt vollzogen wird bzw. zustande kommt", möchte Florian Phleps, GF des TVB PillerseeTal, noch keine Prognosen abgeben.

Bgm. Stefan Seiwald (St. Johann) ist mit der Firma "Goingsoft" zwar nicht im britischen Markt engagiert, meint jedoch, "falls die Situation im geschäftlichen Bereich so wird wie es mit der Schweiz bereits ist, dann ist es eine Katastrophe."

"Großbritannien wird nicht untergehen"

Kitzbühel Tourismus Präsidentin Signe Reisch tritt der neuen Situation einigermaßen gefasst gegenüber:
"Ich frage mich, ob die Politiker einen Plan B in der Schublade haben. Wir von Kitzbühel Tourismus jedenfalls werden uns bestmöglich darauf einstellen. Durch den Absturz des Pfundes werden Urlaubsreisen zum Kontinent für die Briten teurer. Wir werden das zu spüren bekommen, nachdem Großbritannien mit 12 % Aufkommen der zweitgrößte Urlaubermarkt für uns ist. Das heißt, wir werden versuchen, etwa mit besonderen Angeboten einen Ausgleich zu schaffen, oder uns mit britischem Humor in Erinnerung rufen, etwa 'You voted for Brexit yersterday, Kitzbühel is still here for your Holiday, visit us'. Wir müssen also abwarten und ganz sicher genau beobachten. Nur eins ist sicher, das Leben geht weiter, und Großbritannien wird ganz sicher nicht untergehen." Was der Brexit langfristig (auch für den Tourismus) bedeutet, wagt Reisch nicht zu sagen.

Egger in Großbritannien

"Was der Brexit für die Gesamtwirtschaft in Großbritannien und damit auch für uns genau bedeutet, ist aus heutiger Sicht noch nicht prognostizierbar. Egger (Zentrale in St. Johann, Anm. d. Red.) hat zwei Produktionsstandorte in Großbritannien und produziert dort rohe und beschichtete Spanplatten. Das Geschäft in Großbritannien verläuft vorwiegend lokal, die Märkte UK und Irland machten im Vorjahr etwa 15 % des Gesamtumsatzes der Egger-Gruppe aus", erklärt Ulrich Bühler von der Egger-Gruppenleitung Vertrieb/Marketing.

"Kurzfristig ist zu erwarten, dass sich die Abwertung des Britischen Pfunds auf die Profitabilität von importierten Gütern auswirken wird, wenn diese auch lokal beschafft werden können. Die mittelfristige Entwicklung der Währung und der Märkte bleibt jedoch noch abzuwarten, da auch wieder Gegenreaktionen der Finanzmärkte zu erwarten sein dürften. Grundsätzlich wird es aber wohl zu einer noch verstärkten Haltung der britischen Kunden zu 'buy local', dort wo qualitativ und quantitativ möglich, kommen. Daraus erwachsen für unsere Standorte in Hexham und Barony auch Chancen", so Bühler.

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