31.05.2016, 08:53 Uhr

Rock in Vienna-Veranstalter Werner Stockinger: "Rock'n'Roll wird älter"

Veranstalter Werner Stockinger über den Tourismus-Aspekt des Rock in Vienna: "30 Clubs in Wien bieten Aftershow-Partys an, damit die Leute auch nach 23 Uhr noch unterhalten werden. Wir bringen Besucher nach Wien, die sich im Anschluss in der Stadt verteilen." (Foto: Blue Moon Entertainment)

Laute Gitarren, kaltes Bier und (hoffentlich) Sonne: Das Rock in Vienna holt von 3. bis 5. Juni Top-Stars wie Rammstein, Iggy Pop und Iron Maiden nach Österreich. Wir haben uns mit Veranstalter Werner Stockinger über sein Festival unterhalten.

Das Rock in Vienna wird oft als Komfort-Festival bezeichnet. War das die Absicht?
WERNER STOCKINGER: Ja, definitiv. Die Besucher stehen nicht im Stau, weil sie mit der U-Bahn anreisen. Wir legen auch Wert auf Sauberkeit: Es gibt nur wassergespülte Vakuum-Toiletten am Gelände.

Welche Besucher spricht das Rock in Vienna-Festival an?
Der Rock'n'Roll wird älter: Es gibt durchaus Menschen, die 60 Jahre alt sind und Rock'n'Roll cool finden, die sich aber nicht auf ein gewöhnliches Festival stellen wollen. Gerade Bands wie Iron Maiden oder Iggy Pop ziehen Fans im Alter von 16 bis über 60 Jahren an. Wer Abenteuer und Campingflair möchte, hat das Rock-Festival in Nickelsdorf zur Auswahl (das Nova Rock, Anm. d. Red.).

Toiletten sind ein großes Festival-Thema: Wassergespülte Vakuum-Toiletten am ganzen Gelände klingt nach sehr viel Aufwand.
Ja, es ist viel Aufwand: Unsere Toiletten kommen aus Holland und funktionieren wie Flugzeugtoiletten. Wir verlegen am Festival-Gelände sogar Wasserleitungen dafür. Das kostet zwar mehr als die typischen Dixie-Toiletten, aber es ist jeden Cent wert.

Rammstein sind Headliner am Rock in Vienna 2016
Rammstein sind die Rock in Vienna-Headliner am 3. Juni. (Foto: Bryan Adams)

Wird es dieses Jahr wieder mehrere Bühnen geben?
Es wird drei Bühnen geben: Zwei große Bühnen, die nebeneinander stehen und abwechselnd bespielt werden, und eine dritte, kleinere Bühne auf der internationale und nationale Nachwuchsbands spielen, die wir unterstützen möchten. An dieser Bühne muss jeder Besucher vorbei: Sie steht im Eingangsbereich. Sie wird aber nur bis 19 Uhr bespielt. Es wäre unfair, eine Band darauf zum Beispiel mit Slayer konkurrieren zu lassen.

Warum habt ihr euch für zwei Bühnen nebeneinander entschieden?
Das ist nichts, was wir erfunden haben – das Wacken-Festival handhabt es beispielsweise so. Für den Besucher ergeben sich weniger Pausen und kürzere Wege: Während die eine Band spielt, baut die andere auf der Bühne daneben auf.


Rock in Vienna – Die Bühnen:
Die beiden Hauptbühnen tragen die Namen "Soulstage" und "Mindstage". Gestaltet sind die Bühnen nach Themen: Die Soulstage bezieht sich auf die Kunst und zeigt Bilder der verstorbenen Musik-Legenden David Bowie und Lemmy Kilmister. Die Mindstage ziert ein Porträt des Wiener Nobelpreisträgers Erwin Schrödinger (mit Katze). Die kleinere Bühne im Eingangsbereich trägt den Namen Jolly Roger Stage.


Auf der Bühne im Eingangsbereich spielen auch einige österreichische Bands. Wurden diese bewusst ausgewählt?
Natürlich ist es angebracht, dass auch heimische Acts spielen, ich bin aber gegen Quoten: Wenn die Band nicht gut ist, dann spielt sie nicht. Egal ob sie aus Japan oder aus Österreich ist. Es gibt übrigens sehr gute österreichische Bands, die dieses Jahr spielen – All Faces Down zum Beispiel.

Haben Sie Zeit, die Shows selbst zu genießen?
Ich sehe nicht alle Show, dafür ist es zu betriebsam am Festival. Aber ein bis zwei Nummern versuche ich von jeder Band zu sehen.

Auf welche Bands freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich sehr auf Babymetal, weil diese Band ein Kuriosum ist und niemanden kalt lässt. Entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Rammstein kann man auch immer ansehen, da deren Show so einzigartig ist. Biffy Clyro ist eine meiner Lieblingsbands, deswegen freue ich mich doppelt und dreifach, dass sie da ist.

Die Österreicher Rammelhof spielen am Rock in Vienna 2016
Die Österreicher Rammelhof wurden mit einem Song über Wladimir Putin bekannt und spielen am Rock in Vienna auf der Jolly Roger Stage. (Foto: Release/Rammelhof)

Der Festival-Termin rückt näher. Steigt die Nevosität?
Nervosität ist das falsche Wort, aber die Anspannung steigt. Vor allem die Kleinigkeiten, die man bei der Organisation bedenken muss, machen sich in der letzten Phase bemerkbar.

Was sind das für Kleinigkeiten?
Die Festival-Bänder zum Beispiel: Wir lassen die Bänder weben und die Backstage-Pässe bedrucken. Beides müssen wir früh genug bestellen, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Besucherzahl noch gar nicht feststeht. Video-Walls waren heuer auch so eine Sache: Wegen der Fußball-EM waren Video-Walls Mangelware.

Ist die Sperrstunde heuer wieder um 23 Uhr?
Ja, wir haben uns aber das Feedback vom letzten Jahr zu Herzen genommen. 30 Clubs in Wien bieten Aftershow-Partys oder Special-Drink-Angebote an, damit die Leute auch nach 23 Uhr noch unterhalten werden. Daran sieht man, dass das Festival in Wien angekommen ist und es zeigt den Zusammenhalt in der Szene: Wir bringen Besucher nach Wien, die sich im Anschluss auf die Clubs verteilen.

Zur Person: Werner Stockinger

Werner Stockinger (38) wurde in Graz geboren. Bevor der ehemalige Bassist vor 16 Jahren ins Musikbusiness einstieg, war er Trainer für Netzwerk-IT. Die Arbeit bei Rock The Nation führte ihn nach Salzburg, später war er bei Planet Music tätig. 2015 organisierte er mit der Eventagentur Blue Moon Entertainment das erste Rock in Vienna-Festival, bei dem an allen drei Tagen insgesamt 80.000 Besucher auf der Donauinsel feierten.


Musik-Tipps von Werner Stockinger

Biffy Clyro – "Revolutions/Live at Wembley"
Rammstein – Live in Nîmes
Crowbar – "Sonic Excess in its Purest Form"

Lesen Sie auch:

* Rock in Vienna: Line-up für die Jolly Roger Stage
* Rückblick: Das war das Rock in Vienna 2015
* Weitere Berichte zum Rock in Vienna auf meinbezirk.at
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