10.06.2016, 16:56 Uhr

Stani Vana: "In Österreich haben wir eine tolerante Gesellschaft"

"Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, Menschen aus Bosnien, Serbien, Ungarn oder der Slowakei zusammenzubringen, ohne dass es kracht", sagt Deladap-Mastermind Stani Vana. (Foto: Arnold Burghardt)

Stani Vana ist die kreative und personelle Konstante des österreichischen Musikprojekts Deladap. Anlässlich des neuen Albums "Bring It On" sprachen wir mit ihm über Musik, Nationalitäten und seine Heimat Niederösterreich.

Was war Ihnen bei der Umsetzung von "Bring It On" wichtig?
STANI VANA: Es war mir wichtig, das zu tun, was ich immer tue: Gute Gefühle herüberbringen. Andererseits hat das Album auch seine nachdenklichen Seiten, wenn man beispielsweise den Song "Sleepwalker" anhört.

Was gibt es über die neue Single "King Of The Divan" zu sagen?
Es war mein langjähriges Bedürfnis, dem "Sgt. Pepper's"-Album der Beatles etwas nachzusetzen. Wir haben auch in der Band diskutiert, ob wir uns das erlauben dürfen. Da habe ich gesagt: "Mensch, was darf man sich nicht erlauben?" Das Lied ist nichts anderes als das Besingen der eigenen Freiheit.

Das Video zur Single haben Sie ohne Schnitt aufgenommen. Wie lange hat es gedauert, bis alles gepasst hat?
David Kleinl, der Regisseur, hat meine Vorstellungen perfekt umgesetzt. Wir haben vor zwei Jahren schon gemeinsam "Listen Up" gedreht, das ist auch ein One Shot-Video. Wir hatten vor dem Dreh eine Generalprobe und insgesamt haben wir sechs Durchgänge gemacht – es hat aber schon der Zweite gepasst.

Deladap – "King Of The Divan"


"Bring It On" ist das sechste Deladap-Album. Worin unterscheidet es sich von seinen Vorgängern?
Es ist viel persönlicher. Und die Crew ist neu: Yola B und Noma D haben sich ganz anders eingebracht als Leute, mit denen ich früher zusammengearbeitet habe. Das spürt man beim Hören.

Wie lange haben Sie an den Songs geschrieben?
Das ist sehr verschieden. Den ersten Entwurf für "Sleepwalker" habe ich vor zwölf Jahren gemacht, damals hieß der Song noch "Moonstomper". Der Song war von Anfang an so hochwertig, ich hatte vielleicht sogar Angst davor, ihn fertig zu schreiben.

Deladap hat den Balkan- und Gypsy-Sound maßgeblich geprägt. Heute sind diese Einflüsse nicht mehr so im Vordergrund. Warum?
Irgendwie ist der Gypsy-Geist noch vorhanden, aber es steckt kein Konzept mehr dahinter. Wir haben dieses Genre verlassen, weil es uns zu sehr vereinnahmt hat. Wir hatten das Gefühl, dass wir diesen Sound liefern müssen und wurden auch dazu aufgefordert. Das wollten wir nicht.

Stehen Sie noch gern hinterm DJ-Pult?
Absolut! Live-Shows sind das Wichtigste und die Energie ist einmalig. Ich liebe es, mit der Band unterwegs zu sein.

Sie sind viel unterwegs, nicht nur in Österreich. Wie stehen Sie zu Europa?
Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, Menschen aus Bosnien, Serbien, Ungarn oder der Slowakei zusammenzubringen, ohne dass es kracht. Das war in manchen Momenten unfassbar schwierig. Die anfängliche Blauäugigkeit habe ich schnell abgelegt: Man wird mit Kräften konfrontiert, an die man so nicht glaubt.

Welche Kräfte meinen Sie?
In Österreich haben wir eine vergleichsweise tolerante Gesellschaft. Die Emotionalität, die der Herkunft an anderen Orten entgegengebracht wird, sind wir nicht gewöhnt. In Albanien hat das Publikum Steine auf die Bühne geworfen, weil ein Serbe bei uns in der Band war. Du kannst aber nicht kollektiv sagen, dass das dumme Menschen sind: Man braucht viel Feingefühl und Geduld, um diese Konstrukte aufzulösen.

Sie leben in Niederösterreich in St. Valentin und arbeiten in Wien. Sind das nicht auch zwei verschiedene Welten?
(Lacht). Das ist für mich der perfekte Ausgleich! In St. Valentin und Umgebung genieße ich ein Paradiesvogel-Dasein. Das Video zu "Listen Up" haben wir damals mit dem heimischen Musikverein gedreht: Ich dachte erst, sie würden die Idee auslachen, aber die Leute haben mit Begeisterung mitgemacht.

Deladap – "Listen Up"


Sie haben Deladap vor mehr als zehn Jahren gegründet. Haben Sie gedacht, dass die Band so lange Bestand hat?
Nein! (lacht) Ich habe mir gar nichts dabei gedacht. Als Jugendlicher habe ich alles verneint, was mit traditioneller und folkloristischer Musik zu tun hatte. Das war dann mein erster Input, meine Herausforderung fürs erste Album, weil ich bemerkt habe, was für ein Schatz eigentlich dahinter steckt. Daraufhin hat Deladap eine Eigendynamik entwickelt, die uns auf Tour nach Mexiko, Japan und Südkorea gebracht hat.

Zur Person: Stani Vana

Mit 18 Jahren floh Stani Vana 1984 aus der damaligen Tschechoslowakei nach Niederösterreich. 2002 gründete der gelernte Drucktechniker das Musik-Projekt Deladap, das seither für tanzbare, urbane Popmusik steht.
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