15.07.2016, 14:44 Uhr

Synchron Stage: Hollywood am Rosenhügel

Conrad Pope komponierte und dirigierte das Werk "Synchronicity" für die Eröffnung der Synchron Stage. (Foto: Arnold Burghardt)

Mit einem Paukenschlag brachte der Dirigent und Komponist Conrad Pope die Synchron Stage bei ihrer Eröffnung zum Beben.

LIESING. Unscheinbar und nicht sehr hübsch, umgeben von Baustellen: Wer bei einem Spaziergang an der Synchron Stage in der Engelshofengasse 2 vorbeikommt, könnte sie für einen verfallenden Industriebau halten. Und doch gehen hier Hollywood-Größen wie Conrad Pope ("Der Hobbit"), Joe Kraemer ("Mission: Impossible – Rogue Nation") oder Hans Zimmer ("Der König der Löwen") aus und ein. Denn im Inneren des Gebäudes verbirgt sich ein ganz besonderes Tonstudio.

Ein Haus im Haus

Die ehemalige Synchronhalle wurde in den 40er-Jahren am Gelände der Rosenhügel-Filmstudios errichtet, damit Musik gleichlaufend zum Film aufgenommen werden konnte. Gearbeitet wurde trotz Kriegszustands nach höchsten technischen Ansprüchen. Schließlich wollten die Nazis Wien als Filmzentrum etablieren. "Gebaut ist das Studio nach einem Haus-im-Haus-System. So bleiben alle schädlichen Geräusche draußen", sagt Oliver Schreiber vom Bundesdenkmalamt.

Lenkwil-Orgel, Kino-Orgel
Eine echte Kino-Orgel befindet sich noch heute in den historischen Räumlichkeiten. (Foto: Arnold Burghardt)

Der Startschuss zur modernen Synchron Stage fiel 2013, als die Vienna Symphonic Library das denkmalgeschützte Gebäude vom ORF übernahm. Nach einer zwei Jahre dauernden Umbauphase kann Wien nun die Tradition als Film- und Musikstadt fortführen. Fragt man Geschäftsführer Herbert Tucmandl, worauf er am meisten stolz ist, muss dieser nicht lange nachdenken: "Auf das Team! Die Synchron Stage ist nicht Werk eines Einzelnen, hier haben sehr viele Menschen mitgearbeitet."

Stars aus den USA

Die Mitarbeiter, Helfer und Unterstützer des Projekts waren natürlich auch am Eröffnungsabend am 14. Juli 2016 mit dabei. Rund 200 Gäste waren eingeladen, darunter Jusitzminister Wolfgang Brandstetter und Verfassungsgerichtshof-Präsident Gerhart Holzinger. Aus Hollywood extra angereist sind Grammy-Gewinnerin Nan Schwartz, Komponist und Dirigent Conrad Pope sowie Joe Kraemer. Die heimische Film- und Musikszene war durch Andreas Prochaska, Kurt Mrkwicka, Dieter Pochlatko, Christian Kolonovits vertreten. Durch den Abend führte Karl Markovics, dem die ungewohnte Rolle als Moderator gut stand.
>> Eindrücke des Abends finden Sie in unserer Bildergalerie!

Höhepunkt des Abends war die Uraufführung des Werks "Synchronicity", das Conrad Pope eigens für diesen Anlass komponierte und auch selbst dirigierte. Im Mittelpunkt der Komposition standen die Percussion-Instrumente und nicht wie Haydn am Schluss, sondern gleich zu Beginn setzte Pope die mächtige Pauke ein.

Musik für "Sissi"

"Wien ist so eine wichtige Stadt für die Musik, es ist eine Ehre, hier mit so hingebungsvollen Musikern zu arbeiten", sagt Pope zur bz-Wiener Bezirkszeitung. Erst vor Kurzem habe er hier an der Einspielung der Filmmusik zu den "Sissi"-Filmen aus den 50ern mitgewirkt und die Arbeit sehr genossen. Die Original-Filmmusik wurde einst in der Synchronhalle aufgenommen, war jedoch bis dato nicht auf Tonträger erhältlich.

Zur Sache: Synchron Stage

Bis Mitte der 50er-Jahre spielten Orchester bis zu zehn Filmmusiken im Jahr am Rosenhügel ein. Ein – heute leider stiller – Zeuge dieser Vertonungen ist eine seltene Kino-Orgel, die Donnergrollen, Hufgeklapper oder Vogelgezwitscher im Repertoire hatte. Um das historische Instrument zu restaurieren, sucht die Vienna Symphonic Library gerade nach Sponsoren.
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