02.09.2016, 16:01 Uhr

Der "Kartenhai" von Villach

Sammelt seit vielen Jahrzehnten Ansichtskarten: Franz Schiestel aus Villach (Foto: DH)

Franz Schiestel sammelt schon seit ganzes Leben lang Ansichtskarten von Villach. Jetzt will der 80-Jährige seine Sammlung abstoßen.

VILLACH (Daniel Hochmüller). Fast sein ganzes Leben lang hat er gesammelt. Franz Schiestel hat zu Hause sein eigenes Archiv aufgebaut. Von Briefmarken, Ansichtskarten über Fotografien und Karikaturen findet man bei Schiestel alles. Münzen und Banknoten hat er keine, denn „die kosten mich zu viel“, witzelt der ehemalige Magistratsmitarbeiter.

Seit Kindestagen

Der Achtzigjährige sammelt von klein auf. „Jugendliche sammeln halt gern, heute vielleicht nicht mehr so was, aber mir haben Briefmarken besonders gut gefallen“, erzählt Schiestel. Zu den Marken kamen bald Ansichtskarten und Fotos, von denen viele aus der Kaiserzeit stammen. In den 1970ern fand Schiestel seinen Weg zum Vereinswesen, wo er sein Hobby professionalisierte.
Erworben hat er den Großteil seiner Sammlung auf Flohmärkten und durch sein Netzwerk, denn als Einzelner hat man kaum Chancen, an solche Schätze zu gelangen. Seinen Spitznamen „Kartenhai“ trägt er nicht ohne Stolz.

Villach als Spezialthema

„Die meisten Sammler haben ein Thema“, sagt Schiestel. Seines war der Raum Villach. Fotos von der Draubrücke und des Hauptplatzes zu Zeiten des Ersten Weltkriegs hat er ebenso wie zeitgenössische Karikaturen. Behörden und Vereine zeigen sich sehr interessiert an seiner Sammlung. Alles fein säuberlich sortiert in Ordnern, ist jedes Bild hinter einer Klarsichtfolie geschützt. Nimmt er einmal etwas heraus, wird es umgehend nach Begutachtung wieder in Sicherheit gebracht.
Die ältesten Motive stammen aus den 1850er-Jahren. Besonders stolz ist Schiestel auf seine Abbildungen der k.u.k.-Kriegsmarine, seine Materialen zur Volksabstimmung 1921 und eine seltene silberne Ansichtskarte von Maria Zell.

"Am liebsten anzünden!"

Nun will sich Schiestel von seiner Riesensammlung trennen. Seine Frau wird den Verlust verkraften können. Sie teilte die Leidenschaft nie „Er ist da ganz fanatisch. Am liebsten hätte ich den ganzen Haufen angezündet“, sagt sie mit einem Lachen.
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