Serie: Kunst im öffentlichen Raum
Ein Meister bildender Kunst
- Wappentier "Passauer Wolf" (L 230, H 148, B 60 cm) von Ferdinand Andri auf einer fünf Meter hohen Stele der Brunnenanlage am Kardinal-Franz-König-Platz (ehem. Neugebäudeplatz) in St. Pölten.
- Foto: Hans-Peter Kriener
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In memoriam Ferdinand Andri: Vor 70 Jahren, am 19. Mai 1956, starb der in Waidhofen an der Ybbs geborene Maler und Bildhauer
WAIDHOFEN AN DER YBBS. "Ein Meister in allen Zweigen der bildenden Kunst, ein guter Lehrer und ein edler Mensch ist mit ihm dahingeschieden." Worte auf der Parte der Gesellschaft bildender Künstler Wiens für ihren Weggefährten Ferdinand Andri. Der am 1. März 1871 in Waidhofen geborene Maler verstarb am 19. Mai 1956 in Wien.
Stationen eines Künstlerlebens
Zum Tod Andris schrieb der "Bote von der Ybbs" am 25. Mai 1956 (Auszug): "Mit ihm verliert Österreich einen bedeutenden Künstler. Andris Lebenswerk umfaßt die Holzbildhauerei, das monumentale Wandbild, das repräsentative Porträt sowie lebensvolle Gemälde aus dem bäuerlichen Leben. Andri, der in Waidhofen a. d. Ybbs als Sohn eines Vergolders zur Welt kam, begann als Holzschnitzer und Altarbauer, absolvierte seine Studien in Innsbruck, an der Wiener Akademie und an der Kunstschule in Karlsruhe. 1919 wurde er ordentlicher Professor an der Wiener Akademie. Andri hat sich nach dem Ersten Weltkrieg öfters in seiner Geburtstadt bzw. im Reichenauerhof in der Landgemeinde Waidhofen aufgehalten, wo er künstlerischen Einfluß auf die damalige kunstgewerbliche Erzeugungsstätte für Spielzeug nahm."
Werke unter freiem Himmel
Im umfangreichen Schaffen des bildenden Künstlers stechen zwei besonders "öffentlichwirksame" plastische Arbeiten hervor: der "Passauer Wolf" in St. Pölten und der "Erzengel Michael" in Wien.
"Zuerst tritt der sichernde, vorgestreckte Kopf klar heraus, die nach vorne gerichteten Lauscher sprechen von Wachsamkeit. Dann gewinnen die fest auf das erhöhte Podest gestemmten Vorderläufe Gestalt. (...) Man hat das Gefühl, das Tier sei eben aus einem Versteck, einem Graben etwa, hervorgesprungen, um nach dem Feind auszuschauen", beschreibt Adolf Bassaraba ("St. Pöltner Anzeiger", 17. Februar 1942) das von Andri aus Lindenholz geschnitzte Wappentier "Passauer Wolf", welches als Metallguss auf einer fünf Meter hohen Stele am Kardinal-Franz-König-Platz installiert ist.
Für das Zacherlhaus im Zentrum Wiens, Brandstätte 6, gestaltete Andri, der von 1899 bis 1909 Mitglied der Wiener Secession war, die fünf Meter hohe Skulptur "Erzengel Michael". Das markante Werk schmückt seit 1909 die Gebäudefassade. (Ausführung: Kesselschmied Faustner, aus Kupferblech gehämmert. Als Vorlage diente die aus Holz geschnitzte Skulptur von Ferdinand Andri.)
Ferdinand-Andri-Straße in Waidhofen an der Ybbs
Übrigens: "Die Stadt Waidhofen sollte ihren bedeutenden Sohn (...) auch durch Benennung einer Straße ehren", merkte der "Bote von der Ybbs" vor 70 Jahren im Nachruf an. Diese Ehre wurde Professor Ferdinand Andri 1988 in der Weitmannsiedlung im Waidhofner Stadtteil Zell-Arzberg zuteil.
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