Neue Studie: Wasserkraftausbau bedroht Europas Fischparadies

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Wien, Radolfzell, 19.4.2018 Europas Fischparadies sind die Flüsse auf dem Balkan. Das belegt eine neue Studie, die heute von Riverwatch und EuroNatur vorgestellt wurde. Demnach leben in den Flüssen zwischen Slowenien und Griechenland 113 bedrohte und geschützte Fischarten und damit mehr als in jedem anderen Gebiet Europas. Die Autoren der Studie um Dr. Steven Weiss von der Universität Graz haben zudem die Folgen für die Fischfauna erhoben, falls die geplanten Wasserkraftwerke auf dem Balkan gebaut werden. Das Ergebnis: Elf Fischarten würden global aussterben und weitere 38 Arten an den Rand des Aussterbens gebracht werden. „Der Wasserkraftausbau gefährdet dadurch etwa 10 Prozent aller Flussfischarten Europas. Wasserkraft stellt damit eine der größten Gefahren für die Fischfauna unseres Kontinents dar“, so Dr. Steven Weiss.

+++ hier der Guardian Artikel dazu inklusive den Methan Emissionen von Wasserkraft +++

Unter den bedrohten Arten finden sich wahre Riesen wie der bis zu 1,5 Meter lange Huchen (Hucho hucho) und Zwerge wie die 10 Zentimeter kleine Dalmatinische Elritze (Phoxinellus dalmaticus). Einige Arten leben nur auf wenigen Kilometern Fließgewässern und sonst nirgendwo, etwa die Prespa Forelle (Salmo peristericus) oder der Vardar Streber (Zingel balcanicus), eine Barschart, die als ausgestorben galt und die im Rahmen dieser Erhebungen in einem mazedonischen Flussabschnitt wiederentdeckt wurde (alle Fischarten finden Sie in der Online-Fischdatenbank).

Dalmatinische Elritze (Phoxinellus dalmaticus): Diese maximal 12 Zentimeter kleine Art kommt weltweit nur in dem Čikola Fluss in Süd Kroatien vor. Drei Wasserkraftwerke sind an dem Fluss geplant, was vermutlich das Aussterben der Art zur Folge hätte. © Perica Mustafić Dalmatinische Elritze (Phoxinellus dalmaticus): Diese maximal 12 Zentimeter kleine Art kommt weltweit nur in dem Čikola Fluss in Süd Kroatien vor. Drei Wasserkraftwerke sind an dem Fluss geplant, was vermutlich das Aussterben der Art zur Folge hätte. 

Die Neretva in Bosnien-Herzegowina ist mit ihren Zuflüssen einer der wichtigsten Fisch-Hoptspots auf dem Balkan und in ganz Europa. 17 seltene und bedrohte Fischarten leben hier. Die EU erwägt den Bau von zwei Großstaudämmen in der Neretva zu fördern. Das hätte verheerende Folgen, u.a. für die hochgradig gefährdete Weichmaulforelle. © A. VorauerDie Neretva in Bosnien-Herzegowina ist mit ihren Zuflüssen einer der wichtigsten Fisch-Hoptspots auf dem Balkan und in ganz Europa. 17 seltene und bedrohte Fischarten leben hier. Die EU erwägt den Bau von zwei Großstaudämmen in der Neretva zu fördern. Das hätte verheerende Folgen, u.a. für die hochgradig gefährdete Weichmaulforelle. © A. Vorauer

Drei Flüsse sind auf dem Balkan von besonders großer Bedeutung: die Neretva und die Drina in Bosnien-Herzegowina sowie die Morača in Montenegro. Hier leben zusammengenommen mehr als 50 gefährdete und geschützte Arten, womit diese Flüsse zu den bedeutendsten und an Fischarten reichsten Flüssen in ganz Europa zählen.

Doch ausgerechnet in diesen drei Flüssen sollen große Staudämme entstehen, noch dazu mit Hilfe der Europäischen Union. Die EU Kommission hatte kürzlich eine Liste von „prioritären Wasserkraftprojekten“ auf dem Balkan vorgestellt, die sie möglicherweise finanziell unterstützen will. Darin finden sich allein zehn Projekte an diesen drei Flüssen. Am 17. Mai plant die EU Kommission in Sofia die endgültige Liste der „prioritären Wasserkraftvorhaben“ zu präsentieren.

„Wenn sich die EU an ihre eigenen Gesetze hält, muss sie diese Staudammprojekte stoppen anstatt sie zu forcieren. Diese Flüsse sollten Nationalparks werden und nicht in Stauseen untergehen“, so Ulrich Eichelmann von Riverwatch.

Weichmaulforelle (Salmo obtusirostris): nur 5 spezifische Populationen existieren. Am besten erhalten ist die Population im Fluss Neretva. Staudammprojekte drohen jedoch mindestens 50 Prozent dieser Population auszurotten. Staudämme am Fluss Morača würde die dortige Population dieser Art aller Voraussicht nach komplett auslöschen. © A. HodaličWeichmaulforelle (Salmo obtusirostris): nur 5 spezifische Populationen existieren. Am besten erhalten ist die Population im Fluss Neretva. Staudammprojekte drohen jedoch mindestens 50 Prozent dieser Population auszurotten. Staudämme am Fluss Morača würde die dortige Population dieser Art aller Voraussicht nach komplett auslöschen. © A. Hodalič

„Diese Studie zeigt einmal mehr den immensen Wert der Balkanflüsse und die erschreckenden Auswirkungen der Wasserkraft gerade auf die Biodiversität. Der geplante Ausbau der Wasserkraft auf dem Balkan bedroht einen europäischen Hotspot der biologischen Vielfalt.“, betont auch Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Stiftung EuroNatur.

Die Fischstudiewurde im Rahmen der Kampagne „Rettet das blaue Herz Europas“ erstellt, die von den Naturschutzorganisationen Riverwatch und EuroNatur koordiniert wird. Erstmals liegt damit eine umfassende Erhebung der bedrohten und geschützten Fischarten sowie der Folgen des Wasserkraftbooms für den gesamten Balkan vor.

Hintergrundinformation

Hier zur Studie, zur Online-Fisch-Datenbank und zur interaktiven Verbreitungskarte
Dies ist eine gemeinsame Pressemitteilung von Riverwatch und EuroNatur.
Die Studie wurde im Rahmen der Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ in Auftrag gegeben. Ungefähr 2800 neue Staudämme sind derzeit zwischen Slowenien und Albanien in Planung. Um dieser Welle der Zerstörung entgegenzutreten, haben EuroNatur und Riverwatch zusammen mit lokalen Partnern in den jeweiligen Balkanländern die Kampagne „Rettet das Blaue Herz Europas“ ins Leben gerufen. Weitere Informationen unter http://www.balkanrivers.net/de
Rückfragen

Dr. Steven Weiss, Autor der Studie, Karl-Franzens-Universität Graz
steven.weiss@uni-graz.at, + 43 660 4383336

Cornelia Wieser, Kampagnenkoordinatorin, Riverwatch
cornelia.wieser@riverwatch.eu, +43 650 4544784

Anja Arning, Öffentlichkeitsarbeit, EuroNatur
anja.arning@euronatur.org; +49 7732 927213

Autor:

Thomas Reis aus Baden

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