15.01.2018, 16:00 Uhr

"Wahl-Attacken" sorgen für Ärger

BAD VÖSLAU/KOTTINGBRUNN. BAD VÖSLAU/KOTTINGBRUNN. Für die einen ist es "Ortsverschandelung", für die anderen "Hetze", für den Verursacher ein "Wachrütteln". Es geht um die Plakatwelle der FPÖ, die anlässlich der Landtagswahl über den Bezirk flutet. Die Empörung ist besonders groß in Bad Vöslau und Kottingbrunn. Die Gruppe "Frauenvielfalt" fürchtet in einem Leserbrief um das "friedliche Miteinander" in Bad Vöslau, Eltern in Kottingbrunn ärgern sich über die "Hetzplakate mit den Aufschriften 'Sex-Attacken' oder 'Brutale Gewaltattacken' auf Kinder-Augenhöhe direkt vor der Volksschule. Die Plakate haben Unbekannte auch zu Störaktionen veranlasst - manche Plakate wurden behängt. Die Bürgermeister Christoph Prinz (Bad Vöslau) und Christian Macho (Kottingbrunn) bezeichnen sich als "machtlos". In Wahlzeiten dürfen Plakate überall aufgehängt werden, wo sie nicht verkehrsbehindernd sind. Prinz: "Wir haben in Vöslau nur eine Art Gentlemen Agreement, dass nicht vorm Rathaus und nicht beim Freiheitsbrunnen plakatiert wird." Die Parolen wollen weder Prinz noch Macho kommentieren.


"Nichts Ungesetzliches!"

NAbg. Peter Gerstner, BezPO der FPÖ, sieht nichts "Ungesetzliches" und weist den Vorwurf der Hetze von sich. "Wir wollen wachrütteln. Was wir plakatieren, sind Landesthemen." Zum Argument, dass die Kriminalitätsrate zuletzt gesunken sei, meint er: "Statistiken können so oder so ausgelegt werden." Einzig die Plakate vor der Kottingbrunner Volksschule will er sich "anschauen". In einem weiteren Leserbrief schreibt die Vöslauerin Mag. Elisabeth Stummer: "Wer hat den Mut, gegen die Plakate anzutreten? Wehret den Anfängen!"


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Leserbrief 1:
Wie schon in früheren Jahren, versucht auch derzeit vor der NÖ Landtagswahl die FPÖ mittels marktschreierischer schwarzer Plakate mit hetzerischen Slogans („Brutale Gewalttaten“, „Sexattacken“ ) Verunsicherung, Angst und Schrecken in Niederösterreich, und so auch in Bad Vöslau, zu verbreiten.
Auch die Vorwürfe auf anderen Plakaten („Kein Arzt im Ort“) entsprechen absolut nicht der Wahrheit. Abgesehen davon, dass für Bad Vöslau viele der Slogans völlig unzutreffend sind, wird mit dieser exzessiven Plakatorgie nicht nur das Stadtbild massiv beeinträchtigt, sondern auch wertvolles Steuergeld auf sinnlose Weise verschleudert. Wir fragen uns, wozu z.B. auf dem Weg zum Bahnhof oder entlang der Wiener Neustädter Straße solche Plakate sogar im Doppelpack an Lichtmasten angebracht sind.
Bad Vöslau ist ein beliebter Kurort und lebt teilweise vom Fremdenverkehr.
Wie werden solche Plakate wohl auf Kurgäste und Touristen wirken, die die örtlichen Gegebenheiten überhaupt nicht kennen und nicht wissen, dass die meisten dieser Behauptungen gar nicht stimmen ? Sie fürchten sich womöglich, nach Einbruch der Dunkelheit auch nur einen Schritt aus ihrem Quartier hinauszumachen. Sind sich die Verantwortlichen nicht bewusst, wie die Verbreitung solcher Horrormeldungen dem Wirtschaftsstandort Bad Vöslau schaden kann ?
Wir, als Mitglieder der interkulturellen „Initiative Frauenvielfalt Bad Vöslau“, die im heurigen Frühjahr ihren 11. Geburtstag feiert, haben uns all die Jahre bemüht, ein Miteinander in Bad Vöslau zu fördern und können auf viele schöne Erfolge zurückblicken. Wir leben teilweise seit vielen Jahrzehnten in unserer schönen und lebenswerten Stadt und haben eine völlig andere Wahrnehmung von Bad Vöslau, als durch diese Plakate vermittelt wird.
Die „Frauenvielfalt“ wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass dieses friedliche Miteinander in unserer Stadt gelebt und noch intensiviert wird.
Daher rufen wir die für diese Plakatkampagne verantwortlichen Politiker dazu auf, bei der Wahrheit und bei Fakten zu bleiben und nicht durch bloße Schlagworte in bewusst reißerischer Aufmachung unnötige Verunsicherung bei der Wohnbevölkerung und bei Vöslau-Besuchern zu erzeugen.
Wir werden es jedenfalls auch in Zukunft nicht unwidersprochen zulassen, dass diffamierende Fake News über Bad Vöslau verbreitet werden !
Dass im Zeitalter des Internets und der modernen Medien solche Diffamierungen noch Jahre später nachwirken können, beweist die Tatsache, dass ein für Bad Vöslau rufschädigendes Interview auch nach 8 Jahren noch immer auf einer rechtsradikalen US-amerikanischen Internetseite abrufbar ist.
Über welche Netzwerke es dorthin gelangt ist, fragen wir uns schon seit langem.

Die Mitglieder der „Initiative Frauenvielfalt Bad Vöslau“




Leserbrief 2:
Wahlplakate überschwemmen unsere Stadt mit üblen Slogans:
Ängste schüren - kein Arzt im Ort
falsche Anschuldigungen - brutale Gewalttaten
absurde Behauptungen -Sexattacken
zerstörerische Lügen - Eigentumskriminalität
unmenschliche Forderungen - sofortige Abschiebung
Lust an Verunglimpfung - Opfer statt Täterschutz
Können wir es verantworten träge, leichtgläubige Menschen zu sein?
Zum Heraustreten braucht es Mut.
Wer hat Mut dagegen anzutreten?
Auch jetzt gilt: Wehret den Anfängen!

Mag. Elisabeth Stummer, Bad Vöslau

Leserbrief 3:

Als Nachfahrin der Hitler-Generation, welche mehrheitlich bequeme, desinteressierte Mitläufer waren, sehe ich mich jetzt durch diese Wahlplakataktion der FPÖ veranlasst, Stellung zu nehmen. Lügen und geschürte Ängste zerstören unser Miteinander. Wo bleibt die Achtsamkeit?
Wir haben unseren Eltern nach dem Krieg vorgeworfen, durch ihr Schweigen zu Mittätern geworden zu sein und ihre christlichen Werte missachtet zu haben. Mit diesem Schreiben möchte ich verhindern, von der nachkommenden Generation, wenn sich die politische Situation zuspitzen sollte, als „Mitläuferin“ beschuldigt zu werden. Wo bleibt die Achtsamkeit?

Berta Kolber, Bad Vöslau
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Dr. Peter Föller ; Bad Vöslau aus Baden | 15.01.2018 | 17:48   Melden
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Dr. Peter Föller ; Bad Vöslau aus Baden | 15.01.2018 | 17:57   Melden
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Herwig Schneider aus Baden | 19.01.2018 | 18:04   Melden
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