"Eingekesselt"
Polizei überprüfte 1.300 Rapid-Fans am Weg zum Wiener Derby

War das Verhalten der Polizisten gerechtfertigt? Rund 1.300 Rapid Fans wurden am Weg ins Stadion aufgehalten.
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Vorwürfe gegen die Wiener Polizei: Vor dem Derby Rapid Wien gegen Austria Wien kam es zu einem Polizeieinsatz, der für Diskussionen sorgt. Die Polizei veröffentlichte Videoaufnahmen des Einsatzes, um Vorwürfe zu widerlegen.

WIEN. Rund 1.300 Rapid-Fans, die auf dem Weg zum Wiener Derby waren, werden den gestrigen Sonntag, 16.12.2018, wohl kaum so schnell vergessen. Das Match selbst wurde für sie zur Nebensache: Denn die Fans harrten bis zu sieben Stunden lang unfreiwillig vor dem Stadion aus. Sie wurden nämlich von der Polizei angehalten, die im Zuge einer Amtshandlung die Identität der Menschen feststellten wollte.

1.300 Personen angehalten

Der Vorfall ereignete sich um kurz nach 15 Uhr, etwa zwei Stunden vor Anpfiff des Wiener Derbys. Nachdem laut Polizei beim Rapid-Fanmarsch mehrere Personen zwischen der Laaer-Berg-Straße und der Generali-Arena Gegenstände auf die Süd-Ost-Tangente geworfen wurde, musste die Autobahn für etwa zehn Minuten gesperrt werden. 

Die rund 1.300 Personen, die auf dem Weg ins Stadion waren, wurden daraufhin von der Polizei zur Identitätsfeststellung angehalten. Bei Temperaturen bis zu -2 °C hielt die Polizei einige Fans bis kurz vor 22 Uhr auf dem schmalen Weg fest. Erst nach Feststellung der Identität durften die Fans den Bereich verlassen.

Der Fußballverein verlangte am Montag in einer Aussendung die vollständige Aufklärung des Vorfalls durch die Polizei. Unter den festgehaltenen Personen seien auch „Kinder, Frauen und ein Mädchen, das aufgrund einer Diabetis-Erkrankung insulinpflichtig ist“, gewesen. Diese „mussten ohne Versorgung (Getränke oder Essen) und ohne Möglichkeit sanitäre Anlagen aufzusuchen, dort verharren.“ 

Drei Rettungseinsätze

Auch die Rechtshilfe Rapid kritisiert über Twitter die Vorgangsweise der Polizei. Demnach seien Menschen umgekippt und hätten erst spät ärztliche Versorgung erhalten. 

Die Polizei weist den Vorwurf zurück, dass es zu zahlreichen Rettungseinsätzen gekommen sei. Drei Personen mussten während des Einsatzes von der Rettung abtransportiert werden, darunter ein Mann mit Knieproblemen, eine Frau mit Kreuzschmerzen und ein dritter Patient mit Kreislaufbeschwerden.

Seitens der Polizei will man den Vorfall nun evaluieren. Bei der Amtshandlung sei es zu einer Anzeige wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und einer Festnahme gekommen. Mithilfe eines Videos des Einsatzes widerlegte man die Vorwürfe, dass die Tangente bereits vor der Überquerung der Fans gesperrt gewesen sei. Auch habe man Familien mit Kindern, Frauen und gebrechliche Personen mehrmals gebeten vorzutreten, damit diese den Bereich verlassen könnten. 

Am Montag zeigte sich Rapid-Präsident entsetzt: „Was ich am Sonntagabend erlebt habe, hätte ich im Rechtstaat Österreich nicht für möglich gehalten. Hier war keinerlei Verhältnismäßigkeit gegeben, Menschen über Stunden bei Minusgraden einer solchen Situation auszusetzen, halte ich für skandalös", so der Michael Krammer. Er machte sich laut eigenen Angaben um 18.30 Uhr ein Bild von der Situation.

Austria Wien gewinnt Derby

Das Match selbst konnte die Wiener Austria für sich entscheiden. Sie gewann mit 6:1 und erreichte damit ein historisches Ergebnis. Der Fan-Sektor von Rapid, der laut Angaben des Vereins eigentlich ausverkauft war, blieb dabei aber "fast leer", heißt es in der Aussendung.

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