25.03.2016, 00:00 Uhr

Gärtner kämpfen ums Überleben

Kurt Weber mit herrlichem Simmeringer Frischgemüse. Doch die Nahversorgerbetriebe werden von Jahr zu Jahr weniger.

Immer bedrohlichere Situation für die Gemüsegärtner: Diskontpreise, hohe Energiekosten.

SIMMERING. (tom). "Wien kann sich nur noch zu einem Drittel mit eigenem Gemüse versorgen", so der Simmeringer Gärtner Kurt Weber. Mittlerweile sind von mehr als 1.200 Gärtnern nur noch rund 80 aktive Stadtbauern tätig. Tendenz: stark fallend.

Was den Gärtnern besonders zu schaffen macht ist der niedrige Preis. So müssen die Gärtner etwa mit 25 Cent pro Bund Radieschen das Auslangen finden. "Nahzu unmöglich", so Weber. Vor allem wenn man bedenkt, dass hier noch fast alles in Handarbeit passiert.

"Wir sehen die Gärtner als starke Partner", so Umweltstadträtin Ulli Sima. "Es gibt gemeinsame Marketing-Offensiven, um das Wiener Gemüse zu pushen."

Kosten werden verdoppelt

Zusätzlich fürchten die Gärtner die geplante Verdoppelung der Fernwärmekosten zur Beheizung der Glashäuser. "Das können wir uns nicht mehr leisten", weiß Weber. "Derzeit laufen Gespräche, die wir nicht kommentieren", so Wien Energie"-Sprecher Boris Kasper.

Dazu kommt, dass ein Handelsriese ein paar Kilometer außerhalb von Wien seit drei Wochen seine eigene Glashausmassenzucht betreibt. Da die Firma auch Diskonter- und Supermarktketten betreibt, rechnen die Wiener Gärtner mit entsprechenden Kampfpreisen.

Warten auf Wohnbau

"Früher bestand die Hörtengasse fast nur aus Gemüsegärtnern. Jetzt hört einer nach dem anderen auf", so Kurt Weber. Viele warten, bis das Areal umgewidmet wird und ein Wohnbauträger ein entsprechendes Angebot macht, so der Gemüsegärtner.

Simmering läuft Gefahr, auch im Osten komplett zugepflastert zu werden. Mittlerweile kommen auf jeden Bewohner 1,8 Quadratmeter verbaute Supermarktfläche. Ein Europarekord auf Kosten des wertvollen Boden. "Laut Experten der Uni für Bodenkultur wird fruchtbarster Donauboden für immer zubetoniert", so Weber.
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