Die Kugelmühle Fürstenbrunn
Marmorkugeln aus dem bunten Gestein des geheimnisvollen Untersberges

Der Kugelmüller Georg Maric mit seinen "Mozartkugeln" aus Marmor
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  • Der Kugelmüller Georg Maric mit seinen "Mozartkugeln" aus Marmor
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Wenn Georg Maric in seiner kleinen Container-Werkstätte bei der Kugelmühle in Fürstenbrunn arbeitet, weiß er, dass er das uralte Handwerk der Kugelmüller fortführt. Gelernt hat er diese Fertigkeit von Martin Leitner, der die Kugelmühle 1990 wieder aus einem langen Dornröschenschlaf erweckt hat. Das Grundstück, auf dem die Kugelmühle steht, wird von der Familie Mayr-Melnhof dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.

Die Verwendung von „Schusser“ war vielfältig
1699 erstmals urkundlich erwähnt, ratterte die Kugelmühle, die mit dem Wasser des Kühbaches betrieben wird, um die sogenannten „Schusser“ herzustellen. Das sind kleine Kugeln, die für die damalige Schifffahrt eine zentrale Rolle spielten. Sie dienten zur Stabilisierung der Schiffe, da diese einen flachen Rumpf-Bau hatten und dadurch bei Stürmen zu kentern drohten, wenn sie nicht (Stein-) Ballast geladen hätten. Bei Angriffen konnte man die „Schusser“ auch als Schrotkugeln für die Schiffskanonen verwenden, sie wurden dann auf die Segel des feindlichen Schiffes geschossen und machten es damit fahruntüchtig. Praktischer Weise konnten sie schließlich auch für Tauschgeschäfte im Ausland eingesetzt werden oder als Spielzeug für Kinder.
Bei dieser vielseitigen Verwendbarkeit ist es also nicht erstaunlich, dass allein in Fürstenbrunn 100.000 bis 400.000 solcher „Schusser“ im Jahr in dieser Kugelmühle produziert wurden. Die Steine wurden von Frauen und Kindern für die Mühle vorbearbeitet, die oft nicht zählen oder lesen konnten. Die Arbeiterinnen mussten deshalb die bereits vorgerundeten Steinchen durch eine Tafel mit Löcherbehältern werfen, die dann, wenn sie voll waren, das Maß von jeweils 100 ergaben.

In der Mühle geht es rund
Nach wie vor werden geeignete Steine im Küh- oder Glanbach gesammelt. Die Produktionsart heute hat sich nur insofern verändert, als dass die großen Steine zuerst mit dem Winkelschleifer (Flex) zu einem Würfel zurecht gesägt werden und erst danach mit einem Stockhammer die Kanten gebrochen bekommen. Das macht man aus dem Grund, damit der Sandstein der Mühle nicht zu stark abgenutzt wird. Sind die Marmorsteine abgerundet, kommen sie in einen Sandsteindreher, der vom bayrischen Högl-Gestein stammt, denn nur dieses hat die Härte, dass es die Marmorsteine zu Kugeln formen kann und nicht daran zerbricht.

Marmor-Pralinen a la Maric
Sind die vorgefertigten Marmorsteine erst einmal in den zwei Sandsteindrehern, geht es mit der zugeleiteten Wasserkraft dann richtig rund. Je nach Größe brauchen die Steine ein bis sechs Tage bis sie ihre perfekte Rundung erhalten. Acht Zentimeter messen die größten Kugeln, die hier produziert werden. Mein persönlicher Liebling ist aber die „Mozartkugel“, die Georg Maric auch gleich in der richtigen Verpackung mit sich trägt: In der „Salzburg Schokoladen“- Packung der Mozartkugeln. Nicht zum Reinbeißen geeignet, aber dafür umso mehr zum Anschauen und Staunen, wie perfekt diese Marmorpralinen geworden sind!

Rund um die Kugelmühle gibt es viel zu sehen…
Nur ein paar Schritte weiter steht das neue mächtige Lärchenholzmühlrad, das imposant an die Zeit der alleinigen Nutzung der Wasserkraft früherer Jahrhunderte erinnert.
Noch ein kleines Stück weiter befindet sich das Untersbergmuseum, das ebenfalls Martin Leitner zusammen mit dem ehemaligen Bürgermeister Dieter Engels und dem ehemaligen Volkschuldirektor Walter Aumayr aufgebaut hat.

Am 19.5.2019 ist Tag der offenen Tür im Untersbergmuseum Fürstenbrunn, und hier findet man die fertigen Marmorkugeln ausgestellt vor, kann sie auch kaufen und hat die Möglichkeit noch zahlreiche andere hochinteressante Exponate anzuschauen. Außerdem taucht der Besucher in die mystische Welt des Untersberges und seiner Region ein. Ein Muss für alle Untersberg- und Geschichte- Fans!!!
Führungen werden gegen Voranmeldung günstig angeboten, auch spezielle Führungen für Kinder, in denen sie ihre eigenen Kügelchen schleifen und nach Hause mitnehmen können!

Tipp: Wer gerne wandert, kann den Untersberger Marmorweg, der mit Lehrtafeln ausgestattet ist, gehen. Parkplatz ist beim Jugendzentrum Fürstenbrunn, von dem auch die Wanderung ausgeht. Sie führt allerdings der schmalen steilen Autostraße entlang, daher ist sie nicht für Kinder geeignet.
(siehe auch unter: http://www.untersbergmuseum.net)

Autor:

Tatjana Rasbortschan aus Flachgau

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