Tag der Offenen Tür im Untersbergmuseum Fürstenbrunn
Mühlradeinweihung und Vortrag: Das Mühlrad als Vorläufer der Industrie in Grödig

Ludwig Genner, Dipl. Ing. Heinz Schierhuber, Martin Leitner, Georg Maric und Franz Haslauer vor dem Mühlrad (von links nach rechts)
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  • Ludwig Genner, Dipl. Ing. Heinz Schierhuber, Martin Leitner, Georg Maric und Franz Haslauer vor dem Mühlrad (von links nach rechts)
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Am Samstag, dem 26.10.19, wurde am Tag der Offenen Tür die Museumpforte des Untersbergmuseums in Fürstenbrunn geöffnet. Dabei fand auch die Einweihung des neu gebauten Mühlrades statt. Dipl.-Ing. Heinz Schierhuber referierte vor dem „stolzen“ Mühlrad nicht nur über den Neu- und Nachbau des Mühlrades, sondern auch über die historische Bedeutung der Mühlräder in der Gemeinde Grödig.

Kein Wasser - kein Mühlrad – die „Geburt“ des Almkanals
Die erste Mühle auf Grödiger Gebiet wurde 1550 in Eichet erbaut, sie steht unter Denkmalschutz. Hier befindet sich heute noch ein Kraftwerk. Aber woher kam das Wasser? Da die Stadt Salzburg zu wenig Wasser zur Verfügung hatte, wurde der Rosittenbach unterhalb der Pflegerbrücke in einen Kanal gezwängt und ein Stollen um 1136 durch den Mönchsberg angelegt, damit man das Wasser bis in die Stadt durchleiten konnte. Der Rosittenbach führte aber zu unregelmäßig Wasser und so begann man, Ende des 13. Jhdt. einen künstlichen Kanal anzulegen, der das Wasser der Königsseeache in das bestehende System einleitete. Im November 1286 ging die 4,5 km lange Durchstichstrecke zwischen Königseeache und bestehendem Rosittenbachkanal in Betrieb, die Wehranlage für den Einlauf in den Kanal wurde „Am Hangenden Stein“ errichtet - der heutige 11,8 km lange Almkanal (Alm = die weiße (weiß = albus) Schäumendende von „albina“ aus dem Lateinischen) war geboren! Nun hatte die Stadt Salzburg genügend Wasser für Brunnen, Gärten, Mühlen und Löschzwecke, aber auch Grödig das nötige Wasser für seine insgesamt 13 Mühlen, 47 Wasserräder sowie die 30 Kugelmühlen.

Grödiger Industrie gestern und heute
Zur Blütezeit der Mühlen im 19. Jahrhundert klapperten die Mühlräder in Grödig fleißig und versorgten wichtige Betriebe mit Strom. Zum Beispiel die Reitersäge Klappbacher, die Getreidemühle Ebner, Zementwerke, einen Nägelherstellungsbetrieb, die damals modernsten Webereiautomaten Österreichs der Firma Hoffelner, den Radioherstellungsbetrieb Körting und eine Hufschmiede für das Heer. Sogar ein kleines mechanisches Puppentheater, erbaut von Tobias Gruber, beim Friseur Altenburger wurde von der Wasserkraft betrieben.
Das neue Mühlrad in Fürstenbrunn…
… stammt von der ehemaligen Neumaier/Noimer-Berger/Kinz Mühle in Grödig. Kinz verwendete das Mühlrad zur Stromerzeugung, später ersetzte eine Kaplanturbine das Mühlrad. Das „ausgediente“ Mühlrad wurde neu mit Lärchenholz durch Martin Leitner und Walter Aumayr belegt. 2018/2019 wurde das Rad vom Museumsvorstand (Genner, Haslauer, Maric, Schierhuber) vollständig restauriert, die Ständer dafür als dauerhaftes Eisenkonstrukt hergestellt. Jetzt klappert es zwar nicht mehr, aber erstrahlt in neuem Glanz! Die jetzige Kugelmühle wird von einem Wasserzulauf des Kühbaches betrieben - wenn sie der Kugelmüller Georg Maric betreibt, dann klappern hier die Marmorkugeln „g'schaftig“.

Ein Museum zum Verlieben…
… ist das Untersbergmuseum. So klein es auch ist, so besonders fein ist es auch. Und dabei ist es nicht nur die Vielzahl an Exponaten, die den Besucher erstaunen, sondern auch die hoch interessante Geschichte des Untersberges, des Ortes Fürstenbrunn, der Kugelmühle und der Sagen. Wo kann man sich schon die (sagenhaften) Masken und Kostüme der einzigartigen „Wilden Jagd“ aus nächster Nähe ansehen? Oder den zweitgrößten Ammoniten der Welt? Oder den mechanisch betriebenen Nachbau eines Marmorbruches im Glaskasten?
Eine Führung ist dringend anzuraten, denn die „Insider-Informationen“ aus erster Hand sind noch spannender. Der über 90-jährige Martin Leitner, der Museumsgründer, gab eine Sonderführung und seine Begeisterung über die Geschichte und Besonderheiten der Gegend sprang sofort auf den Besucher über! So erfuhr man auch, dass der kleine Wolfgang Amadeus Mozart hier bei der Kugelmühle im Sand Notenlinien zog und mit den kleinen Marmorkugeln Noten darin setzte! Was für ein bezauberndes Geschichtsdetail!!!

Ein informativer, schöner Nachmittag und ich freue mich schon auf das nächste Event, das am Freitag, dem 22. November 2019 um 19 Uhr stattfinden wird: Die Sagenlesung mit der Untermalung durch Harfenmusik.

Siehe auch unter: https://www.meinbezirk.at/flachgau/c-lokales/marmorkugeln-aus-dem-bunten-gestein-des-geheimnisvollen-untersberges_a3383697

Autor:

Tatjana Rasbortschan aus Flachgau

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