13.07.2016, 09:24 Uhr

Geschichte lebendig gemacht.

Gedenktafel an der Herrnhubkapelle
Thalgau: Enzersbergerstraße | Es ist dem Thalgauer Bildungswerkleiter DDr. Bernhard Iglhauser zu verdanken, dass er durch seine Forschungsarbeit gerade zum Anlass der 25. Thalgauer Bildungswoche sowie zum Landesjubiläum „200 Jahre Salzburg bei Österreich“ das beinahe vergessene, aber bedeutende Geschehnis von der letzten Enthauptung durch den Salzburger Scharfrichter Franz Joseph Wohlmuth ins Licht gerückt hatte.

Am 9. Juli 1812 wurde der 45 jährige Schreinermeister Joseph Sebastian Müller wegen des Mordes an der Krämerin Anna Willmoser in Thalgau mit dem Schwert hingerichtet.

Und abermals an einem 9. Juli, diesmal im Jahr 2016, wurde das einstige Ereignis bei der Herrnhubkapelle in Thalgau, nahe des damaligen Schauplatzes szenisch nachgespielt. Es hatte sich am Abend zahlreiches Publikum eingefunden, als der Bezirkshauptmann Mag. Reinhold Mayer zuerst in seiner sehr beachteten Gedenkrede auf die große historische Bedeutung des Ereignisses hinwies.

Der Wechsel von Habsburgischen Strafrecht von 1803 zum zum „Allgemeinen Strafgesetzbuch durch das Königreich Bayern“ hatte eine Wende in der Strafgesetzgebung eingeleitet. Für die Enthauptung war allerdings noch das habsburgische Strafrecht in Kraft. Es dürfte allerdings für den Deliquenten wenig von Trost gewesen sein, dass die Todesart von einem Obergericht vom Strang in das angeblich mildere Schwert abgewandelt worden war.

Das Protokoll berichtet, dass für die Hinrichtung zur „guten Sichtbarkeit und Abschreckung der Bevölkerung“ eine Holzbühne errichtet wurde. Todesurteil und Verkündung waren im 500 Exemplaren gedruckt und billig an das Volk verkauft worden. Überdies hatte man von Salzburg und Neumarkt Kordonisten (Gendarmen) angefordert, „um die nötige Sicherheit und Ordnung während der Exekution handhaben zu können“.

Der Verurteilte hatte trotz Vorhandensein eines Wagens seinen letzten Weg zu Fuß angetreten und noch kurz um Verzeihung gebeten. Es bewirkt heutzutage wenig Bewunderung, wenn der Vollzug der Enthauptung durch den Scharfrichter Wohlmuth als “mit vorzüglicher Schnelligkeit und Gewandtheit“ beschrieben wurde.

Beim Gedenkabend wurde sodann in ritueller Form der Urteilspruch durch Herbert Sommerauer vom Theater Thalgau eindrucksvoll verlesen bis dann bei schon eintretender Dämmerung ein immer stärker werdender Trommelwirbel den einstigen Vollzug der Hinrichtung erahnen ließ.

Zur Erinnerung an das damalige Geschehen wurde an der Hauskapelle des Herrnhubgutes eine Gedenktafel angebracht, welche bei der Gedenkfeier vom Bezirkshauptmann Mag. Reinhold Mayer enthüllt wurde.

Alles in allem eine Veranstaltung, die in höchst würdiger Form den Intentionen Bildungwoche und Landesjubiläum gerecht wurde.
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Franz Fuchs aus Flachgau | 14.07.2016 | 14:18   Melden
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