Bezirk Gmünd
Saison für Jäger und Treiber

Im Bezirk Gmünd gibt es 711 Jäger. Einige davon waren vor drei Wochen bei der Treibjagd in Dietmanns mit dabei.
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  • Im Bezirk Gmünd gibt es 711 Jäger. Einige davon waren vor drei Wochen bei der Treibjagd in Dietmanns mit dabei.
  • Foto: Jägerschaft Bezirk Gmünd
  • hochgeladen von Bettina Talkner

Jedes Jahr werden im Bezirk Gmünd rund 16 Treib- und Riegeljagden veranstaltet. Eine Bestandsaufnahme.

BEZIRK. Für die einen sind sie Inbegriff der Schießwut, für die anderen sind sie Tradition und natürliche Bewirtschaftung des Wildbestandes. Im Bezirk Gmünd ist die Zeit der Treibjagden angebrochen – und das Thema polarisiert die Bevölkerung. Die Bezirksblätter versuchen das Phänomen nüchtern zu analysieren.

Bereits drei Treibjagden

An einer Treibjagd, von denen es im Bezirk Gmünd in der Regel acht im Jahr gibt, nehmen im Normalfall 20 bis 25 Jäger teil. Die Zahl der Treiber variiert stark. Ihnen kommt dabei die Aufgabe zu, das Wild den Jägern zuzutreiben, die es dann erlegen. In den meisten Fällen wird bei der Treibjagd Niederwild, insbesondere Feldhasen, Fasane und Stockenten sowie Raubwild, wie Fuchse, Dachse und Marder, bejagt. Drei solcher Jagden hat es in dieser Saison im Bezirk Gmünd bereits gegeben. In Unterlaimbach wurden dabei 15 Hasen, in Groß-Höbarten sogar 18 erlegt. "Das haben wir die letzten Jahre nicht erreicht", so Bezirksjägermeister Ernst Strasser.

Wolf beeinflusst Schwarzwild

Was für den Laien nach Treibjagd aussieht, muss nicht immer eine sein. Auch bei der Riegeljagd kommen, wenn auch in geringerer Anzahl, Treiber zum Einsatz. Dabei wird allerdings mit Kugelmunition und nicht mit Schrot geschossen, und die Treiber gehen nur langsam durch das Revier. Auch diese Methode kommt im Bezirk etwa acht Mal jährlich zur Anwendung, wobei dabei in der Regel Schwarzwild gejagt wird. Vor allem wenn Schnee liegt und der Aufenthaltsort der Wildschweine leicht ausfindig gemacht werden kann. "Das Schwarzwild macht heuer so viele Schäden, das ist nicht mehr erträglich. Es gibt heuer furchtbar viele Eicheln und durch den Einfluss des Wolfes schließen sich die Wildschweine auf relativ große Rotten zusammen. Das sind Rotten von 20 bis 30 Stück. Wenn die irgendwo zehn Minuten wühlen, ist die Wiese ein Acker", hofft Strasser auf günstige Bedingungen. 1.053 Wildschweine wurden bei uns im Vorjahr erlegt.

Sicherheit ist alles

Während Jagdgegner von einer "besonders grausamen Form der Jagd" sprechen, bezeichnet sie der Niederösterreichische Landesjagdverband als schonend. Da Wildtiere sehr scheu sind, ist eine Treibjagd die einzige Möglichkeit, um diese nur mit einer einmaligen Störung in ausreichender Anzahl erlegen zu können. Nicht selten sind dabei in der Vergangenheit Unfälle passiert. Auch im Bezirk Gmünd, wo 2005 ein 37-jähriger Jäger bei einer Wildentenjagd im Gemeindegebiet von Wielings tödlich getroffen wurde. 2013 wurden die Vorschriften verschärft. Alle Jagdteilnehmer müssen durch Signalbänder, Signaljacken oder Signalwesten gekennzeichnet sein. "Und der Jagdleiter schaut, ob das freiwillige Übungsschießen in der Jagdkarte eingetragen ist. Man achtet sehr darauf, dass jeder Teilnehmer im Umgang mit einer Waffe vertraut ist. Es wird auch klargestellt, dass kein Alkohol getrunken werden darf", betont Ernst Strasser.

Sicherheitstipps für Waldbesucher

Bei einer Treibjagd wird mit Schrot geschossen. Der Sicherheitsabstand beträgt hierbei 300 bis 350 Meter. Das entsprechende Gebiet wird von Jägern umstellt, die Spaziergänger, Freizeitsportler und Anrainer gegebenenfalls auf die Jagd hinweisen werden. Bei einer Riegeljagd verwenden die Jäger hingegen Kugelmunition. Der Sicherheitsabstand fällt mit zwei bis drei Kilometern deutlich größer aus. Deswegen werden in betroffenen Bereichen Warntafeln oder Gefahrenzeichen aufgestellt. "Befristetes jagdliches Sperrgebiet, betreten verboten", ist darauf zu lesen. Sollte sich dennoch eine jagdfremde Person in ein betroffenes Gebiet „verirren“, wird die Jagd unterbrochen. Deshalb wird angeraten, sich etwa durch Rufen sofort erkennbar zu machen, wenn man ungewollt in eine Treib- oder Riegeljagd geraten sollte.

Bezirksjägermeister Ernst Strasser im Kurzinterview

Mancher meint, dass es sich bei Treibjagden um eine besonders grausame Form der Jagd handle. Was sagen Sie dazu?
Ernst Strasser:
"Das Wild wird oft aufgescheucht durch Holzarbeiten etc. Und das ist bei der Riegel- oder Treibjagd auch so. Das Wild wird hochgemacht, es verlässt seinen Einstand und wenn es nicht unbedingt Pech hat, wird es durch einen guten Schuss erlegt, wo es nicht einmal den Knall hört. Bei den Ausnahmen, wo der Schuss nicht so gut sitzt, wird alles in Bewegung gesetzt, um es relativ rasch zu erlösen. Wir haben immer sehr gute Hunde dabei, die das Wild dann aufspüren. Das Wildtier hat bis zu seinem Ende ein freies Leben und kann sich sein Fressen aussuchen."

Und was ist der Sinn und Zweck?
Ernst Strasser: "Eine Riegeljagd wird auf jeden Fall gemacht, um beim Schwarzwild die Bestände zu reduzieren. Wir schießen jedes Jahr auch 1.400 Füchse. Man kann sich ausrechnen, wo das hinführen würde, wenn wir diese Füchse nicht entnehmen würden. Dann können Krankheiten kommen, die alles wieder zurückwerfen, und ob das (Anmerkung: bezüglich Ansteckungsgefahr) für die Haustiere gut ist, ist eine andere Frage. Eine Treibjagd auf Feldhasen, Fasane und Stockenten ist eher ein gesellschaftliches Ereignis. Die Jagd soll auch Spaß machen. Die Arbeit und das Finanzielle stehen ganz oben, aber es soll auch jagdliche Freuden geben. Dazu stehen wir."

Infoveranstaltung

Am 30. Nov. um 19 Uhr lädt die Bezirksgeschäftsstelle des Landesjagdverbandes Nicht-Jäger und Jäger zur Infoveranstaltung "Rund um die Jagd" ins Palmenhaus.

Im Bezirk Gmünd gibt es 711 Jäger. Einige davon waren vor drei Wochen bei der Treibjagd in Dietmanns mit dabei.
<f>Ernst Strasser</f> ist seit fünf Jahren Bezirksjägermeister.

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