Fehlende Erntehelfer
Freiwillige erfüllen die Anforderungen kaum
- Für das Pflanzen, die Pflege und das Ernten von rund 40 verschiedenen Obst- und Gemüsesorten braucht es am Biohof Achleitner vielseitig einsetzbare Kräfte mit Erfahrung im Gemüsebau oder der Landwirtschaft.
- Foto: Biohof Achleitner
- hochgeladen von Christina Gärtner
Der Corona-Virus ändert nichts am Rhythmus der Landwirtschaft. Doch er verhindert, dass die bewährten Helfer aus EU-Staaten und darüber hinaus die Obst- und Gemüseproduzenten unterstützen können.
BEZIRKE GRIESKIRCHEN, EFERDING. Es ist Erntezeit für Spargel, frischen Salat und Radieschen. Auch die Pflanzsaison für Erdbeeren, Paradeiser, Zwiebel und Kürbis ist gestartet. Die Obst- und Gemüsebauern der Region kämpfen mit dem Ausfall der bewährten Arbeitskräfte, die sie teilweise über viele Jahre auf den Feldern unterstützen. Welche Lösung es hier geben wird, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. „In den letzten Tagen hat sich so viel verändert, dass es nicht leicht ist, auch nur wenige Tage in die Zukunft zu schauen“, ist Stefan Hamedinger, Geschäftsführer des Verbandes der Obst- und Gemüseproduzenten OÖ, vorsichtig mit Prognosen. Laut Hamedinger waren in vielen Betrieben Arbeitskräfte aus dem Kosovo und der Ukraine im Einsatz. Für sie ist der Weg ebenso abgeschnitten wie für Helfer aus den EU-Ländern Polen, Rumänien, Bulgarien, Tschechien, Slowenien oder der Slowakei. „Aufgrund der guten Witterung ist ein kleiner Teil der Arbeitnehmer früher gekommen. So konnte die Pflanzarbeit bei Salaten und Frühkraut halbwegs erledigt werden“, schätzt Hamedinger, dass in Eferding und Grieskirchen rund 150 Arbeiter tätig sind. „Wenn die bewährten Stammkräfte nicht einreisen dürfen, werden große Betriebe die Handbremse ziehen. Etwa durch eine Umstellung bei der Bewirtschaftung der Felder auf Kartoffeln, Rote Rüben oder Karotten. „Ich bin dafür, dass man Stammkräfte auf Land- oder Zugkorridor ins Land bringt mit anschließender Quarantäne. Wenn Menschen, die die gesamte Saison zusammen leben und gemeinsam auf den Feldern arbeiten, auf einem Hof sind halte ich es für ungefährlicher als ständig wechselnde Helfer von außerhalb“, so der Interessenvertreter der Obst- und Gemüsebauern OÖ.
Kein 9 to 5-Job
Der Eferdinger Manuel Berger hat gemeinsam mit Michael Jahn ein Video gedreht, um Studenten für die Idee zu begeistern, wie sie selbst in der Landwirtschaft tätig zu werden. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus hat gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Österreich und der Wirtschaftskammer Österreich eine Suchplattform eingerichtet für Arbeitskräfte für den Lebensmittelbereich. Auf der Plattform www.lebensmittelhelfer.at haben sich über 2000 freiwillige Helfer und 40 Betriebe ihren Bedarf angemeldet (Stand 9.4.). „Tatsächlich konnten vermutlich keine 100 Freiwillige vermittelt werden, da die Rahmenbedingung nicht gepasst haben. Oder sich gezeigt hat, dass die romantische Vorstellung von der Landwirtschaft nicht vereinbar ist mit den Anforderungen an die Arbeiter“, thematisiert Hamedinger die falsche Einschätzung, wie viel Arbeit in den Produkten der heimischen Landwirtschaft steckt. Die Beerenplantage der Familie Mayer, vulgo Grubmühle, in Eferding, hat auf der Plattform den Bedarf von 25 Arbeitskräften angemeldet. Die Suche blieb bisher ergebnislos. „Es gibt sicher sehr willige Lebensmittelarbeiter, aber ich brauche Personal, das Vollzeit sechs bis acht Wochen konstant, freiwillig und gerne durchhält, allwettertauglich ist und die körperlich anstrengende Arbeit schafft“, so Dietmar Mayer über die hohen Anforderungen. Aktuell arbeitet das Ehepaar Mayer mit den drei Kindern auf den Feldern und bekommt Unterstützung durch zwei ukrainische Erntehelfer. „Ohne geeignetes Personal wird es heuer keine Früchte in den Geschäften geben“, prognostiziert Mayer auf Basis der aktuell gültigen Bestimmungen.
Vollzeitkräfte mit Erfahrung
Am Biohof Achleitner wird die Landwirtschaft mit einer kleinen Stammmannschaft, unterstützt von Saisonarbeitskräften aus dem Kosovo und aus Polen, die vor Mitte März eingereist sind,
bewerkstelligt. Hier wurden über das eigene Netzwerk und persönliche Kontakte der bestehenden Arbeitskräfte ausreichend Ersatz für die nötigen Arbeiten bis etwa Juni gefunden. „Wir bauen jährlich rund 40 verschiedene Obst- und Gemüsesorten an. Aufgrund unserer vielen verschiedenen Kulturen benötigen wir generell erfahrenere und vielseitig einsetzbare Kräfte mit Erfahrung im Gemüsebau“, erklärt Marketingleiterin Stefanie Kleiser, warum sie hofft, dass die Stammkräfte aus dem Kosovo und Bosnien, die teilweise seit über 20 Jahren mitarbeiten, bald einreisen dürfen. Auch für die Arbeiter selbst, da diese zu Hause ihre Familien versorgen und diese auf das Einkommen angewiesen sind. „Sollte es nicht klappen nehmen wir Bewerbungen von Arbeitskräften mit Erfahrungen im Gemüsebau oder der Landwirtschaft gerne an“, sind laut Kleiser Vollzeitarbeitskräfte für mindestens sechs Monate ideal. Auf sie warten Pflege-, Pflanz- und Erntearbeiten der verschiedenen Kulturen. Für die heurige Saison erwartet man am Biohof Achleitner einen gesteigerten Bedarf an heimischer Ware und regionalem Obst und Gemüse in Bioqualität vor allem durch Private. Sollte die Trockenheit anhalten wird das Gemüse teilweise anfälliger für Schädlinge, was in der Biolandwirtschaft eine besondere Herausforderung darstellt.
Große Solidarität
Am Spargel- und Biohof Berner in Eferding sind Familienmitglieder und Freunde eingesprungen, um die fehlenden Arbeitskräfte zu ersetzen. „Es haben sich einige Personen gemeldet, doch aus den verschiedensten Gründen können wir im Sinne des Betriebes keine Notarbeitskräfte einsetzen“, erfüllt laut Josef Berner kaum jemand die Erfordernisse hinsichtlich Produktivität, Ausdauer, Beschäftigungsdauer oder körperliche Eignung. Der Bio-Landwirt ist dankbar für die große Solidarität in der Bevölkerung, betont aber: „Wir brauchen unsere seit Jahren im Betrieb tätigen und im landwirtschaftlichen Bereich erprobten Fachkräfte so schnell wie möglich bei uns, damit sie ihren seit Jahren herausragenden Teil zur heimischen Grundversorgung weiterhin erbringen können. Als Bio-Betrieb ist es auch ein Muss, weiterhin einen hohen Qualitätsstandard zu bieten.“ Auf den Ausfall der Gastronomie als Abnehmer wurde die Produktion entsprechend angepasst. „Wir liefern seit einigen Wochen Bio-Obst- und Gemüsekistln im Zentralraum Oberösterreich aus. Noch sind diese Liefertouren zwar wirtschaftlich unrentabel. Aber wir verstehen es als unseren Auftrag als Nahversorger, die Bevölkerung nicht im Stich zu lassen“, betont Josef Berner.
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