Interview mit Maria Pachner
Von Erfahrungen und frischem Wind

Für Pachner geht es in die dritte Amtsperiode.
  • Für Pachner geht es in die dritte Amtsperiode.
  • Foto: Christoph Koch
  • hochgeladen von Susanne Straif

Maria Pachner wurde zum dritten Mal zur Grieskirchner Bürgermeisterin gewählt. Ein Interview.

GRIESKIRCHEN. Seit mittlerweile zwölf Jahren bekleidet Maria Pachner das Amt der Bürgermeisterin in der Bezirkshauptstadt Grieskirchen. Aus der damaligen Quereinsteigerin wurde eine politische Amtsträgerin, die auch in der kommenden Legislaturperiode mit ihren Erfahrungen bei den Grieskirchnern punkten will. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, ihren Führungsstil und Themen, die in den nächsten Jahren anstehen werden.

Frau Pachner, Sie sind schon seit zwölf Jahren Bürgermeisterin. Wie wollen Sie auch in der kommenden Periode frischen Wind in die Gemeindepolitik bringen?
Pachner: Der frische Wind ist durch mein Team, bestehend aus vielen jungen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten, zum Ausdruck gekommen. Auch die Kooperation mit den anderen Fraktionen wird frischen Wind bringen, immerhin gab es auch dort Verjüngungen. Ich bin zwar die Älteste im Team, kann dafür aber durch meine Erfahrung punkten. Außerdem nehme ich für mich in Anspruch, dass ich im Geist noch jung geblieben bin. Ich umgebe mit gerne mit jungen Leuten und kann etwa die Situation von jungen Eltern besser verstehen, weil ich Kinder und Enkelkinder habe. Ich denke mich gerne in andere Lebenswelten und hole mir Meinungen ein. Als Bürgermeisterin muss ich nämlich nicht immer allein kreativ sein.

Wie gehen Sie das Amt an? Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Mein Führungsstil ist sicher ein fordernder. Ich habe sehr hohe Ansprüche an meine Person und verlange daher auch viel von allen, die mit mir arbeiten. Und das nicht, weil ich sie ausbeuten möchte, sondern weil ich schlicht so einen starken Antrieb habe. Grundsätzlich versuche ich, Situationen ganzheitlich zu betrachten, gerecht zu sein und verbindend zu wirken. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht auch Klartext reden kann – auch basierend auf den Erfahrungswerten, die ich aus den letzten zwölf Jahren mitnehmen konnte.

Woher rührt Ihr Antrieb?

Ich bin nach all den Jahren noch immer gerne Bürgermeisterin, weil es das schönste politische Amt ist. Man wird direkt vom Volk legitimiert, und das Spektrum, in dem ich wirken kann, ist ein sehr großes. Es gibt so viele Hebel, mit denen ich – im Rahmen meiner Möglichkeiten – etwas für die Stadt und die Grieskirchner bewegen kann. Schlussendlich ist es aber auch der Zuspruch aus der Bevölkerung und die breite Unterstützung, die ich durch meine Familie erfahre. Mein Team und die Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich bisher zusammengearbeitet habe, motivieren mich auch. Dass sich mittlerweile einige aus ihren politischen Ämtern verabschiedet habe, hat mich deshalb auch getroffen, auch wenn es "part of the game" ist.

Zunehmend ist von einer Spaltung der Gesellschaft durch unterschiedliche Ansichten, was die Coronapandemie betrifft, die Rede. Lässt sich das im Gemeinderat wahrnehmen?
In Grieskirchen ist das kein Thema, und das finde ich sehr schön. Nach der konstituierenden Sitzung mussten wir leider feststellen, dass wir eine positive Teilnehmerin hatten, die an demselben Tag aber noch negativ getestet worden war. Beim Contact Tracing sind wir der Bezirkshauptmannschaft zur Seite gestanden – alle Fraktionen haben bereitwillig dabei mitgeholfen und waren sehr kooperativ. Zumindest augenscheinlich gibt es also keine großen Diskrepanzen.

Die Landesregierung stand zuletzt in Bezug auf die Coronamaßnahmen – zu spätes Reagieren, (Teil)Lockdown – in der Kritik. Tragen Sie die Entscheidungen der ÖVP mit oder distanzieren Sie sich davon?
Ich habe natürlich immer meine eigene Meinung und halte damit auch nicht hinter dem Berg. Zu den Entscheidungen der Landesregierung kann ich aber klar sagen: Ich habe mir sehr gewünscht, dass diese Schritte, die der Landeshauptmann heute (Stand 18. November) gesetzt hat, gesetzt werden, aber ich hätte sie mir früher gewünscht. Generell wünsche ich mir von all unseren Entscheidungsträgern, dass sie in Phasen wie diesen Abstand nehmen von der Parteipolitik, gemeinsam für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger da sind und die bestmögliche Lösung erarbeiten. Parteipolitisches Hickhack hat jetzt überhaupt keinen Platz.

Zurück nach Grieskirchen: Welche Projekte stehen in der kommenden Periode an?
Es gibt neben der "normalen" Arbeit im Gemeindealltag einige Schwerpunkte, darunter das Veranstaltungszentrum Manglburg. Die Grieskirchner sollen wieder ein Veranstaltungszentrum vorfinden, das einer Bezirksstadt würdig ist. Auch das Thema Westzufahrt, das mich mittlerweile das 13. Jahr beschäftigt, nehmen wir jetzt in Angriff, weil endlich der Sicherheitsgedanke verfolgt werden muss. Außerdem müssen wir bei allen Planungen Grün mitdenken, also mehr Grünflächen in die Stadt bringen.

Im Stadtzentrum gibt es einige Leerstände, und manche Unternehmer beklagen geringe Kundenfrequenz. Wie kann und soll die Innenstadt belebt werden?
Wir müssen als Stadt noch aktiver werden – und das natürlich in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsbund, dem Stadtmarketing und den Hausbesitzern der leer stehenden Geschäfte. Es kann nur gemeinsam gehen, und da gehören auch Vereine und Firmen dazu. Bei der Innenstadtentwicklung muss man außerdem die junge Generation, die gerne im Internet kauft, berücksichtigen und deren Bedarf mitdenken. Antworten auf die Frage zu finden, wie man als regionaler Nahversorger auf das Einkaufsverhalten der Jungen reagieren kann, ist hoch kompliziert. Da werden wir vielleicht auch mal fremde Hilfe von Experten in Anspruch nehmen müssen. Es muss auf jeden Fall ein großer Schulterschluss zwischen allen relevanten Akteuren werden. Aktuell habe ich noch kein passendes Rezept – wenn ich das hätte, wäre ich vermutlich schon schwerreich.

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