Ein besonderes Danke an Imst
Bosnischer Abend mit Musik, Literatur, Tanz und Erinnerung berührte und bewegte

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IMST(alra). Was als Einladung zu einem „Bosnischen, bunten Abend mit Musik, Literatur, Erinnerung und Tanz" ¬ angekündigt war, erwies sich am 15. Juni im vollgefüllten Imster Stadtsaal als berührende Begegnung von Menschen, Kulturen und Schicksalen. Der ArtClub Imst hat in Kooperation mit dem Integrationsbüro der Stadt Imst, dem Museum im Ballhaus sowie unterstützt durch die Stadtgemeinde Imst und Andrea Bubik-Schöpf die Veranstaltung organisiert. Den anregenden Impuls lieferte die in Imst lebende und aus Bosnien stammende Musikpädagogin Dina Krilić. Ihr Wunsch war es „Ein Danke an Imst" auf besondere Art und Weise zum Ausdruck zu bringen.

Ein Danke, dass sich an all jene richtet, die im entscheidenden Moment die Not von Menschen erkannt haben und anstelle von ablehnender Skepsis mit natürlicher Empathie und Hilfe reagierten. Als Anfang der 90er der Bosnienkrieg wütete, verloren unzählige Menschen ihr Leben, viele verloren ihr Zuhause und mussten im Angesicht von brutalster Gewalt und höchster Lebensbedrohung ihre Heimat verlassen. Die verzweifelte Suche nach Schutz und Zuflucht führte damals 30 Familien aus Bosnien-Herzegowina nach Imst. Und Imst reagierte auf diese Menschen auf der Flucht aus heutiger Sicht auf rasche und unkomplizierte Art. Die Hilfe erfolgte klar und das Handeln von Politik und Bevölkerung bezog sich in erster Linie auf humanitäre Werte.

Imst – IMSTande sein zu bewegen und bewirken

Wilfried Schatz moderierte den bosnischen Abend und der Wortkünstler brachte mit seiner jüngsten Wortkreation "IMSTANDE" die kleinen und großen entscheidenden Gesten, die vor mehr als 25 Jahren von vielen Imstern geleistet wurden auf den Punkt. Die Oberländer Gemeinde war imstande vielen Menschen, deren Zuhause sich zum verheerenden Kriegsschauplatz entwickelt hatte, einen Ort zum Wohnen und Arbeiten, aber noch viel mehr einen Ort der Sicherheit, mit dem Anspruch auf Perspektive und der Hoffnung auf Leben zu geben.

Grußbotschaft des Bundespräsidenten

Aus terminlichen Gründen nicht live, aber mittels Videobotschaft meldete sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu Wort. Der vorbildlichen Offenheit, Menschlichkeit und Solidarität mit der in Imst während des Bosnienkrieges die gelungene Integration von 30 Familien stattfinden durfte, lobte Van der Bellen besonders. „Ich bin in Gedanken bei Ihnen, denn Österreich das sind wir alle und Imsterinnen und Imster ganz besonders. Dankschian Imscht – in diesem Sinn herzliche Grüße und einen gelungenen bosnischen Abend", so der Bundespräsident.

Hoffnung und Perspektive

Auch Dina Krilić kam im August 1992 mit ihrem durch einen mit Sprengstoffgürtel bewaffneten Heckenschützen schwer am Kopf verletzten Sohn Denaj und der Hoffnung auf medizinische Hilfe nach Tirol. Die Hilfsaktion für den 1990 geborenen Denaj wurde damals durch Unicef ermöglicht. Dina Krilić begann bereits im Dezember 1992 in Imst zu arbeiten. Bis Juli 1992 unterrichtete sie 12 bosnische Kinder in allen Fächern. Dann übernahm sie die Aufgabe für die Musikschule im Ötztal und im Pitztal Geigenklassen aufzubauen. Dina Krilić startete mit 13 Schülern und nach vier Jahren durfte die ambitionierte Lehrerin bereits rund 50 Schüler im Unterricht betreuen. Edo Krilić, ebenfalls Musiker musste in Sarajevo bleiben, er konnte erst zwei Jahre später nachkommen.

Kultur verbindet und bewegt

Was Imst damals in einer gewissen Selbstverständlichkeit ermöglichte, war ein beispielhafter Akt an Solidarität und Menschlichkeit und damit ein großer Schritt in Richtung gelungener Integration. Im Rahmen der Veranstaltung erfolgte ein Blick zurück – neben den traumatischen Erinnerungen, standen auch die positiven Entwicklungen, die gelungenen gemeinsamen Bemühungen, der menschliche und kulturelle Austausch im Vordergrund. Zum Auftakt spielte eine große Streichergruppe – Dina Krilićs Schüler der LMS Ötztal unterstützt durch zwei Celli der LMS Mittleres Oberinntal und Renate Eberlein am Kontrabass. Musikalisch wurde der weitere Abend durch den Salon Balkan gestaltet. Edo Krilić am Akkordeon zählt zu den herausragenden musikalischen Größen weit über den Balkanraum hinaus. Der Instrumentalist, Komponist und Musikpädagoge hat gemeinsam mit seiner Frau Dina, die eine hervorragende Violinistin ist, den Salon Balkan gegründet. In Imst trat die Formation mit Schlagzeuger Nasko Budimlić und Sänger Omer Livnjak auf und begeisterte mit leidenschaftlich virtuos vorgetragenen Stücken aus dem Balkan und dem Bereich Weltmusik. Denaj Krilić verstärkt die Gruppe üblicherweise am Bass, der junge Musiker war verhindert. Er steht aktuell vor dem Abschluss seines Studiums am Konservatorium in Klagenfurt, wie Mutter Dina Krilić stolz wissen ließ. Als Spezialgast begleitete der bekannte Tiroler Musiker Franz Posch die Gruppe. Posch setzte sich vor Jahren für die berufliche Vernetzung von Edo Krilić in Tirol ein, seither verbindet ihn eine musikalische und persönliche Freundschaft mit der Familie Krilić. Einfühlsame Literaturbeiträge bereicherten den Abend. Jovica Letićs Texte, vorgetragen durch seine Frau Mara Letić-Geljić, Annemarie Regensburger und Elisabeth Mehlmann schafften in ihren Texten Raum für große emotionale Bilder, die aus den Ereignissen und Begegnungen rund um die Traumen des Krieges und die Neuanfänge in Imst entstanden sind. Tief beeindruckend waren die mit Visuals untermalten Auszüge aus dem Stück „Nullmensch" von Jovica Letić. Aus der heimischen Musikerszene bewirkte 1994 Christoph HOT! Heiß mit einem Benefizkonzert seiner damaligen Band Orgifista große Hilfe für die Familie Krilić. „Orgifista" spielten mit dem Konzert einen Betrag ein, mit dem Edo Krilić und seine Kollegen des Rundfunkorchesters in Sarajevo Brennholz für den unerbittlichen Winter mit Temperaturen bis zu minus 21 Grad besorgen konnten. Christoph Heiss präsentierte ein Video mit Erinnerungsfotos von „Orgifista" und der Familie Krilić und lieferte zum eingespielten „Lovesong" der Band die Live-Performance am Saxophon.

Erinnerung und Neubeginn

Erna Halilović-Mujagić und Esmir Mehmedović, die damals als zehn- bzw. vierjährige in Imst ein neues Zuhause fanden, erzählten vom schnellen Anschluss, der damals möglich war. Sofortiger Einstieg in die Schule, rasches Erlernen der Sprache und das Gefühl dazuzugehören und sich nicht als isolierte Gruppe zu verstehen, halfen über viele ohnehin nicht zu bewältigende Spuren des Krieges hinweg. Mittlerweile stehen beide fest im Berufsleben, Erna zählt zum Team der Sparkasse Imst und Esmir ist promovierter Wirtschaftsinformatiker.

Nachhaltiges Engagement auf allen Ebenen

Soziallandesrätin Gabriele Fischer war der Einladung zum bosnischen Abend nach Imst gefolgt. Sie gratulierte den Imstern zu den aus menschlicher Sicht logischen Schritten, die Anfang der 90er im Umgang mit Menschen auf der Flucht gesetzt wurden. „Vieles kann so einfach sein, wenn man die Herzen öffnet", so Landesrätin Fischer. Die Problemstellung und die Anliegen sind heute wie damals aktuell, die Art der Abwicklung hat sich entscheidend geändert. Bürgermeister Stefan Weirather kehrte in seinen Worten die Notwendigkeit von gemeinsamen Bestrebungen hervor, wenn es darum geht Menschen auf der Flucht zu helfen. Das Thema ist aktuell und in der Stadt Imst ist man um Integration und sozialen Frieden entscheidend bemüht. Für Altbürgermeister Manfred Krismer, war es Anfang der 90er wesentlich einfacher Dinge im notwendigen Moment mehrheitlich umzusetzen. Im Wesentlichen habe man damals nicht viel mehr gemacht, als Hilfe geschehen zu lassen und sie nicht zu verhindern. Ivka Berghammer, die als Übersetzerin viel Hilfestellung bot, blickte auf die große Unterstützung zurück, die von vielen Unternehmern gekommen ist. Auch das Ehepaar Niederbacher berichtete vom bereichernden Entschluss, Arbeitsplätze in der eigenen Schlosserei zur Verfügung zu stellen und damit Existenzen zu sichern. Sebastian Wildbichler, ehemaliger Direktor des SOS-Kinderdorfes in Imst erzählte von bosnischen Familien, die 1992 als Gast gekommen sind, bald zu Nachbarn und wertvollen Mitarbeitern wurden. Brigitte Flür, die zu dieser Zeit als Stadträtin in ihrer Zuständigkeit stark gefordert war, erinnerte bewegt und dankbar an den starken Zusammenhalt und die weitreichende Hilfsbereitschaft.

Ein Abend großer Emotionen

Dina Krilić schloss den Abend mit sehr bewegenden persönlichen Worten, die den Schrecken des Krieges und die Verzweiflung von Menschen auf der Flucht immerhin als Ahnung unter die Haut des Publikums kriechen ließen. Dankbar für alles was ihr in ihrer zweiten Heimat an Gutem begegnete, betonte sie: "Es ist nicht wichtig wo man lebt, sondern mit wem man lebt. Und ich lebe mit euch – Danke!" Auch die rund 300 Gäste im Imster Stadtsaal sagten „Danke" zu einem Abend der Herzlichkeit und der großen Gefühle.
Gegen Mitternacht betrat die Folklore-Tanzgruppe„ Behar" aus München mit Akkordeonbegleitung die Bühne. Die Jugendlichen durften sich bald über Verstärkung aus dem begeisterten Publikum freuen und der gelungene Abend, der von kulturellen und emotionalen Highlights getragen war, klang sichtbar und symbolisch in vielen gemeinsamen Schritten aus – in Schritten, die Menschen spürbar aufeinander zu bewegten.

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