Pradler Saggen
Innsbrucks Geisterhäuser - Fotogalerie

Keine Filmrequisite sondern täglicher Anblick im Pradler Saggen.
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  • Keine Filmrequisite sondern täglicher Anblick im Pradler Saggen.
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 Neues trifft auf Altes. Leben auf Leerstand. Der Pradler Saggen ist im Umbruch. Vereinzelt sind die geplanten Abbruchhäuser noch bewoht. Leerstehende Wohnungen und besondere Momentaufnahmen prägen das Bild.

INNSBRUCK (hege). 2015 präsentierte die Neue Heimat Tirol, die Pläne das Geviert Prinz-Eugen-Straße, Kärntner-, Fenner- und Reichenauerstraße mit den in den 40er-Jahren erbauten Häusern der dortigen Südtiroler Siedlung zum Großteil abzureißen und durch neue Wohnungen zu ersetzen. Aus 205 alten sollen über 500 neue Wohnungen werden. Die westlich des Pradler Saggen gelegenen Südtiroler Wohnungen (Prinz-Eugen-Straße 63, 65, 67, 71, 73, 75, 79, 81; Oswald-Redlich-Straße 1) sollen saniert werden.  Alle restlichen Gebäude würden Schritt für Schritt abgesiedelt.

Kartenauschnitt

Die Aufnahmen zeigen den alten Bestand des Pradler Saggen.

Zwei Bauabschnitte fertig

Als erster Bauabschnitt wurde in der Oswald Redlich Straße eine Wohnanlage mit 57 Mietwohnungen, einer Arztpraxis und Tiefgarage übergeben. In Pradler Saggen 1 und 3 wurden 33 Mietwohnungen samt Tiefgarage fertiggestellt. Bis Ende 2026 sollen am bestehenden Areal bis zu 500 neue Wohnungen errichtet werden. Die NHT investiert 75 Mio. Euro. Die Basis bildet der Siegerentwurf der Innsbrucker Architektin Silvia Boday.

Lampenschirm, Bettgestell, Möbel im halbabgerissenen Haus. Einblicke in den Lebensalltag der Menschen beim Rundgang durch das Pradler Saggen Geviert.

Geschichtliches

Die Stadtteile Pradl, Saggen und zum Teil auch die Reichenau, blicken auf eine sehr lange und bewegte Historie zurück. Von den ersten Erwähnungen um 1288 (als owe daz amras – Amras) und 1173-1182 (in predele – Pradl) bis hin zu dem wohl wichtigsten Aspekt des Städtebaus – der Siedlungsbau, in weiterer Folge die Errichtung der Südtiroler Siedlungen. Beide Staddteile, Pradl als auch Saggen, erleben in der Zeit zwischen 1920 und ca. 1945 ihre größten Veränderungen. Pradl wurde durch die Anschließung an das Straßenbahnnetz 1911 eine der beliebesten Wohngegenden im damaligen Innsbruck.

Die Zeit rund um den zweiten Weltkrieg ist bekannt in Innsbruck als die totale Bauphase, was nicht nur die Zahlen belegen. Auch optisch prägen Bauten aus dieser Zeit das Bild derStadtteile Reichenau, Pradl, Saggen und speziell natürlich auch das Gebiet Pradler Saggen. Pradler Saggen beschreibt näher das Gebiet zwischen der Sill(brücke), Oswald – Redlich – Straße, Kärntnerstraße und der Fennerstraße. Auf dem Luftbild ist ganz klar zu erkennen, das speziell das Gebiet südlich der Sill – Inn Mündung, also exakt die Teile rund um den Pradler Saggen und der Reichenau, noch recht spärlich besiedelt sind und primär als Agrar – und Nutzfläche ausgewiesen sind, wie zum Beispiel wie beschrieben, als Milchversorgung. Erst seit dem Ende des Krieges wurden diese Gebiete teils stark besiedelt.
Rund 50% des heutigen Stadtteils stammt von der Zeit von vor 1919 – 1945.Interessant deshalb, weil somit Pradl im starken Kontrast zur Reichenau steht und schon unmittelbar nach Kriegsende ein starker Rückgang der Bauphasen zu verzeichnen war.Nichtsdestotrotz sind beide Stadtteile infrastrukturell und natürlich auch baulich miteinander verbunden. Eine offene Blockrandbebauung zwischen Fennerstraße im Norden, der Kärntnerstraße im Westen (der Sill entlang) und der Prinz – Eugen – Straße im Süden dominiert noch heute das Bild des Pradler Saggen. (gruppe abart/kopp/seyrling/walch, www.urbanlab.info)

Südtirol Siedlungen

Im Sommer 1939 vereinbarten Vertreter des nationalsozialistischen Deutschen Reiches und des faschistischen italienischen Staates die Option und Umsiedlung der SüdtirolerInnen, als deren Folge im Verlauf der folgenden vier Jahre rund 75.000 Menschen ihre Heimat südlich des Alpenhauptkamms verließen. Bevor diese Umsiedlung in Gang kam, wurden für die zu erwartenden „Rücksiedler“ – wie sie im damaligen NS-Jargon bezeichnet wurden – in ganz Österreich Wohnungen geplant und in Tirol und Vorarlberg die größte Wohnbauaktion während des Krieges gestartet, die den Neubau von 10.000 Wohnungen zum Ziel hatte.

Für die Durchführung der „Sondermaßnahme Südtirol“ in der Gauhauptstadt Innsbruck wurden die städtische Baubehörde sowie die Wohnbaugesellschaft „Neue Heimat“ als Bauträger ausersehen. Bereits im August 1939 wurde der Umfang des Bauprogramms konkretisiert und der Innsbrucker Oberbürgermeister beauftragt, zunächst 600 Wohnungen durch die Stadtgemeinde zu errichten, in deren Eigentum die Wohnungen auch übergehen sollten. Damit bot sich für die Stadtverwaltung die Gelegenheit, bestehende Baulücken im Stadtteil Wilten an der Fischer- und Zollerstraße, im Ortsteil Pradl an der Lang- und Gumppstraße sowie bei der Pradler Kirche zu schließen; jene Grundstücke sollten schleunigst erworben werden, wobei eventuell auftauchende Probleme gegebenenfalls auch mit Androhung „auf Enteignung“ gelöst wurden.
Im Dezember 1939 erhielt die Stadtgemeinde den Auftrag, ihr Bauvolumen um weitere 1.000 Wohnungen zu erhöhen, die aber nur einen Teil der ersten Ausbaustufe des Südtiroler Bauprogramms für 1940 umfassten. Insgesamt sollten in diesem Jahr 2.808 Wohnungen in Innsbruck errichtet werden, die zwischen der Stadt Innsbruck und der „Neuen Heimat“ im Verhältnis 1 : 2,3 aufgeteilt wurden. In den geplanten Siedlungsanlagen sollten auch Kindergärten, Gemeinschafts- und Versorgungseinrichtungen, Gewerbebetriebe sowie „die notwendigen Erholungsstätten wie Cafes, Kneipen etc.“ mit eingeplant und außerdem noch die „Unterbringung der notwendigen Räumlichkeiten für die NSDAP, der Reichspost, der Polizei etc.“ berücksichtigt werden.

Alleine in Innsbruck entstanden damals mindestens 2.189 neue Wohnungen, das waren 45,1 Prozent aller im heutigen Bundesland Tirol errichteten Südtiroler Bauten,in denen zahlreiche UmsiedlerInnen ein neues Zuhause fanden; darüber hinaus gab es in den neuen Innsbrucker Wohnanlagen in Wilten, Pradl und in der Reichenau auch über 50 neue Geschäftslokale.
Für 1.337 Wohnungen (= 61,1 Prozent) in den Südtiroler Siedlungen Innsbrucks ergab eine Erhebung, dass 58,4 Prozent der ErstmieterInnen auch tatsächlich SüdtirolerInnen waren, 25,1 Prozent NichtumsiedlerInnen, 10,3 Prozent fungierten als sogenannte „Politische Leiter“, 0,3 Prozent waren als Bombengeschädigte oder schwer Kriegsversehrte eingestuft und für 5,9 Prozent lagen keine näheren Angaben vor. (Helmu Alexander, Sadtarchiv)

Weitere Informationen zum Pradler Saggen finden Sie hier.

Autor:

Georg Herrmann aus Innsbruck

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