Frei im Theater: Cosí fan tutte
Mozart at its best
- Lachen sich für die Treuetest-Wette als verkleidete Gangsterrapper die Partnerin des jeweils anderen: Ilya Lapich als Guglielmo und Jon Jurgens als Ferrando. Vorne: Lamia Beuque als Dorabella und Susanne Langbein als Fiordiligi.
- Foto: Birgit Gufler
- hochgeladen von Christine Frei
„Così fan tutte“ sei das Beste, das Mozart je geschrieben habe, schwärmt im Programmheft TLT-Chefdirigent Lukas Beikircher, dem das Dirigat der Premiere am vergangenen Samstag grippebedingt freilich verwehrt blieb. Weshalb Kapellmeister Tommaso Turchetta quasi aus dem Stand einspringen musste, sich darin aber sofort spürbar heimisch fühlte, spielt doch der fatale, von Don Alfonso (Johannes Maria Wimmer) ersonnene Treuetest in einer Villa seiner Geburtsstadt Neapel.
Klug und gewitzt in unsere Zeit verlegt
Regisseurin Anette Leistenschneider hat das oft kritisierte Set-up kurzerhand in unsere Zeit verlegt: Christian Floeren kreierte dafür eine stylishe Neureichen-Angebervilla, Michael D. Zimmermann entwarf den Schwestern Fiordiligi (Susanne Langbein) und Dorabella (Lamia Beuque) hinreißend schöne Designerkleider und entlarvt uns den alten Zyniker Don Alfonso und die ihm zuarbeitende Despina (Annina Wachter) modisch als Vertreter einer überkommenen Strippenzieher-Patriarchenwelt. Ganz im Sinne der Oper buffa entscheidet sich Leistenschneider dann für die denkbar coolste „kulturelle Aneignung“ ever und lässt die beiden sich selbst überschätzenden Jungs Guglielmo (Ilya Lapich) und Ferrando (Jon Jurgens) einfach als dümmlich sich selbst produzierende Gangsterrapper-Imitate zurückkehren, was den beiden enorm viel Spaß macht.
Auch musikalisch ein Highlight
Musikalisch ist dieser Abend ohnehin ein einziges Hörvergnügen. Allein für das wohl schönste Dreierensemble aller Zeiten „Soave sia il vento“ muss man dort gewesen sein. Und wann immer Susanne Langbein bedacht leisere Töne anschlägt, hält man hingerissen den Atem an. Ja, die Frauen ergeben sich irgendwann der Zuwendung, um – so interpretiert es Leistenschneider - dann beim richtigen Partner zu landen. Insofern ist Don Alfonsos zynisch-bösartige Versuchsanordnung wie jene mephistophelische Kraft, die zwar Böses will, aber letztlich doch das Gute schafft.
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