Überlebenskünstler im Nationalpark Kalkalpen
So meistern Tiere die eisige Jahreszeit
- Gämsen sind zwar im Winter aktiv, reduzieren jedoch ihre Aktivitäten.
- Foto: ÖBf
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Eine weiße Schneedecke legt sich über die Wälder, dämpft jedes Geräusch und verwandelt den Nationalpark in eine stille, glitzernde Landschaft. Doch unter dieser winterlichen Ruhe verbirgt sich reges Leben. Tiere und Pflanzen über und unter der Schneedecke bereiten sich auf ihre eigene Weise auf die kalte Jahreszeit vor – und zeigen dabei beeindruckende Überlebensstrategien.
REGION STEYR-KIRCHDORF. Rudolf Mayrhofer, Gebietsbetreuer des Nationalparkbetriebs Kalkalpen der österreichischen Bundesforste, stapft durch die weiße Schneelandschaft und weiht in die Geheimnisse der Überlebenskünstler ein. „Einige Tierarten sind im Winter sehr aktiv, viele andere ziehen sich aber in geschützte Bereiche zurück“, erklärt der Gebietsbetreuer aus Molln. Zu den aktiven Tieren zählen der Luchs und der Fuchs, da im Winter die Paarungszeit stattfindet. Andere wiederum sind aktiv, aber reduzieren ihre Aktivitäten, wie zum Beispiel das Rot- und Rehwild oder die Gams. „Sie senken ihre Körpertemperatur, Atmung und Pulsschläge, um den Energieaufwand zu reduzieren. Wenn dieser Ruhezustand gestört wird, benötigen sie oft Tage, bis sie wieder in den Ruhemodus kommen – dies kann mitunter überlebensentscheidend sein“, erklärt der ausgebildete Nationalpark-Ranger.
- Mit ihrem dichten Winterfell können Wildtiere auch tiefe Minusgrade gut überstehen. Das Winterhaar der Hirsche ist etwa doppelt so lange wie das Sommerhaar.
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Minusgrade? Kein Problem!
Mit ihrem dichten Winterfell können Wildtiere auch tiefe Minusgrade gut überstehen. Das Winterhaar der Hirsche ist etwa doppelt so lange wie das Sommerhaar, Luftpolster zwischen den Haaren sorgen für zusätzliche Wärmespeicher. Ihr Fell bildet eine richtige Isolierschicht,
die sie vor Kälte schützt. Es isoliert so gut, dass sogar der Schnee auf ihrem Rücken nicht schmilzt, sondern liegenbleibt, da keine Körperwärme nach außen dringt.
Auch kleinere Tiere passen sich an: Der Schneehase wechselt – ebenso wie das Schneehuhn – seinen braunen Sommerpelz gegen ein schneeweißes Winterkleid, das ihn in einer verschneiten Landschaft nahezu unsichtbar macht.
Überlebensstrategie unter Druck
Doch diese erfolgreiche Überlebensstrategie gerät zunehmend unter Druck: Mit den durch steigende Temperaturen zurückgehenden Schneemengen verliert die weiße Tarnung an Wirksamkeit. Für die Tiere kann das zur Gefahr werden, da sie in einer schneearmen Umgebung leichter von Fressfeinden entdeckt werden. Viele der Tiere halten Winterschlaf, wie die Igel, Siebenschläfer oder aber auch Fledermäuse. Sie bedienen sich ihrer Fettreserven, senken ihre Körpertemperatur und alle Körperfunktionen drastisch ab. Die Fledermäuse tätigen beispielsweise nur zwei Atemzüge in 60-90 Minuten!
Lebensraum unter der Schneedecke
Schnee isoliert hervorragend: „Unter einer geschlossenen Schneedecke entsteht ein erstaunlich milder, geschützter Lebensraum. Viele Tiere und Pflanzen nutzen diesen Bereich, um den Winter zu überstehen“ erzählt Mayrhofer. Das schützt Pflanzen und Mikroorganismen vor Frost und Austrocknung und bildet eine geheime Welt unter der weißen Schneedecke.
„Eine besonders ungewöhnliche Strategie zeigt das Birkhuhn. Es lässt sich einschneien und gräbt sich Schneehöhlen, die als natürlicher Wärmespeicher dienen.“
Rudolf Mayrhofer
Unter der Schneedecke leben auch Kleinsäuger wie Spitzmäuse und Wühlmäuse in einem Netz aus Tunneln – geschützt vor Fressfeinden und extremen Temperaturen. Insekten machen es sich in diesem Lebensraum ebenfalls gemütlich und verlassen sich auf den Schnee, um sie vor Raubtieren und extremer Kälte zu schützen. Die Reptilien hingegen sind wechselwarme Tiere, ihre Körpertemperatur hängt von der Außentemperatur ab. Wird es draußen kalt, sinkt auch ihre Körpertemperatur – sie fallen unterhalb der Schneedecke in eine Kältestarre.
Tieren und Pflanzen Raum geben
Für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Natur ist es wichtig, sich achtsam zu bewegen und sich angemessen zu verhalten. Dazu gehört, auf markierten Wegen zu bleiben, Hunde an der Leine zu führen und unnötigen Lärm zu vermeiden. „Da der Winter eine wichtige Erholungsphase für die Natur ist, werden die Besucher des Nationalparks gebeten, den Tieren und Pflanzen Raum zu geben, um zur Ruhe zu kommen und sich als Gast in der Natur ruhig zu verhalten“, so Mayrhofer.
Tiere und Pflanzen beweisen jedes Jahr aufs Neue, dass Überleben nicht nur Stärke, sondern vor allem Einfallsreichtum bedeutet. Die Vielfalt an Strategien – von Winterschlaf über Energieeinsparung bis hin zur Nutzung des Schnees als Schutzschild – macht den Nationalpark Kalkalpen zu einem faszinierenden Naturraum, der auch in der kalten
Jahreszeit voller Leben steckt.
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