Kürzungen im Kindergartenbereich sind unverantwortlich!

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Durch die Kürzungen im Kindergartenbereich verschärft sich die Situation in der Kinderbetreuung im Bezirk Kirchdorf massiv!

Roswitha Waas ist Vorsitzende der Gewerkschaft Younion (Gemeindebedienstete) des Bezirk Kirchdorf und war viele Jahre Kindergartenleiterin in Micheldorf. Sie beschreibt die Situation als dramatisch.
Bei Diskussionen zu diesem Thema höre ich sehr oft die Meinung: „Was nichtskostet ist nichts wert“ oder auch „Ich bezahle sehr gerne dafür dass mein Kind
gut betreut wird!“ Alles gut und doch nicht richtig. Jedes Kind soll ohne Rücksicht auf das Einkommen der Eltern die Möglichkeit haben, den Kindergarten- Nachmittag zu besuchen. Früher hatten die Kinder die Chance in ihrer Wohnumgebung vielfältige Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, heute ist dies oftmals nicht mehr gegeben. Kinder brauchen aber andere Kinder um soziales Lernen zu ermöglichen.
Kinder haben ein Recht auf Bildung nicht nur am Vormittag, auch nachmittags ist Bildungsarbeit von großer Bedeutung. Besonders in kleineren Gruppen am Nachmittag ist die individuelle Förderung der Kinder ein wesentlicher Bildungsfaktor. Diese Ressourcen sollten nicht nur Kinder von Eltern die es sich leisten können, in Zukunft nützen.
Eltern brauchen die Kinderbetreuung am Nachmittag um zu arbeiten und damit den Lebensunterhalt zu bewältigen. Die Arbeitswelt fordert oftmals Flexibilität und dies bedeutet auch für die Betreuungseinrichtungen Herausforderungen. Eltern brauchen die Kinderbetreuung oft nicht täglich, nicht täglich zur gleichen Zeit, wochenweise unterschiedlich, usw. Wird es einen Nachmittagstarif geben, werden sich Eltern fragen, ob sich die Arbeit am Nachmittag, vor allem an einzelnen Tagen auszahlt? Manche Eltern werden ihre Kinder vom Nachmittagsbetrieb abmelden, somit ist vor allem in kleineren Gemeinden die Nachmittagsbetreuung in Gefahr. Ein Bedarf von 10 Kindern muss nachgewiesen werden um eine Gruppe führen zu können. Ein Rechenmodell: 11 Kinder besuchen den Kindergarten einer kleinen Gemeinde am Nachmittag. 2 Kinder werden abgemeldet und 9 Kinder mit ihren Eltern bleiben übrig. Müssen die Kinder nun in einen anderen Kindergarten? Tagesmütter leisten ebenfalls Großartiges, sind aber in unserer Region (Bezirk Kirchdorf) sehr schwer zu finden, vor allem in kleinen Gemeinden.
Eltern werden, wenn sie mit den bestehenden Öffnungszeiten nicht auskommen, keinesfalls doppelt zahlen wollen (Tagesmutter nach 16.00 oder 17.00 Uhr) und eine Erweiterung der Öffnungszeiten mit Recht fordern.
Firmen und Betriebe werden wenig Freude haben, wenn Eltern für die Arbeit am Nachmittag nicht mehr zur Verfügung stehen können/wollen.
Für die Gemeinden bedeutet diese Regelung wiederum mehr Arbeit ohne irgendwelche Vorteile für die Gemeinde. Die Elternbeiträge werden sozial gestaffelt – davon gehe ich aus, damit werden die Berechnung und Einhebung der Beiträge seitens der Gemeinden erfolgen, dies bedeutet mehr Verwaltungsaufwand. Die Elternbeiträge werden dann vom Förderbeitrag des Landes abgezogen!

Weitere mögliche Konsequenzen: Familien müssen in größere Gemeinden mit garantierter Nachmittagsbetreuung abwandern, strukturschwache Gemeinden werden noch mehr ausgedünnt!
Personelle Änderungen, wie Stundenkürzungen oder Arbeitsplatzwechsel werden Eltern mit Betreuungspflichten erforderlich sein.

Schlussendlich wird es zu Stundenkürzungen und in den größeren Gemeinden oder Städten auch zu Kündigungen kommen müssen. Weniger Betreuungsaufwand bedeutet weniger Personal! Erste Schätzungen gehen von über 200 Arbeitsplätzen in OÖ aus.
Die vorschulische Bildung ist von großer Bedeutung. Die Persönlichkeit jedes Menschen wird geprägt von den Erfahrungen in den ersten Lebensjahren.
Der Staat muss für alle Kinder gute Lebens- und Lernbedingungen gewährleisten. Nur so haben wir als Gesellschaft gute Chancen für die Zukunft!

Wir haben in Österreich 9 verschiedene Landesgesetze für den Kinderbetreuungsbereich!
Mehr Energie für eine Verbesserung und Vereinheitlichung der gesetzlichen Basis ist erforderlich – die Forderung nach einem Bundesrahmengesetz für die Kinderbetreuungseinrichtungen gibt es seit unzähligen Jahren.
Kinder, Eltern, Kinderbetreuungspersonal, Gemeinden, Rechtsträger brauchen aber alles Andere als einen Nachmittagstarif! Diese Maßnahme ist einzig eine Geldbeschaffung für das Land OÖ!

Alle arbeitenden Menschen zahlen Steuern um die wesentlichen Grundbedürfnisse des Lebens zu sichern, für Alle! Dieses solidarische Prinzip ist wichtig für die Gesundheit, für die Pensionen, für die Mobilität (Infrastruktur, Straßenbau, öffentlicher Verkehr,…)

Ich frage mich, warum wird im Bildungsbereich immer wieder hinterfragt, ob dafür die Steuermittel ausreichen? Studiengebühren, Kindergartengebühren, Hortgebühren, …..

Woher kommt der Sinneswandel von Landeshauptmann Stelzer? Sein Vorgänger feierte vor sieben Jahren die Nachmittagsbetreuung im Kindergarten als riesen Erfolg. Er sollte Recht bekommen.  Jetzt wo Firmen gute Auftragslagen haben und gute Gewinne machen verlagert man möglicherweise Budgetmittel von Bildung und Sozialem in Forschung und Entwicklung. Ja, wichtige Investitionen für die Zukunft, keine Frage. In Zeiten wie diesen brauchen große Industriebetriebe keine Steuergeschenke!     

Es wäre sinnvoller im gesamten Bildungbereich intensiver zu investieren!

Kürzungen in diesem Bereich kostet uns langfristig sehr viel mehr!





v. l. ÖGB Landessekretär Walter Haberl, Roswitha Waas, Ulrike Heuer und Petra Riedler

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