30.06.2017, 12:43 Uhr

Michael Walde-Berger - von Kitzbühel in die Welt des Films

Michael Walde-Berger (Foto: privat)

Als Michael in die Schule kam, atmeten die Kitzbüheler Bauern und die Urlauber erleichtert auf...

KITZBÜHEL/WIEN (navi). Denn davor verbrachte er die meiste Zeit in Mamas Heimat Kitzbühel. Mit seiner „Kleinburschen-Bande“ verübt er Lausbubenstreiche: beschießt Touristen mit Vogelbeeren, klaut Äpfel aus den Bauerngärten und bekriegt sich mit einer Nachbarschafts-Gang.

In Wien eingeschult, drückt er die Schulbank in der einzigen Hoffnung, dass der Unterricht, wie Windpocken, in absehbarer Zeit vorbei ist. „Ich hatte ein Problem mit Autoritäten, war für das Schulsystem völlig ungeeignet und kämpfte mich durch die Schule. Die einzige Freude hatte ich bei Philosophie und Psychologie, was ich nach der Matura auch ein halbes Jahr studierte“, so Michael Walde-Berger. „Meine Liebe zur Psychologie habe ich wahrscheinlich von meinem Vater, einem Psychiater, geerbt, den meine Entscheidung, das Studium abzubrechen, nicht unbedingt in Glück versetzte. Viel zu theoretisch und weltfremd empfand ich mein Lieblingsfach an der Uni. Ich wollte Psychologie durch mich erleben, durch mich erfahren - so kam ich zur Schauspielerei“, erzählt der inzwischen sehr gefragte Film und-Theaterschauspieler.

„Mein Zugang zum Schauspielberuf war sehr systematisch in Bezug auf die Ausbildung. Ein Jahr lang besuchte ich eine Wiener Schauspielschule und habe dort, um ehrlich zu sein, nur die alten Theater-Klischees gelernt: Wie läuft ein Betrunkener, wie steht ein Polizist, wie spricht ein Zuhälter, und ähnlichen 'technischen Blödsinn.' Parallel dazu habe ich in Wien einen Jacques Lecoq (École Internationale de Théâtre, Paris - bekannte Theater-Schauspielschule)-Workshop besucht. Dort lernt man durch Bewegung und Rhythmik die Emotionen darzustellen. Mit 24 Jahren ging ich alleine nach New York, wo ich am berühmten Lee Strasberg Theatre & Film Institute bei einem der renommiertesten Professoren, Charles Laughton, der auch Al Pacino gecoacht hat, das Schauspiel-Handwerk bzw. das Spielen aus der Ehrlichkeit des Gefühles heraus gelernt habe“, so der faszinierte Hobbypsychologe.

„Sie lebten sechs Jahre in den USA und haben sowohl dort als auch in Europa zahlreiche Filme gedreht. Warum sind Sie zurückgekehrt?“
„Amerika ist schön, nur fand ich die Tiefe der zwischenmenschlichen Beziehungen etwas flach. Wenn mich heute ein alter Schulfreund anruft und meine Unterstützung braucht, bin ich für ihn da, selbst wenn wir 20 Jahre keinen Kontakt hatten. In Europa hat der Begriff Freundschaft einen hohen Stellenwert. In Amerika ist das anders. Außerdem wollte ich mich um den Nachlass meines Großvaters Alfons Walde kümmern. Ich hatte ihn leider persönlich nicht kennengelernt. Als ich einige seiner Briefe und Tagebücher zu lesen bekam, stellte ich fest, dass wir gleich gesinnt sind. Viele seiner witzigen Sprüche, Gedanken und Lebensansichten lassen in mir eine Art Seelenverwandtschaft ahnen. Nur: er war vor mir da!“, schmunzelt Michael. „Ich hatte dann das Bedürfnis sowie die unauslöschliche Neugier, ihn bei der Archivierungsarbeit näher kennenzulernen - und es hat sich wirklich gelohnt. Ich bin sein stolzer Enkelsohn.“

„Was ist schwierig und was ist schön im Nachlassverwalter-Job?“
„Das Schwierigste an der Nachlassarbeit ist die stunden-, tage-, ja sogar jahrelange Knochenarbeit des Archivierens und Systematisierens. Das ewige Herumsitzen und 'im Papiermeer schwimmen' sind nicht mein Ding. Das Schönste dabei ist, die Ergebnisse deiner Arbeit bei Ausstellungen zu sehen. Die leuchtenden Augen der begeisterten Besucher geben mir einen freudigen Kick. Das ist fast so schön, wie wenn man eine Rolle spielt und Erfolg hat!“

„Was haben Sie heute für einen Bezug zu Tirol?“
„Kitzbühel ist meine Heimat. Ich verbringe nach wie vor viel Zeit hier, unter Freunden in den schönen Bergen. In unserem alten Haus, nahe der Streifalm-Strecke, bereite ich mich oft auf meine neuen Rollen vor. Es ist eine tolle Abwechslung zum dynamischen Leben in Wien.“

„Sie waren 2015 Jury-Mitglied des Kitzbüheler Filmfestivals. Wie finden Sie dieses Event?“
„Es ist eine fabelhafte Idee, die professionell umgesetzt wurde - und auch eine kulturelle Bereicherung für die Region und ein Meeting Point für namhafte Profis der Filmbranche; mit internationalem Flair, aber dennoch familiär bei einem vielfältigen Programm, mit Spaß und Gaudi."

„In dem Film “Waldes Lust – der Maler von Kitzbühel” spielten Sie sich selbst. Wessen Idee war es, so eine Doku zu drehen?“
„Ja, mich selbst authentisch darzustellen fiel mir nicht leicht. Ich beobachte gerne Menschen, lerne neue Kulturen kennen, auch bei Fernreisen. Aber wie oft beobachtet man sich selbst? Regisseur Sandro Decleva musste mich oft erinnern: „Sei doch du selbst!“, lacht Michael. „Ich war Initiator des Projektes und habe die Stoffsammlung geschrieben. Das Drehbuch kam von Eduard Ehrlich und umgesetzt haben wir es mit einem kreativen Team in Zusammenarbeit mit dem ORF und dem Bundesministerium für Bildung und Frauen.

„Sind Sie ein glücklicher Mensch?“
„Ich bin ein zufriedener Mensch. Wenn ich heute sterben würde, dann habe ich ein erfülltes Leben gehabt. Aber ich wünsche mir natürlich noch ein langes Leben, da ich etliche schöne Projekte auf dessen Höhepunkt bringen möchte, die ich momentan leider noch nicht verraten kann.“
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