Filmland Kärnten 2019
Wirtschaftswunder österreichischer Film!

Filmhauskino am Spittelberg, Wien
3Bilder
  • Filmhauskino am Spittelberg, Wien
  • Foto: Filmcasino
  • hochgeladen von Christine Trapp

Welcher ist der profitabelste Film aller Zeiten? Der ÖSTERREICHISCHE!
Wer hätte sich das gedacht. Doch das Zahlenmaterial, das diese kühne These zulässt ist Narrenfest und stammt aus dem Filmwirtschaftsbericht 2018 des Österreichischen Filminstitut, Wien und zumindest (Teilweise auch vom Fachverband der Film- und Musikwirtschaft, auf den sich das Filminstitut immer wieder beruft, sowie von der internationalen Datenerfassung im Entertainmentbereich comScore), es kann davon ausgegangen werden, dass die gelisteten Zahlen und Ergebnisse auf akribischer Recherche beruht, gegen die der Warren-Report reinster ‚magischer Realismus‘ ist.
Lügen sei damit alle jenen Unkenrufern gestraft, die die Schwäche des österreichischen Films, bemängeln und natürlich auch die der „Bettler mit Zylinder“, die laufend mehr Geld für den österreichischen Film fordern, was gar nicht nötig ist, denn laut Filmwirtschaftsbericht könnte sich der österreichische Spiel-, Dokumentar- und TV-Film locker selbst finanzieren, denn der österreichische Film ist ein echter Kassenschlager.
Auf zu den unerwarteten, aber handfesten Details des Filmwirtschaftsbericht von 2018, er betrifft das Filmschaffen des Jahres 2017:

  • Umsatz: 1,474 Milliarden Euro (!)
  • Davon entfallen auf die Kino- & TV-Filmherstellung: 1,081.811.000,-- (Milliarden) Euro (!)
  • Alle anderen Umsätze entfallen auf: Werbefilm, Wirtschaftsfilm, Filmverleih, Kino, Videotheken, Nachbearbeitung: 392.189.000, -- Euro.
  • Produktionswert der 2017 fertig gestellten Filme: 258.000.000, -- Euro, davon entfallen auf den Kinofilm, 14,9 % = 38.442.000 Millionen Euro, auf den TV-Film (inkl. Teamvermietung, was immer das sein soll) 74,4 % = 191.952.000 Euro.
  • Die produzierten Kino- und TV-Filme erwirtschaften also das 4fache ihres Produktionswerts!
  • Der Kinofilm (ohne TV-Filme) erwirtschaftet immerhin 38.442.000 Euro, das wären bei einem durchschnittlichen Preis für eine Kinokarte von immerhin 9,1 Euro: 4.224.395,-- Millionen Besucher und das bei:
  • Einem Marktanteil von nur : 5,7 % = 836.344 Besuchern, das wäre bei einem Durchschnittskartenpreis von 9,1 Euro: 7.610,730,40 Euro (im Inland)

Eines muss bisher respektvoll erwähnt werden, der Filmwirtschaftsbericht ist umfangreich und akribisch genau, man/frau findet viele interessante und oft auch unbekannte Details zur Film- und TV-Wirtschaft in Österreich. Etwas unübersichtlicher wird der Report bei den Kosten, was aber auch daran liegen mag, dass sich verschiedenste Förderstellen an der Finanzierung des Erfolgsprodukts „Österreichischer Film“ beteiligen, was zwar nach der, oft zitierten Transparenzdatenbank unmöglich wäre, Stichwort: Mehrfachfinanzierung, aber hier viel bringt, siehe oben: 4fachen GEWINN.Auch geht nicht hervor, wie, wer und wo diese beachtlichen Summen für den österreichischen Film erzielt wurden, der eigentlich unbekannt ist, zumindest in Italien und in den USA, wo die Schreiberin dieser Zeilen einmal gewohnt hat (Rom), bzw. aktuell lebt (Los Angeles), laut der Darstellung des Filmwirtschaftsbericht von 2018 jedoch beachtliche Gewinne abwirft. Wer ist so kühn und bezahlt für ein Produkt, das unbekannt ist, stolze Preise?
Und auch geht aus dem Filmwirtschaftsbericht nicht hervor, welche Filme gefloppt sind, bzw. was dann passiert ist? Mussten die Filmfirmen, die vom Verlust betroffen waren Konkurs anmelden und/oder wurden die Filmemacher, die diese Flops erleiden mussten von weiteren Finanzierungen gesperrt oder mussten sie Privatkonkurs und ähnliches anmelden? Denn es ist unmöglich, dass es nur Gewinne gibt.Die Kosten sind etwas unübersichtlich, hier eine mögliche Zusammenfassung; Achtung, es wird nicht nur die Filmherstellung, sondern es werden auch Institutionen (Filminstitut, Filmmuseen, Filmarchive, Filmfestivals usw.) gefördert.

  • Förderung „Film“ durch das Filminstitut, das Film-&-TV-Abkommen u.a. (Länder, Stadt Wien, Bundeskanzleramt) zirka: 74.701.357 Euro, davon entfallen auf die Filmherstellung: 73,3% = 54.531.990,61 Euro (was hier genau gefördert wird ist etwas unklar, aber es ist anzunehmen, dass neben Spielfilmen und Dokus auch TV-Filme usw. enthalten sind. Eventuell sind hier auch die 17,764 Millionen Euro des ORF für Spiel- und Dokumentarfilme enthalten)
  • Der ORF beauftragt weiters Serien, 30.393.679, -- Shows, 20.436.807, -- und Dokumentationen, Magazine, Sonstige, 22.827.979, 60, Film: 17.764.808 – Gesamt: 91.423.273 Euro.
  • Gesamt belaufen sich die Kosten für den österreichischen Kino- und TV-Film (inklusive Shows, Serien und Magazine) auf zirka € 128.190.455,61
  • Die Kosten betragen daher knapp 12 % des mit dem Produkt ‚österreichischer Film‘ erzielten Umsatzes! Ein super Geschäft. Ein einzigartiges Ergebnis! Es gibt kein vergleichbares Produkt das, zur Freude des Finanzministers, ähnlich lukrativ ist und so unerwartet und völlig unbemerkt von der Öffentlichkeit GELD in die traditionell klammen Kassen des Finanzministeriums spült.

Fragt sich, wieso diese Zurückhaltung? Normaler Weise müsste doch jeder Kulturpolitiker, die Filmproduzenten, die Leiter der erfolgreichen Filmförderinstitutionen, die Filmszene, ja selbst der Finanzminister der Republik Österreich jede Gelegenheit nützen, um auf ihren Triumpf aufmerksam zu machen?Und wieso bestellt der österreichische Finanzminister nicht gleich ein Dutzend neuer Filme? Bei diesen geschäftlichen Erfolgen kann nicht viel schiefgehen? Endlich einmal ein Kulturprodukt bei dem das Geld so richtig sprudelt …Und wo bleibt dabei das Publikum, das bei einem Marktanteil von offiziell nur 5,7 %, sich offensichtlich an einem unbekannten Ort einfindet, um den österreichischen Film zu sehen?Und wieso thematisiert die Presse immer wieder auf die Geldnöte des österreichischen Films? Es gibt unzählige Interviews, Reportagen, Artikel usw. zu diesem Thema, obwohl jeder den Filmwirtschaftsbericht online abrufen kann, in dem nachzulesen ist, dass die österreichische Filmbranche im Geld schwimmt.Interessant ist, dass es sich bei dem Erfolgsprodukt offensichtlich um einen „Selbstläufer“ handelt, denn für die wichtige Stoffentwicklung, werden nur 3 % und für die Verwertung nur 3,2 % der Finanzmittel aufgewendet.
Daher ergibt sich der Schluss: Die Stoffentwicklung ist uninteressant, wir wissen schon jetzt, was wir zu drehen haben, siehe Filmwirtschaftsbericht.
Oder der Umkehrschluss:
Die Stoffentwicklung ist ebenfalls uninteressant, die Leute sehen sich sowieso alles an, wenn nicht mehr, können wir noch immer ‚etwas Neues entwickeln‘.Und zur sonst so wichtigen Verwertung ergibt sich ebenfalls
der Schluss: Werbung ist natürlich nötig, aber es reicht das Übliche, wie Plakate, Fotos, Trailer, Festivaleinsätze, Filmmärkte usw. die Filme verkaufen sich nahezu von selbst, siehe Filmwirtschaftsbericht.
Oder der Umkehrschluss:
Wozu mehr Werbung als nötig, wir haben unser Publikum und unsere Abnehmer, die sowieso alles konsumieren, die saftigen Gewinne bestätigen unsere wirtschaftliche Kompetenz.Was kann uns unbedarften Filmjournalisten, laut Andrej Tarkowskij, sind wir die niederste mögliche Form des menschlichen Lebens, nun aus der Patsche helfen?

Einzige Möglichkeit wäre die klassische Dialektik:

These: Der österreichische Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen, war, bevor er in die Politik eingestiegen ist, ein renommierter Wirtschaftswissenschaftler, der für innovative, moderne Wirtschaftstheorien bekannt war. Er kennt sich aus und kann uns sicher wertvolle Hinweise geben, wie so ein kommerzieller Erfolg möglich mit einem Produkt ist, das kaum jemand westlich des Wienerwalds kennt.

Antithese:
Peter Kubelka und Peter Kronlechner, ebenfalls westlich der Wiener Albertina unbekannt, vertreten die These vom sogenannten ‚unsichtbaren Kino‘. Leicht möglich, dass der österreichische Film in erster Linie dort gezeigt wird und somit hier in den USA und in Italien, wo nur das ‚sichtbare Kino‘ existiert, bisher unbekannt geblieben ist.[b]

Synthese: die Verleihung des deutsch-österreichischen Filmpreises „Romy“ vom vergangenen Wochenende. 13. April 2019 in Wien. Eine erfolgreiche Filmbranche feiert sich selbst …

Ab ins Kino! Der NEUE österreichische Film ist eine interessante Geschichte.

Link: Filmwirtschaftsbericht 2017 u.a. des Österreichischen Filminstitut in Wien.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen