08.10.2014, 00:00 Uhr

Pflege daheim: Fachkräfte-Magel droht

Mobile Pflege hat sich fast verdoppelt. (Foto: Zippel)

Mobile Hilfe ist gefragt, aber teuer. Die Fachkräftesuche wird jedoch immer mühsamer – auch bei uns.

KLOSTERNEUBURG (cog). Niederösterreichweit werden rund 80 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen im häuslichen Bereich betreut. Ergänzt wird dies oftmals durch unterstützende soziale Dienste wie Hauskrankenpflege, Heimhilfe, mobile Therapie oder Essen zuhause. In Klosterneuburg nehmen knapp 200 Personen Leistungen der drei großen Organisationen Hilfswerk, Caritas und Volkshilfe in Anspruch.

Schwierige Personalsuche

"Die Fachkräfte-Suche wird schön langsam mühsam", klagt Hilfswerk-Leiterin Christine Rieger. Derzeit sei die Situation noch nicht problematisch, aber: "Wir müssen kämpfen." Immerhin steigt die Zahl der zu Pflegenden kontinuierlich an. Für eine Stunde zahlt ein Mindestpensionist etwa 10 Euro, eine Krankenschwester kostet jedoch 50 Euro. Diese Lücke geht auch auf Kosten der MitarbeiterInnen, die nur bescheiden entlohnt werden. Rieger: "Ich habe immer wieder Schwierigkeiten, eine Krankenschwester zu finden, weil diese im Krankenhaus wegen der Zulagen mehr verdient."

Viele Schicksale

Anstrengend wie anspruchsvoll sind die Arbeiten für mobile PflegerInnen oder HelferInnen – auch wegen der unterschiedlichen Biographien, auf die es sich einzulassen gilt. Genau das kann jedoch auch reizvoll sein: Katharina Schaffer ist eine Heimhelferin vom Hilfswerk. 20 Stunden in der Woche hilft sie alten oder kranken Menschen bei der hygienischen Pflege. Für die Klosterneuburgerin ist die Abwechslung, nämlich eine Kundin zu betreuen und anschließend zur nächsten zu fahren, besonders interessant.
Bei der Caritas spiegelt sich die knappe finanzielle Situation in einem anderen Bereich. "Es ist problematisch, Heimhilfen zu finden", berichtet die Leiterin der Sozialstation Claudia Pumper. Grund dafür sei die teilweise Notwendigkeit, ein eigenes Auto zu besitzen.
Auch Volkshilfe-Vorsitzender SPÖ-Stadtrat Karl Hava kennt personelle Engpässe: "Die Auslastung ist unterschiedlich." Generell befindet er, seien Pflegeorganisationen massiv unterfördert: "Es ist wirklich nicht einfach. Glücklicherweise haben wir in Klosterneuburg vonseiten der Stadtgemeinde diesen Posten noch im Budget drinnen."

Gutes Modell für die, die es sich leisten können

Ein gutes Modell für jene, die es sich leisten können, ist die 24-Stunden-Pflege für Menschen mit einem Unterstützungsbedarf ab Pflegestufe 3. "Das ist manchmal jedoch ein Spießroutenlauf, bis die dementsprechende Pflegestufe zuerkannt wird", weiß Hava. Sein Tipp: "Tagebuch über alle Hilfstätigkeiten führen, damit auch die passende Stufe zuerkannt wird." Die Kosten sind jedoch – selbst mit Förderungen – enorm und variieren je nach Qualifikation der Pflegekraft und der Pflegestufe. Ein Rechenbeispiel des Hilfswerks kommt bei einer Person mit Pflegestufe IV auf 1.024,70 Euro monatlich für die Betreuung bzw. 1.333,70 Euro im Pflegefall. Exklusive Förderungen reicht die Spanne der Kosten für 24-Stunden-Pflege von 40 bis 115 Euro pro Tag, wie eine Erhebung des Verein für Konsumenteninformation (VKI) zeigte.

ZUR SACHE
In Klosterneuburg betreut das Hilfswerk mit 25 MitarbeiterInnen zwischen 80 und 90 StädterInnen, die Sozialstation der Caritas hat 47 bis 50 KundInnen, die mit neun Angestellten versorgt werden und bei der Volkshilfe werden monatlich 50 bis 55 Menschen von 10 MitarbeiterInnen betreut. 2013 wurden insgesamt 209 Personen/Monat betreut.
Insgesamt gibt es in Klosterneuburg 11 diplomierte mobile Pflegepersonen, 20 HeimhelferInnen, vier PflegehelferInnen und sechs Physio- und ErgotherapeutInnen, die 2013 34,720 Stunden im Einsatz waren und mit 27 Dienstfahrzeugen 295.949 Kilometer zurücklegten.
Die Stadtgemeinde subventioniert die drei Organisationen mit insgesamt 65.000 Euro – prozentuell nach dem jeweiligen Gesamtaufwand berechnet. Den Löwenanteil erhält das HiIlfswerk mit knapp 47 Prozent (30.251 Euro), gefolgt von der Caritas (29 %) und der Volkshilfe (24 %).
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