Berufswahl
Betriebe suchen Lehrlinge, WK Kufstein setzt auf "Dating"
- Kufstein setzt auf Speed-Dating statt Berufsshuttle: "Wir wollen vom klassischen Lehrlingsfestival weggehen", sagt WK-Bezirksobfrau Sonja Altenburger.
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Weniger Lehrlinge im Bezirk Kufstein. Immer mehr wählen Lehre im zweiten Bildungsweg. Wirtschaftskammer startet im Bezirk ein neues Format mit Speeddating.
KUFSTEIN. Auch im Jahr 2025 kommt am Arbeitsmarkt niemand am Schlagwort "Lehre" vorbei. Der Bezirk Kufstein verzeichnet aktuell einen leichten Rückgang an Lehrlingen und Lehrbetrieben.
Laut den aktuellsten Zahlen von Ende August und September gibt es derzeit 496 Lehrbetriebe im Bezirk, die 1.419 Lehrlinge ausbilden. Mit Ende 2023 waren es noch insgesamt 1.614 Auszubildende in 544 Lehrbetrieben gewesen. Verfügbar wären aktuell übrigens 283 Lehrstellen.
Betriebe suchen nach Lehrlingen
Die Zahlen bestätigen ein Bild, das sich auch der Wirtschaftskammer (WK) Tirol zeigt: Betriebe suchen nach wie vor händeringend nach Lehrlingen und das in beinahe allen Sparten. Die Holzbranche steht beim Lehrberuf Zimmerer relativ gut da, und auch bei der Suche nach Nachwuchsköchen können die Betriebe einen positiven Trend verzeichnen. Ganz anders sieht es aber bei der Lehrlingssuche für die Ausbildung zum Bürokaufmann oder zur Bürofachfrau sowie zum Restaurantfachmann/-frau aus, hier wird derzeit sehr stark gesucht, erklärt Andreas Huber (WK Tirol, Bildungsabteilung) gegenüber MEINBEZIRK KUFSTEIN. Auch der Metallbereich und der Einzelhandel müssen bei den Lehrlingszahlen ein Minus hinnehmen.
- Im Holzbereich sind die Lehrlingszahlen bei den Tischlern in den letzten Jahren gesunken. (Symbolfoto)
- Foto: Michel Rohan/ Pixabay
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Ist abhängig von Branche
"Es ist von Beruf zu Beruf stark unterschiedlich", erklärt Hansjörg Steixner (Teamleiter WK Tirol, Bildungsabteilung). Im Holzbereich haben die Lehrlingszahlen bei den Tischlern in den letzten Jahren etwa abgenommen, bei den Zimmerern haben sie indes stark zugenommen. Das hänge aber auch mit äußeren Faktoren zusammen, wie in diesem Fall der Boom im Holzbau.
Im Allgemeinen gehen die Lehrlingszahlen zwar leicht zurück, allerdings gab es bei den Prüfungszahlen in den letzten Jahren immer Zuwächse, erklärt Steixner.
Der zweite Weg
Das zeigt, dass sich viele junge Menschen erst im zweiten Ausbildungsweg für die Lehre entscheiden. Die Entscheidung für eine Lehre kommt also oft erst später. Auch Personen mit Berufserfahrung oder Lehrlinge, die ihre Lehre nicht beenden konnten, können zur Lehrabschlussprüfung "im zweiten Bildungsweg" antreten. In manchen Bereichen treten sogar mehr Personen in dieser "äußeren Zulassung" an als über die Lehre.
- Viele junge Menschen entscheiden sich erst im zweiten Ausbildungsweg für die Lehre. (Symbolfoto)
- Foto: Barbara Fluckinger
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"Wir merken immer stärker, dass viele nicht die klassische Lehre durchlaufen haben, sondern schon älter sind, wenn sie den Abschluss machen. Sie haben also oft vorher schon beruflich etwas anderes gemacht und wollen dann aber noch unbedingt diese Lehre abschließen", sagt Sonja Altenburger, Bezirksstellenobfrau der WK Kufstein. Das Wissen für die Prüfung haben sie sich dann meist durch Praxiszeiten und Kurse angeeignet. Dabei spielt der Einfluss der Eltern auch heute noch eine große Rolle bei der Berufswahl mit 15 Jahren. Der letztliche berufliche Werdegang ist aber oft ein anderer.
WK Kufstein setzt auf Dating
Die Wirtschaftskammer Kufstein setzt heuer auf ein neues Format, um jungen Menschen die Arbeitsmöglichkeiten in der Lehre näherzubringen. Als erste Bezirksstelle lädt die WK am 12. November zum "Lehrlings-Speed-Dating". Die Jugendlichen sollen dabei in zehn Minuten zum Traumjob kommen, das in ähnlicher Art und Weise wie bei Formaten wie dem "Grenzüberschreitenden Business Speed-Dating“.
"Wir wollen vom klassischen Lehrlingsfestival weggehen", sagt Altenburger. 14 Mittelschulen und drei polytechnische Schulen sind dabei. Die Jugendlichen müssen sich bereits vorher in einem Portal anmelden und die Grundinformationen (Name, Alter, Stärken und Interessen) von sich selbst hinaufladen. Das Gleiche macht der Lehrbetrieb, der sich ebenfalls vorstellt und angibt, was er dem potenziellen Lehrling bietet. Letztlich dürfen sich die Jugendlichen dann drei Betriebe aussuchen, mit denen sie dann jeweils ein acht-minütiges "Date" haben. "Wir wollen, dass sich die Lehrlinge schon vorher mit den Betrieben auseinandersetzen", erklärt Altenburger. Gleichzeitig müssen sich auch die Unternehmen davor mit potenziellen Lehrlingen befassen.
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