Erinnerung an den 8. Mai 1945

Die Deutsche Wehrmacht an der Grenze bei Kiefersfelden am 12. April 1938. Über sieben Jahre sollte der Naziterror bis zur Befreiung am 8. Mai dauern.
  • Die Deutsche Wehrmacht an der Grenze bei Kiefersfelden am 12. April 1938. Über sieben Jahre sollte der Naziterror bis zur Befreiung am 8. Mai dauern.
  • Foto: ÖNB/Hoffmann H.
  • hochgeladen von Sebastian Noggler

In wenigen Wochen jährt sich zum 70. Mal ein Ereignis, das vielen Österreichern und Österreicherinnen bestenfalls als das Ende des 2. Weltkrieges bekannt ist. Einige verbinden und betrauern damit auch den Untergang des tausendjährigen Reiches und eine verschwindende Minderheit feiert dieses Datum im Gedenken an die Befreiung vom Hitlerfaschismus.

70 Jahre sind eine lange Zeit, in der man auch in Tirol zu einer Neubewertung dieses schrecklichen Abschnittes der Geschichte unserer Heimat und der damals handelnden Personen hätte kommen können.
Dass dem nicht so ist beweist die Tatsache, dass es in den vergangenen 70 Jahren nicht gelungen ist, in der Gemeinde Kirchbichl, im Tiroler Unterland, einer seit 1945 sozialdemokratisch verwalteten Ortschaft, für die dortigen Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft eine Stätte der Erinnerung und des Gedenkens zu errichten.

Wie vielen unter der heutigen Bevölkerung nicht mehr bekannt sein dürfte, wurden während der Errichtung des TIWAG-Innkraftwerks in Kirchbichl zwei polnische Zwangsarbeiter wegen „Rassenschande“, so nannte man damals die Beziehung zwischen „slawischen Untermenschen“ und heimischen „reinrassigen Arierinnen“, ohne Gerichtsurteil erhängt.
Aber auch für einheimische Widerstandskämpfer, wie den 1944 vom NS-Volksgerichtshof
zum Tode verurteilten und hingerichteten gebürtigen Kirchbichler Anton Rausch sucht man in Kirchbichl vergeblich einen Hinweis, ein Denkmal oder eine Strassenbezeichnung.
Ein 1955 im Kirchbichler Gemeinderat gestellter Antrag „man möge am Platz vor der Kirchbichler Volksschule ein Denkmal für den von den Faschisten am 30. 6. 1944 hingerichteten Anton Rausch errichten und den Platz selbst Anton Rausch Platz benennen ... „wurde vom Gemeinderat zur Kenntnis genommen und für einen späteren Zeitpunkt zurückgestellt“.
Dort steht er 60 Jahre später noch immer.
Ein weiteres Kirchbichler Nazi-Opfer, der Zimmermann Josef Zaisser, aus politischen Gründen im KZ-Flossenbürg inhaftiert, kam dort am 4. November 1941 ums Leben. Er scheint bis dato nicht einmal in den offiziellen Opferlisten auf.

In der Nachbargemeinde Wörgl, welche zumindest für die hingerichteten Sozialdemokraten
Josefine und Alois Brunner einen bescheidenen Gedenkstein am Bahnhofsvorplatz und Gedenktafeln am örtlichen Friedhof aufweisen, kam man kürzlich auf die glorreiche Idee, sich dieser und der übrigen Wörgler NS-Opfer mit einer Gedenktafel auf der Rückseite des Kriegerdenkmals vor der Stadtpfarrkirche zu erinnern.
Täter und Opfer in trauter Gemeinsamkeit vereint, die Opfer allerdings verschämt am Rücken der heroischen Vaterlandsverteidiger, welche fern der Heimat in treuer Pflichterfüllung für Volk und Reich und Führer ihr Leben ließen. Wenn man bedenkt, dass bis vor kurzem Wehrmachtsdeserteure und Widerstandskämpfer als Kameradenschweine und Vaterlandsverräter galten, immerhin eine gewisse Aufwertung.

Auch in der Schiki-Micki Stadt Kitzbühel, Refugium zahlreicher Verehrer und Bewunderer des Führers und seiner Ideologie, sucht man bisher vergebens nach Hinweisen auf hingerichtete Gegner dieses Verbrecherregimes. Zumindest wurde aber kürzlich bei einer Gemeindeversammlung der Antrag gestellt eine Gedenktafel in der Stadt für die ermordeten Andreas Obernauer, Josef Pair, Viktor da Pont, Anton Rausch und Ignaz Zloczower zu errichten.

Angesichts all dessen wundert es nicht dass heute vielfach die Meinung vorherrscht alle Österreicherinnen und Österreicher hätten dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Jahre 1938 begeistert zugestimmt und die jubelnden Massen auf dem Wiener Heldenplatz hätten das ganze österreichische Volk repräsentiert.

Anmerkung der Redaktion:
Im Rahmen der Kirchbichler Kraftwerkserweiterung durch die TIWAG wurde eine archäologische Untersuchung durchgeführt und im Umfeld des Kraftwerks zahlreiche Gebäudereste und Alltagsgegenstände freigelegt, die Bezirksblätter berichteten. Gemeinde und Betreiberfirma sagten damals die Errichtung einer Gedenktafel zu, sobald das Erweiterungsprojekt abgeschlossen sei.
Im Gemeindegebiet von Kirchbichl gab es neben dem Zwangsarbeiterlager am Inn während des "Dritten Reiches" noch zwei weitere ähnliche Anlagen.

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