Angebot für Wohnungslose
Wörgler eröffnen Teeküche und arbeiten an Notschlafstelle

Mario Wudl und Patrick Dietrich (v.l.) arbeiten derzeit freiwillig an der Adaptierung und Einrichtung der neuen Teeküche sowie einer möglichen zukünftigen Notschlafstelle.
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Facebook-Aufruf brachte freiwillige Helfer: ab 2. Dezember verfügt Wörgl über eine Teeküche für Obdachlose, auch eine Notschlafstelle soll eingerichtet werden. 

WÖRGL (bfl). Eine Tasse mit heißem Tee gegen die Kälte und ein Platz zum Aufwärmen. Dieses Angebot soll in Kürze Obdachlosen oder akut Wohnungslosen auch in Wörgl zur Verfügung stehen. Dies mit einer Teeküche, nach Möglichkeit soll sogar eine Notschlafstelle für vier Personen eingerichtet werden. 
Die Geschichte vom Zustandekommen des Projekts ist eine besondere. Die Idee hatte der Wörgler Unternehmer Roland Ponholzer. Er beschloss, ein Gebäude am Madersbacherweg 24, das sich in seinem Besitz befindet, kostenlos für eine Teeküche und Notschlafstelle zur Verfügung zu stellen. Dies alles in der Nähe des Wörgler Fußballstadions. Was ihm noch fehlte, waren freiwillige Helfer zur Betreuung der Einrichtung. Denn diese muss auf- und zugesperrt werden, aber auch warme Getränke und kleine Mahlzeiten müssen von Freiwilligen zubereitet und die Räumlichkeiten gereinigt werden. 

Soziales Medium brachte Helfer 

Über Facebook startete Ponholzer kurzerhand einen Aufruf, in dem er Wörgler um Hilfe bat. Der Beitrag wurde 1.441 Mal geteilt. 58 Kommentare folgten in den darauffolgenden Tagen auf seinen Aufruf. Unter den vielen Rückmeldungen waren auch rund vierzig Personen, die sich für die Betreuung freiwillig zur Verfügung stellen wollten. Aber auch Sachspenden durch Firmen aus der Region trudelten ein – darunter Lebensmittel, Getränke, Reinigungsmittel und ein Schließsystem. Geldspenden will man für das Projekt keine. Auch Mario Wudl und Patrick Dietrich sind zwei von vielen Menschen, die mithelfen wollten. Sie arbeiten derzeit an der Adaptierung und Einrichtung der zukünftigen Teestube sowie Notschlafstelle. 
Nach einem Treffen mit den Freiwilligen am vergangenen Freitag, konnte bereits ein erster Dienstplan erstellt werden. Rund zehn Personen wurden vorerst zur Betreuung für die Teestube eingeteilt, damit kann der Betreiber bereits vier Tage in der Woche abdecken. Man will aber eine tägliche Öffnung der Teestube anstreben, die dann täglich von 15:00 bis 20:00 Uhr im Erdgeschoss des Hauses geöffnet sein soll. Neben Tee und Kuchen wird es auch einfache warme Mahlzeiten geben. Im ersten Stock stehen ein Bad mit Duschmöglichkeit und ein WC zur Verfügung. Laufen soll das Angebot vorerst vom 2. Dezember 2019 bis 30. März 2020. 

Notschlafstelle mit Hürden

"Ich sehe auf jeden Fall Bedarf für eine Teestube in Wörgl", sagt Ponholzer. Anders ist die Sachlage hinsichtlich der ebenfalls geplanten Notschlafstelle im Obergeschoss des Hauses. Hier gibt es gleich mehrere Hürden, die auf den Betreiber zukommen. Man müsse die rechtlichen Gegebenheiten erst abklären, sagt Ponholzer. Sein Wunsch hinsichtlich der Notschlafstelle sei der Betrieb durch eine karitative Einrichtung. Er habe diesbezüglich bereits mit einem Träger gesprochen – ohne Erfolg. Mit einem weiteren sei man derzeit noch im Gespräch. Ob und wie die Notschlafstelle geöffnet werden wird, ist also noch unklar. 
"Es geht nicht nur darum, ob der Bedarf da ist, sondern ob das Angebot angenommen wird", erklärt Ponholzer. Es gelte vorerst das Vertrauen der Wohnungslosen zu gewinnen. Kein leichtes Unterfangen, da sich diese aus Angst von Stigmatisierung in der Regel nicht offen als Obdachlose präsentieren. Man werde deswegen hier stark mit "Streetworkern" bzw. Sozialarbeitern, karitativen Organisationen sowie der Polizei zusammenarbeiten und sich abstimmen, betont Ponholzer. Auch eine Absprache mit der Notschlafstelle in Kufstein sei eine Möglichkeit, so könnten Wohnungslose vorerst für die Nacht dort untergebracht werden. Sollte der Betrieb einer Notschlafstelle in Wörgl gelingen, wird diese ihre Türen von 20:00 bis 8:00 früh öffnen.

TSD sieht keinen Bedarf

Auf Anfrage der BEZIRKSBLÄTTER meldeten sich auch die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) zu Wort. Diese betreuen die Winternotschlafstelle in Kufstein. Dort finden Wohnungslose in der Carl-Schurff-Straße 7 täglich zwischen 18 und 21 Uhr offene Türen vor und können dort übernachten. Im vergangenen Jahr verzeichnete die TSD von Ende November bis Mitte April insgesamt 473 Nächtigungen. Das entspricht 3,5 besetzten "Plätzen" pro Nacht – dies bei einem Angebot von insgesamt zwölf Plätzen in Kufstein.
"Wir sind sehr froh über die Regionalisierung und es macht Sinn außerhalb von Innsbruck Plätze anzubieten, aber wir sehen jetzt gerade keinen Bedarf für eine weitere Notschlafstelle in Wörgl", sagt Anna Gutmann-Mackner, Winternotschlafstellen-Koordinatorin der TSD. Allerdings habe man über die TSD ebenfalls den Facebook-Aufruf von Roland Ponholzer geteilt und erachte eine künftige Zusammenarbeit als sehr sinnvoll. 

Kovacevic: Betreuung ebenso wichtig

"Bedarf gibt es sehr wohl", sagt indes Gemeinderat und Sozialreferent der Stadt Wörgl, Christian Kovacevic. Diesen Bedarf habe der Sozialausschuss mittels einer Bedarfserhebung bereits im Jahr 2017 ermittelt und vorgestellt. Allerdings nicht nur für die Stadt Wörgl, sondern im gesamten Tiroler Unterland. Einer Notschlafstelle in Wörgl stehe er durchaus positiv gegenüber, sagt Kovacevic, verweist aber darauf, dass auch auf die Betreuung von Wohnungslosen nicht vergessen werden darf. "Was es genauso, oder noch mehr, für die Region braucht, sind Betreuungs- und Beratungseinrichtungen für Obdachlose, wo ihnen geholfen wird, mittelfristig wieder Fuß zu fassen und das Leben in den Griff zu bekommen. Das aber kann eine einzelne Gemeinde nicht alleine stemmen", sagt Kovacevic. 

Bereits im Zuge der Eröffnung der Kufsteiner Winternotschlafstelle im Jahr 2018 diskutierte der Kufsteiner Gemeinderat über die Notwendig- und Sinnhaftigkeit der Einrichtung. Mehr dazu finden Sie hier.
Aktuelle Nachrichten aus dem Bezirk Kufstein finden Sie hier.

Mario Wudl und Patrick Dietrich (v.l.) arbeiten derzeit freiwillig an der Adaptierung und Einrichtung der neuen Teeküche sowie einer möglichen zukünftigen Notschlafstelle.
Hier soll eine Notschlafstelle für vier Personen eingerichtet werden. Ob und wann diese eröffnet werden könnte, ist aber noch offen.
Autor:

Barbara Fluckinger aus Kufstein

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