21.03.2017, 14:00 Uhr

„Im Pflegebereich gibt es noch Hausaufgaben“

Bundesratspräs. Sonja Ledl-Rossmann und LR Bernhard Tilg sind in Sachen Pflegeoffensive in Tirol unterwegs.

Die Pflege der alten und kranken Menschen wird in Zukunft eine große Herausforderung für Bund und Länder.

Sonja Ledl-Rossmann – sie ist ausgebildete Diplomkrankenschwester – ist zurzeit Bundesratsvorsitzende und Bernhard Tilg, Tirols Gesundheitslandesrat, sind derzeit in einer Info‑Offensive zum Thema Pflege unterwegs.
"Pflege – schaffbar, sichtbar, leistbar" ist Ihr Motto als Bundesratsvorsitzende und Sie wollen neue Wege diskutieren.
Ledl-Rossmann: "Mit diesem Motto will ich auf die Situation der pflegenden Angehörigen aufmerksam machen, damit diese den Mut haben, die Angebote zur Entlastung zu nutzen. Sichtbar will ich bei den Arbeitgebern das Bewusstsein machen, dass die Beschäftigten hier mit dem gleichen Druck wie bei der Kinderbetreuung klarkommen müssen. Leistbar ist die Pflege derzeit durch den gesicherten Pflegefonds bis 2021, aber wegen der demografischen Entwicklungen kommen große Herausforderungen auf uns zu. Und diese Problematiken will ich offen diskutieren."

Tirol hat in Sachen Ausbau der Pflege eine Vorreiterrolle. Welche Schwerpunkte sind gesetzt?
Bernhard Tilg: "Der Strukturplan Pflege wird derzeit evaluiert, die großen Trends wie betreutes Wohnen oder die Tages- und Kurzzeitpflege werden verstärkt. Daneben wird der Ausbau der Schwerpunkt- und Übergangspflegeeinrichtungen vorangetrieben. Das Gesamtthema Palliativ- und Hospizkonzept ist ebenso ein Bestandteil. Sehr wichtig ist es, die Brücke zwischen Gesundheit und Pflege zu bauen, speziell bei chronischen Krankheiten. Aber natürlich haben wir noch einige Hausaufgaben in der Pflege zu machen."

Die Entlohnung des Pflegepersonals wird in Tirol einheitlich geregelt, die mobile Pflege stärker forciert. Wo liegen die Vorteile?
Tilg: „Der effiziente Einsatz der finanziellen Mittel wird durch die Forcierung der mobilen Pflege bestmöglich garantiert. Der Druck auf den Ausbau der stationären Pflegeeinrichtungen nimmt ab, dieser Schritt ist der richtige und auch ein notwendiger.“

Wie sehen Sie den Pflegeregress mittelfristig?
Tilg: „Tirol hat sich damals entschieden, den Regress abzuschaffen, das steht derzeit nicht zur Diskussion. Ab der neuen Finanzausgleichsperiode 2020/21 wird es aber notwendig sein, neue Pflegefinanzierungsmodelle zu finden. Das muss im Konsens mit dem Bund diskutiert werden.“

Wird die Pflege in Zukunft ohne Pflegepflichtversicherung leistbar sein?
Ledl-Rossmann: „Mein Wunsch wäre eine offene Diskussion in Österreich. Einzelne Maßnahmen müssen geprüft und durchgerechnet werden. Modelle zwischen Bund und Ländern hin- und herzuspielen bringt nichts. Österreich ist ein Hochsteuerland mit hohen Gesundheitsausgaben. Darum müssen alle Vorschläge bundesweit offen diskutiert werden.“

Derzeit gibt es für die Pflegebedürftigen das Pflegegeld, das oft nicht ausschließlich für die Pflege verwendet wird. Wären Pflegegutscheine nicht der bessere Weg?
Ledl-Rossmann: „Ich sehe das Problem des Pflegegeldmissbrauchs nicht, denken Sie nur an den stationären Bereich, der sehr aufwändig ist. Für pflegende Angehörige kann es notwendig sein, die Arbeitszeit zu verkürzen, auch dafür sollte das Pflegegeld Ausgleich schaffen. Gutscheine, die das Pflegespektrum abdecken, wären schon organisatorisch eine Herausforderung.“

Die Entlastung der Pflegenden zu Hause ist oft unzureichend. Welche Vorschläge gibt es?
Ledl-Rossmann: „Es gibt bereits viele gute Angebote für pflegende Angehörige, für die es aber oft sehr schwierig ist, diese auch anzunehmen. Ich kann daher nur an die Betroffenen appellieren, alle Angebote für eine Auszeit zu nutzen, damit sie dann die für die Pflege notwendige Kraft aufbringen können."
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