Besondere Würdigung
Elf Gemeinden des Bezirks Landeck ehren langjährigen Gewalthaber

Andreas Matt (neuer Gewalthaber), Josef Hechenberger (Nationalratsabgeordneter und Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer), Paul Ruetz (früherer Gewalthaber), der scheidende Gewalthaber Alfons Falch mit Ehefrau Gabi, Elmar Monz (Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins) sowie St. Antons Bürgermeister Helmut Mall, (v.l.).  | Foto: Elisabeth Zangerl
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  • Andreas Matt (neuer Gewalthaber), Josef Hechenberger (Nationalratsabgeordneter und Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer), Paul Ruetz (früherer Gewalthaber), der scheidende Gewalthaber Alfons Falch mit Ehefrau Gabi, Elmar Monz (Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins) sowie St. Antons Bürgermeister Helmut Mall, (v.l.).
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Das "Zweidrittelgericht" im Bezirk Landeck und das Amt des "Gewalthabers" sind  im bäuerlichen Kontext einzigartige Bezeichnungen. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaft zur Bewirtschaftung von Almen, die bis heute nach historisch überlieferten Regeln agiert. Einen besonderen Stellenwert hat hierbei das Amt des "Gewalthabers“ – mit Alfons Falch wurde am 25. August der langjährige Gewalthaber verabschiedet.

Alfons Falch war zehn Jahre lang als Gewalthaber tätig, zuvor war er 25 Jahre lang Stellvertreter.  | Foto: Elisabeth Zangerl
  • Alfons Falch war zehn Jahre lang als Gewalthaber tätig, zuvor war er 25 Jahre lang Stellvertreter.
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ST. ANTON AM ARLBERG. (lisi). Zu den sogenannten Zweidrittelgerichtsgemeinden zählen Landeck, Stanz bei Landeck, Grins, Pians, Tobadill, See, Kappl, Strengen, Flirsch, Pettneu und St. Anton am Arlberg. Die Bürgermeister und Altbürgermeister dieser Gemeinden hatten am 25. August in die Wagner Hütte nach St. Anton geladen, um den langjährigen Gewalthaber Alfons Falch feierlich zu verabschieden. Zur Einordnung: Der Gewalthaber ist eine seit dem Mittelalter zentrale Figur der Zweidrittelgerichtsgemeinden – heute vergleichbar mit einem Geschäftsführer mit weitreichenden Vollmachten. Er beruft die Hutverlassung ein, stellt das Almpersonal zusammen, nimmt die Anmeldungen des aufzutreibenden Viehs entgegen und vertritt die Gemeinschaft nach außen.

„Der heutige Abend steht im Zeichen einer bäuerlichen Persönlichkeit, die sich neben seiner Tätigkeit als Gewalthaber des 2/3-Gerichts auch jahrzehntelang für den Erhalt und die Weiterführung der Landwirtschaft in unserer Region und darüber hinaus eingesetzt hat“,

würdigte St. Antons Bürgermeister Helmut Mall stellvertretend für die zahlreich erschienenen Bürgermeister und Altbürgermeister.

Der St. Antoner Bürgermeister Helmut Mall dankte dem scheidenden Gewalthaber.  | Foto: Elisabeth Zangerl
  • Der St. Antoner Bürgermeister Helmut Mall dankte dem scheidenden Gewalthaber.
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Zuvor hatte der neue Gewalthaber Andreas Matt die Gäste begrüßt.

Viele Funktionen

Der Schnanner Alfons Falch war über viele Jahre in einer beeindruckenden Vielzahl an Funktionen tätig: als Jungbauernobmann, Ortsbauern-, Gebiets- und Agrarobmann, als Funktionär in der Bezirks- und Landeslandwirtschaftskammer, als Obmann-Stellvertreter des Tiroler Waldverbandes, Braunviehzuchtobmann, Forstbeirat, Funktionär im Maschinenring, Gemeinderat und -vorstand, Mitglied der Lawinenkommission und vieles mehr. Der Ort der Verabschiedung – die Wagner Hütte – war bewusst gewählt: Seit jeher gilt sie als Treffpunkt der Bauern, Hirten und Jäger. St. Antons Bürgermeister Helmut Mall bezeichnete sie treffend als „Hauptquartier für bäuerliche Angelegenheiten“. Dass das Zweidrittelgericht 2017 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde, ist – so Mall – in besonderem Maße dem Einsatz von Alfons Falch und dem Pettneuer Chronisten Kurt Tschiderer zu verdanken. Nicht nur die Bezeichnung des Zweidrittelgerichts, auch jene des Gewalthabers ist im Tiroler Almwesen einzigartig. Alfons Falch war seit 2015 Gewalthaber, zuvor 25 Jahre lang Stellvertreter von Paul Ruetz aus Tobadill.

Drei Gewalthaber auf einem Bild: Paul Ruetz, der aktuelle Gewalthaber Andreas Matt und Alfons Falch.  | Foto: Elisabeth Zangerl
  • Drei Gewalthaber auf einem Bild: Paul Ruetz, der aktuelle Gewalthaber Andreas Matt und Alfons Falch.
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„Mit viel Freude, Elan und der Tradition verpflichtet hat Alfons im Laufe der Jahre ungemein viel Engagement in seine Tätigkeit eingebracht und zahlreiche Neuerungen umgesetzt“,

würdigte Helmut Mall. Zu den Aufgaben des Gewalthabers zählen die Verwaltung von mehr als 4.500 Hektar Almflächen mit 16 Hirten- und Jagdhütten samt verschiedenen Hutschaften, die Suche nach Almpersonal sowie die Abwicklung jagdlicher Belange wie etwa die Verpachtung.

Große Herausforderungen

Wie auch Alfons Falch selbst betonte, prägten zwei große Herausforderungen seine Amtszeit. Zum einen waren dies Tuberkulose-Fälle im hinteren Stanzertal, von denen auch Nutztiere betroffen waren. Zum anderen machten große Beutegreifer den Landwirten zu schaffen: Im „Horror-Jahr“ 2021 kam es zu 19 Rissen und 25 vermissten Tieren. In der Folge wurde ein Herdenschutzprojekt initiiert, an dem Falch maßgeblich beteiligt war.

„Mir war es wichtig, dass es weitergeht mit dem Zweidrittelgericht und dass uns die Landwirte wieder ihre Tiere anvertrauen“,

sagt er heute und bezeichnet diese Phase als die herausforderndste Zeit seiner Tätigkeit. Der schönste Moment seiner Ära war die UNESCO-Verleihung in Wien. Abschließend kamen dankende Worte von Elmar Monz, u.a. Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, er erklärte:

„Es gibt im Land wenig Funktionäre, die all das unter einen Hut bekommen hätten“

und:

„Alfons hat zu 100 % für die Land- und Almwirtschaft gearbeitet und das Rad am Laufen gehalten.“

Dankende Worte kamen auch von Elmar Monz.  | Foto: Elisabeth Zangerl
  • Dankende Worte kamen auch von Elmar Monz.
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Auch der Nationalratsabgeordnete und Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer, Josef Hechenberger, dankte:

„Alfons hat so einen guten Job gemacht, dass nur ein Olympiamedaillengewinner als Nachfolger in Frage kommt.“

Bekannterweise übergab Falch das Zepter an Andreas Matt, Olympiamedaillengewinner im Skricross. Eine Nachfolgerlösung, mit der sich alle mehr als zufrieden zeigten. Josef Hechenberger erklärte abschließend:

„Alfons ist das Idealbild eines Funktionärs und eine sehr ergebnisorientierte Persönlichkeit.“

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Im Anschluss gabs Präsente und Blumen für Ehefrau Gabi – das Ehepaar Falch feierte an diesem 25. August auch seinen Hochzeitstag.

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